126 Kilometer werden nicht belohnt: SCVM verliert im Pokal gegen Voran Ohe

Während die Oher Spieler den Treffer zum 4:1 bejubeln, gucken SCVM-Keeper Kiesling und Verteidiger Busch genervt auf den Rasen. Foto: Zerbian

SC Vier- und Marschlande – FC Voran Ohe 1:4 (0:2)
ODDSET-Pokal, 2. Runde (Di., 31.07.18, 18.45 Uhr)

Unterschiedlicher hätte die Vorbereitung auf die Zweitrunden-Partie im ODDSET-Pokal zwischen dem SC Vier- und Marschlande (Bezirksliga Ost) und dem FC Voran Ohe (Landesliga Hansa) nicht sein können. Während SCVM-Trainer Olaf Poschmann sich am vergangenen Sonnabend die Mühe machte und das Punktspiel des FCVO im fernen Buxtehude (0:0) live vor Ort beobachtete und dafür insgesamt 126 Kilometer (Hin- und Rückweg zusammen) gefahren war, hielt es FCVO-Coach Rainer Seibert nicht für nötig, das SCVM-Spiel gegen den ASV Bergedorf 85 genau vor seiner Haustür an den Sander Tannen zu beobachten. „Ich bin in den vergangenen Jahren gut damit gefahren, dass ich mich auf unsere Stärken konzentriere und nicht unser Spiel nach dem Gegner ausrichte“, erklärte Seibert. Sein Gegenüber vertritt da eine andere Ansicht. „Ich schaue mir jeden Gegner an. Denn ich möchte meine Mannschaft bestmöglich vorbereiten. Die Erkenntnisse werden auch im Training eingebaut“, unterstrich Poschmann seine Maßnahme.

Welche Ansicht nun die bessere ist, wird jeder Trainer für sich selbst beantworten müssen. Doch im Pokalspiel zeigte sich, dass der SCVM zwar wusste, wie der FCVO spielen wird. Kapital konnten sie daraus jedoch nicht schlagen. Im ersten Durchgang spielten fast nur die Gäste. Mit frühem Pressing setzten sie die Hausherren unter Druck und erzwangen viele Fehler beim SCVM. So erzielte der beste Mann auf dem Platz, Oskar Sulinski, nach einer Ecke von Robin Woost per Kopf das frühe 1:0 für die Oher (12.). „Wir waren auf die Standards vorbereitet und ich hatte genau da, wo Sulinski stand, einen Spieler von uns positioniert. Dass Sulinski dann aus elf Metern ungestört einköpfen kann, muss man mir erst einmal erklären“, ärgerte sich Poschmann.

Gordon erhöht, Woost scheitert am Pfosten – Zwei Elfmeter binnen sieben Minuten

Erzielte das 2:0 für den FCVO: Patrick Gordon (hier im Duell mit Gerrit Knoblauch). Foto: Zerbian

Mit dem 1:0 im Rücken drängten die Gäste auf das 2:0. Doch nach einer Flanke von Moritz Kühn, die auf der Latte landete, hatten sie Glück, nicht den Ausgleichstreffer kassiert zu haben (18.). Zwei Minuten später belohnten sich die Oher dann aber für die starke Anfangsphase. Nach einem geblockten Schuss von Timo Bressel landete der Ball bei Patrick Gordon, der das Spielgerät nur noch einschieben musste (20.). Robin Woost hätte kurz darauf sogar das 3:0 beisteuern können, doch nachdem er den SCVM-Keeper Nick Kiesling bereits umspielt hatte, scheiterte der Offensivspieler aus spitzem Winkel am linken Pfosten (26.). Die Gastgeber kamen durch Alexander Sievers, der bereits in der 18. Minute für den verletzten Tobias Kehr (Oberschenkel) in die Partie kam, und Florian Ackermann zweimal zu Torchancen (36., 42.). Auf Seiten des FCVO verfehlte Marco Pflug mit einem Distanzschuss das SCVM-Gehäuse nur knapp (32.).

