1:3 gegen den VfL Lohbrügge: Siegesserie vom FC Voran Ohe endet gegen Schneppel und Aydin

Die Lohbrügger bejubeln den Treffer zum frühen 1:0 von Pascal Bäker, der von Kapitän Hamdan umarmt wird. Rechts Agit Aydin. Foto: Zerbian

FC Voran Ohe – VfL Lohbrügge 1:3 (1:1)
Landesliga Hansa, 15. Spieltag (Fr., 02.11.18, 19.30 Uhr)

Laute Musik ist man nach den Heimspielen des FC Voran Ohe gewöhnt. Doch normalerweise dröhnt die musikalische Beschallung aus der Heimkabine im Kabinentrakt am Amselstieg. Am gestrigen Freitagabend war es nach fünf Heimsiegen und insgesamt zehn Dreiern in Serie allerdings der Fall, dass in der Gästekabine gefeiert wurde. Und in diesem Umkleideraum war gestern Abend der VfL Lohbrügge beheimatet. Sie hatten allen Grund für ihre lautstarke Feierei. Die Lohbrügger, gecoacht vom ehemaligen Ohe-Trainer Sven Schneppel und Elvis Nikolic, besiegten den FCVO mit 3:1 und beendeten die Siegesserie von zehn Erfolgen am Stück des Tabellenzweiten.

Und ein Mann spielte an diesem Abend, an den sich Schneppel und Co. etwas länger erinnern werden, eine entscheidende Rolle. Agit Aydin, der ebenfalls wie sein Trainer über eine Oher Vergangenheit verfügt (2013 bis 2016 in Ohe aktiv gewesen) und zuletzt langfristig verletzungsbedingt fehlte, drehte in Halbzeit zwei auf. Die Nummer 23 des VfL leitete den zweiten Treffer durch Oghuzan Gencel (53.) ein und erzielte den Endstand zum 3:1 (74.) selbst. Dementsprechend honorierten seine Mitspieler die Leistung ihres Außenbahnspielers. Mit „Agit, Agit, Agit“- Gesängen feierten die Gäste ihren Dreier lautstark auf dem Rasenplatz. Diese kleine Zeremonie im Mannschaftskreis war nur der Anfang. In der Kabine war minutenlang „Auswärtssieg, Auswärtssieg“ oder „Derbysieger, Derbysieger Hey Hey“ zu hören. So stand jedem Lohbrügger ein breites Grinsen ins Gesicht geschrieben. Auch Agit Aydin. „Gegen den Ex-Klub zu spielen, war schon ein besonderes Spiel. Und dass ich noch den Treffer zum 3:1 erziele, macht mich glücklich“, gab ein zurückhaltender aber freudestrahlender Mann des Spiels zu Protokoll. In der ersten Halbzeit war von dem 25-Jährigen aber noch nicht viel zu sehen, das sollte sich nach der Pause ändern. „Ich wollte es erstmal ruhiger angehen lassen und nicht riskieren, dass ich nach kurzer Zeit nicht mehr kann. In der zweiten Halbzeit habe ich dann mein Spiel gemacht“, freute sich Aydin über „einen sehr wichtigen Derbysieg“, der anschließend eine kleine Kampfansage an die Konkurrenz parat hatte. „Ich bin sehr zufrieden und stolz auf die Mannschaft. Wenn jetzt noch Tammim (Tammim Yousofzai, d.Red.), Ahmad (Ahmad Abdul Hafiz, d. Red.) und Pallasch (Robert Pallasch d. Red.) zurückkommen, dann sind wir komplett und greifen oben an“, um mit einem Grinsen anzufügen: „Dann sind wir nicht mehr aufzuhalten.“

Ein Traumtor von Daniel Gläser macht Hoffnung, ein Fehler von Nico Sandig lässt Aydin jubeln

Der Jubel des FCVO nach dem zwischenzeitlichen 1:1 durch Daniel Gläser. Foto: Zerbian

Für den Erfolg in Ohe legten die Gäste bereits früh den Grundstein. Nach einem langen Befreiungsschlag aus der eigenen Defensive machte sich VfL-Stürmer Pascal Bäker auf den Weg und profitierte von Abstimmungsproblemen von Ohes Keeper Michel Thomä und Innenverteidiger Nico Sandig. So kam Bäker an den Ball, umkurvte Thomä und schob zur 1:0-Führung ein. Zu diesem Zeitpunkt waren gerade erst etwas über 60 Sekunden gespielt (2.). Von diesem frühen Schock erholten sich die Gastgeber nur langsam. Doch zum bestmöglichen Zeitpunkt kam das Team von Trainer Rainer Seibert zum 1:1-Ausgleich. In der letzten Minute der ersten Hälfte egalisierte Außenverteidiger Daniel Gläser mit einem ersten Treffer im Herrenbereich und einem absoluten Traumtor aus rund 30 Metern in den rechten Winkel die Lohbrügger Führung (45.). Diesen Rückenwind nahmen die Hausherren auch mit in den zweiten Abschnitt. Doch ihre Überlegenheit münzten sie nicht in einen Treffer um.

Ganz im Gegenteil. Der zu diesem Zeitpunkt nun überragende Aydin lupfte den Ball von der rechten Seite zu Pascal Bäker, der das Spielgerät direkt zu Oguzhan Gencel weiterleitete. Gencel musste die Kugel nur noch zum 2:1 über die Linie drücken (53.). Zwar schwächten sich die Gäste durch eine Gelb-Rote Karte für Innenverteidiger Artur Hoppe selbst (59.), legten durch Aydin aber nach und erhöhten trotz Unterzahl auf 3:1 (74.). Der Treffer für den ehemaligen Oher wurde durch einen Ballverlust von Nico Sandig am eigenen Strafraum begünstigt, der nach sechswöchiger Verletzungspause und nur zwei Trainingseinheiten direkt in der Startelf stand, da mit Fabian Stritzke (Wade), Oskar Sulinski (Arbeit) und Sebastian Kaufmann (krank) alle anderen Verteidiger ausfielen. Die Unsicherheiten von Sandig fielen auch VfL-Coach Sven Schneppel auf. „Das haben wir in der Halbzeit angesprochen. Und im zweiten Abschnitt wollten wir dann natürlich auf Sandig und in die Schnittstelle da rein spielen. Das war dann unser sogenanntes Opfer“, erklärte Schneppel. In der Folge konnten die Hausherren, die durch Tarec Blohm ihre beste Chance hatten (64.), trotz der personellen Überzahl keine wirklich zwingende Torgefahr entwickeln und konnten den VfL auch im siebten Versuch hintereinander nicht besiegen. Somit wartet der FCVO weiterhin seit dem 30. April 2015 auf einen Sieg gegen den Nachbarn.

Seibert: „Ich weiß nicht, warum die feiern. Die haben an und für sich gar nichts zu feiern.“

„Wir haben hier auf Sieg gespielt und die drei Punkte waren für uns einen Tick wichtiger als die Oher Siegesserie. Ich fand die drei Punkte zum Schluss auch wirklich verdient. Wir hatten zwischendurch einen kleinen Wackler drin, aber vorher und vor allem zum Schluss, auch trotz der Unterzahl, haben wir das richtig gut gemacht“, bilanzierte die eine Hälfte des Lohbrügger Trainer-Duos, Sven Schneppel. Der den Grund für den Erfolg parat hatte. „Zwar haben wir eine Gelb-Rote Karte kassiert. Grundsätzlich war der Schlüssel zum Erfolg, dass wir alle ruhig und klar in unseren Aktionen geblieben sind und dass wir die Fehler von Ohe ausgenutzt haben“, sagte der 45-Jährige, um sich anschließend zu freuen. „Endlich haben wir mal gegen eine Spitzenmannschaft gewonnen und nächste Woche haben wir bei Bramfeld gleich die Gelegenheit, den nächsten Coup zu landen“, blickte der Coach unmittelbar nach dem Sieg gleich wieder Voraus.  „Nächste Woche ist mit Anto Zivkovic, der aus dem Urlaub zurückkehrt, eine weitere Verstärkung vorhanden. Sandjar Ahmadi ist jetzt die zwei Spiele mit der vierten Gelben Karte davon gekommen und ist nächste Woche auch dabei. Es gibt also viele positive Aspekte. Auch die eingewechselten Agatino Indulto und Fabian Reimers schmeißen sich rein. Es wird uns ja immer nachgesagt, dass wir eine zusammengekaufte Truppe und keine Mannschaft wären. Ich glaube, das Bild korrigieren wir Step für Step. Und das ist auch eine schöne Situation“, betonte Schneppel abschließend.

Lohbrügges Torschütze Pascal Bäker (li.) läuft Marc Ohl davon.

Und sein Gegenüber? Der wirkte trotz der Niederlage nicht gerade unglücklich, musste sich aber auch erst einmal damit abfinden, dass bei einem Sieg gegen den VfL durch das 1:1-Unentschieden vom Bramfelder SV gegen den SC Vorwärts-Wacker 04 Billstedt die Tabellenführung und die damit verbundene Herbstmeisterschaft drin gewesen wäre. „Ja, das stimmt“, atmetet Rainer Seibert erst einmal tief durch, um fortzuführen: „Es hätte mich sehr für die Truppe gefreut. Aber vielleicht war es auch der richtige Dämpfer zur richtigen Zeit.“ Doch Seibert wollte seiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. „Es ist schon sensationell, auch was wir gegen Vorwärts-Wacker gemacht haben. Wir haben nunmal fünf, sechs Ausfälle und das kannst du nicht immer so kompensieren, wenn du an der Spitze bist. Irgendwann kriegst du es halt nicht mehr hin. Aber das ist auch nicht schlimm. Wir waren auf Augenhöhe mit Lohbrügge und hatten meiner Meinung nach mehr Spielanteile“, resümierte ein sichtlich entspannter Oher Übungsleiter, der sich in seiner Analyse einen kleinen Seitenhieb gegen den VfL nicht verkneifen konnte. „Wir haben uns durch individuelle Fehler in der Defensive selbst geschlagen. Das kannst du dir gegen Lohbrügge nicht erlauben. Und wenn du dann die Dinger vorne nicht machst, dann ist das so und dann kann man nur sagen: Glückwunsch an Lohbrügge. Wir sind aber immer noch fünf Punkte vor Lohbrügge. Deswegen weiß ich nicht, warum die feiern. Die haben an und für sich gar nichts zu feiern. Wäre ich da Trainer, hätte ich sie in die Boberger Dünen geschickt, damit sie den Mund halten“, sagte Seibert. Und Aydin? Der schlich sich heimlich von hinten an Seibert ran und umarmte ihn herzlich – mit einem Grinsen im Gesicht, welches bei allen Lohbrüggern den gesamten Abend nicht mehr aus dem Gesicht verschwand.

FCVO: Thomä; Schenkenberg, Walek, Sandig, Gläser; Schröder, Pflug (75. Gordon); M. Ohl (61. M. Gassmann), Woost, Andersson (75. Bressel); Blohm
VfL: Brandic; Ahmadi, Hoppe, Hamdan, Santelmann; Holz, Gurbanian (84. Reimers); Aydin (77. Indulto), Vidovic (71. Bozic), Gencel; Bäker

Eine Bildergalerie von Wilfried Zerbian: