90.+4! Bezirksliga-Aufsteiger schlägt Titelfavoriten zum Saisonauftakt

Der Titelfavorit SC Vier- und Marschlande verlor zum Saisonauftakt beim ASV Bergedorf 85 mit 2:3. Foto: BOLZJUNGS

ASV Bergedorf 85 – SC Vier- und Marschlande 3:2 (0:0)
Bezirksliga Ost, 1. Spieltag (So., 29.07.18, 12.00 Uhr)

Der Jubel kannte keine Grenzen mehr. Das gesamte Team, die Trainer, die Verantwortlichen und teilweise sogar Fans liefen zur rechten Eckfahne und bildeten eine riesengroße Jubeltraube. „Heute wird gesoffen und morgen nehmen wir uns frei“, war aus der Jubelzeremonie zu hören. Kurz zuvor erzielte der eingewechselte Kevin Holthöfer den 3:2-Siegtreffer für den ASV Bergedorf 85 im Duell mit dem SC Vier- und Marschlande. Damit sorgte der Bezirksliga-Aufsteiger bereits am ersten Spieltag für eine faustdicke Überraschung.

„Es ist mehr als überragend. Jeder Einzelne war top. Ich muss meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen und ziehe meinen Hut vor ihrer Leistung“, freute sich ein sichtlich sprachloser Patrick Paap, Trainer des ASV Bergedorf 85. Während im ersten Durchgang der SCVM das Spiel dominierte und gute Möglichkeiten liegen ließ (Kunkel/13., Kehr/20., Ackermann/45.), kam der Underdog im zweiten Durchgang besser in die Partie. 120 Sekunden nach dem Wiederanpfiff kam der ASV nach einem Eckball zu einer Dreifach-Chance. Doch der SCVM konnte den Ball im Verbund in der Defensive in allerhöchster Not retten (47.). Wieder zwei Minuten später entwickelten die Gastgeber erneut durch einen gefährlichem Standard Torgefahr. Doch Gerrit Knoblauch konnte für seinen bereits geschlagenen Keeper Marc Brockmöller das Spielgerät knapp vor der Linie klären (49.).

Doch während der ASV eine Druckphase entwickelte, trafen die Gäste – beinahe aus dem Nichts. Marc Oldag zog mit dem Ball von links in die Mitte und bediente den einlaufenden Stürmer Oliver Kunkel, der im Eins gegen Eins ASV-Torwart Stradins keine Chance ließ. 1:0 für den SCVM (68.). Doch wer dachte, der Aufsteiger würde im Anschluss auseinander brechen, sah sich getäuscht. Binnen 120 Sekunden drehte die Paap-Equipe die Partie. Nach einem lange Ball stand Jakob Föhres plötzlich alleine vor dem Tor und erzielte das umjubelte 1:1 (75.). Doch der ASV hatte noch nicht genug. Der beste Mann auf dem Platz, Justin Gauger, bekam einen Pass von Thomas Herrmann genau in den Lauf, umkurvte Brockmöller und musste nur noch ins leere Tor einschieben (76.). 2:1 für den ASV. Spiel gedreht.

Erzielte das zwischenzeitliche 2:2: SCVM-Stürmer Tobias Kehr (rot). Foto: BOLZJUNGS

Paap: „Unsere Taktik ist aufgegangen“ – SCVM hat keine Zeit zum Trauern

Nachdem eine Flanke von der rechten Außenbahn von Moritz Kühn auf der Latte landete (80.), erzielte Tobias Kehr acht Minuten später durch eine starke Einzelleistung den 2:2-Ausgleichstreffer (88.). Kurz darauf hatte der Favorit durch den eingewechselten Alexander Sievers eine große Chance, erneut in Führung zu gehen, doch der Ball ging aus bester Position deutlich über das Tor (89.). „Unerklärlich, wie man diesen Ball nicht reinmachen kann. Das ist nur an der Konzentration festzumachen“, ärgerte sich SCVM-Coach Olaf Poschmann. Und dieser Ärger sollte sich noch einmal verstärken. In der letzten Minute der insgesamt vierminütigen Nachspielzeit beförderte Timo Schwenke einen Freistoß in die Gefahrenzone, den Gregor Krahn auf Kevin Holthöfer verlängerte, der den Ball zum 3:2-Siegtreffer in die Maschen drosch (90.+4). Der Rest war pure Freude.

„Wir wussten ja, dass Poschi (SCVM-Trainer Olaf Poschmann, d.Red.) bei unserem Pokalspiel war und alles fleißig filmte. Doch diesen Gefallen haben wir ihm nicht getan. Wir haben komplett anders gespielt, als im Pokal. Die Vorgabe war, solange wie möglich die Null zu halten und mit den schnellen Jungs vorne für Gefahr zu sorgen. Und diese Taktik ist vollständig aufgegangen“, freute sich ASV-Coach Paap über den Auftaktsieg. Von Freude war bei Poschmann verständlicher Weise nichts zu spüren. Sichtlich angeschlagen saß er auf einer Holzbank nähe des Kabinentrakts an den Sander Tannen und schaute ins Leere. „Das hatten wir uns hier natürlich ganz anders vorgestellt. Doch nun stehen wir mit leeren Händen da und müssen diese Niederlage erklären“, zeigte sich Poschmann enttäuscht. Doch lange Zeit zum Trauern haben sie beim SCVM nicht. Bereits morgen Abend wartet der klassenhöhere Landesligist FC Voran Ohe in der zweiten Runde im ODDSET-Pokal auf die Roten (18.45 Uhr, Sporthallenweg 7). „Wir müssen dieses Spiel schnell aus den Köpfen kriegen und wollen die kommende Partie nutzen, um zu sehen, wie stark die Spielstärke da ist, wo wir hinwollen“, blickte „Poschi“ voraus.

ASV: Stradins; Krahn, Kautz, Herrmann, Rüdian; Kretschel (73. Schenke), Schwenke, Bannasch, Dell; Gauger, Föhres (87. Holthöfer)
SCVM: Brockmöller; Knoblauch, Johannsen, Busch, Schneider; Kühn, Ackermann (67. Spors), Bultmann (82. Sievers), Oldag; Kehr, Kunkel