Im zweiten Durchgang begannen die Hausherren druckvoll. So kamen sie durch einen fragwürdigen Elfmeter (angeblicher Schubser von Philip Lang an Oliver Kunkel), den Marc Oldag sicher in die rechte untere Ecke verwandelte, 180 Sekunden nach dem Wiederanpfiff zum Anschlusstreffer (49.). Nun rannte der SCVM an. Allen voran Moritz Kühn auf der rechten Außenbahn sorgte für Gefahr. Doch die Oher Hintermannschaft um den bärenstarken Sulinski ließ nicht viel zu. Durch einen Entlastungsangriff erhöhte der FCVO dann sogar auf 3:1. Der auffällige Timo Bressel konnte von Gerrit Knoblauch nur mit einem Foul gestoppt werden. Nach Rücksprache mit seinem Assistenten entschied Schiedsrichter Kelvin Wodrich (Escheburger SV) auf Strafstoß. Diesen konnte Kiesling zwar parieren, doch Schütze Woost setzte nach und drückte den Nachschuss über die Linie (56.).

Seibert wünscht sich einen Oberligisten – Poschmann will von einem Fehlstart nichts wissen

Wusste zu überzeugen: SCVM-Offensivspieler Moritz Kühn wird hier von Yannik Andersson gestört. Foto: Zerbian

Von diesem erneuten Rückschlag erholten sich die Gastgeber nur bedingt. Sie ließen zwar den Ball laufen und entwickelten noch eine gute Chance durch Kunkel (80.), doch ein Treffer sprang dabei nicht mehr heraus. Ein Tor erzielten aber die Gäste noch – in der Nachspielzeit. Nach einem Ballgewinn von Bressel, startete Philip Lang mit dem Ball am Fuß aus der eigenen Hälfte und sprintete auf das Tor zu. Vor dem Gehäuse legte er das Spielgerät auf Yannik Andersson ab, der den Treffer zum 4:1-Entstand erzielte (90.+1). „Wir hätten zur Pause schon 5:0 führen müssen. Das ist das einzige Manko. Ansonsten bin ich sehr zufrieden. Wenn man sieht, wer noch alles fehlt, ist diese Leistung schon stark“, bilanzierte Seibert, der noch ein Ziel in diesem Wettbewerb verfolgt. „Wir wollen einen Oberligisten aus dem Pokal kegeln. Dementsprechend wünschen wir uns für die nächste Runde einen Oberligisten“, betonte der FCVO-Trainer mit einem Grinsen im Gesicht.

Und Poschmann? Der saß nach dem Abpfiff noch länger mit seinem Co- und Torwart-Trainer sowie einigen Spielern auf dem Rasenplatz und analysierte die Pokalniederlage. „Voran Ohe hat genauso gespielt, wie wir sie erwartet haben. Sie haben auf unsere Fehler gewartet. Und diese Fehler haben wir heute in einer hohen Anzahl produziert“, bemängelte der Coach, der dennoch nicht alles negativ reden wollte. „In der zweiten Halbzeit waren wir besser und hatten auch unsere Chancen. Doch momentan fehlt uns einfach das Quäntchen Glück, dass wir auch mal aus einer 60- oder 70-prozentigen Chance ein Tor erzielen. Im Gegensatz dazu werden unsere Fehler sofort bestraft“, haderte „Poschi“, der von einem Fehlstart noch nichts wissen will. „Von einem Fehlstart zu sprechen, ist viel zu früh“, betonte der Übungsleiter, der aber zugab: „Diese Woche haben wir uns natürlich anders vorgestellt.“

SCVM: Kiesling; Knoblauch, Johannsen, Busch, Schneider (46. Pawlak); Kühn, Spors (67. Bultmann), Ackermann, Oldag; Kunkel, Kehr (18. Sievers)
FCVO: Malik; Gläser, Walek (46. Sandig), Sulinski, Lang; Kaufmann (67. Janßen), Pflug; Bressel, Woost, Gordon (64. M. Ohl); Andersson

Eine Bildergalerie zum Spiel von Wilfried Zerbian: