94 hitzige Minuten am Binnenfeldredder: VfL Lohbrügge behält die Nerven und besiegt Rahlstedt

Lohbrügges Tim Santelmann geht gegen Hendrik Wolfgramm entschlossen in den Zweikampf. Foto: Zerbian

VfL Lohbrügge – Rahlstedter SC 2:1 (1:1)
Landesliga Hansa, 14. Spieltag (Sa., 27.10.18, 15.00 Uhr)

Es musste einfach raus. „Endlich haben wir mal ein Geschenk genutzt. Ihr mit eurem Kack-Spiel“, brüllte Sven Schneppel lautstark in Richtung der Ersatzbank des Rahlstedter SC. Soeben hatte Oguzhan Gencel den VfL Lohbrügge in der Landesliga-Partie gegen den RSC zur 2:1-Führung geschossen (67.), da musste Schneppel, der zusammen mit Elvis Nikolic das Trainer-Duo am Binnenfeldredder bildet, seinen Frust freien Lauf lassen. „Das sind die Emotionen“, erklärte der Trainer nach dem Spiel seinen kurzen Wutausbruch. Begünstigt wurde die erneute Lohbrügger Führung von einem kapitalen Fehlpass von RSC-Innenverteidiger Christopher Hoff, der Gencel den Ball in den Lauf spielte.

Es ging ordentlich zur Sache am Binnenfeldredder. Foto: Zerbian

Nicht nur beim entscheidenen Lohbrügger Treffer kochten die Emotionen zwischen den beiden Ersatzbänken hoch. Während den gesamten 90 Minuten lieferten sich die Trainer und Ersatzspieler neben dem Feld diverse Wortgefechte. Besonders im ersten Durchgang war Schiedsrichter Tim Wöllmer (FC Süderelbe) damit beschäftigt, die Gemüter zu beruhigen. Doch auch auf dem Feld war einiges Los. „Ich habe keine Lust auf das Gesabbel hier“, betonte der Referee vier Minuten vor der Pause. Zu dem Zeitpunkt waren besonders die Lohbrügger auf 180, da sie in einem Zweikampf zwischen Rahlstedts Lukas Sosnowski und ihrem Kapitän Anto Zivkovic einen Ellenbogenschlag von Sosnowski gesehen haben wollen. Wöllmer zeigte dem RSC-Kapitän die Gelbe Karte, die Gastgeber forderten Rot.

Rahlstedts Lukas Sosnowski trifft aus knapp 40 Metern

Zu diesem Zeitpunkt stand es am Binnenfeldredder vor 72 Zuschauern bereits 1:1. Nachdem der auffällige Verdran Vidovic in der fünften Minute noch am linken Pfosten scheiterte, brachte Javad Gurbanian die Hausherren zwölf Zeigerumdrehungen später in Führung. Nach einer Kombination über die linke Seite von Vidovic und Zivkovic landete das Spielgerät in der Mitte vor den Füßen vor Gurbanian, der am ersten Pfosten nur noch zum 1:0 einschieben musste (17.). In der Folge machte RSC-Kapitän Sosnowski auf sich aufmerksam. Erst parierte VfL-Keeper Boris Lastro, der für den gesperrten Alen Brandic zwischen den Pfosten stand, einen gut getretenen Freistoß von Sosnowski (19.), ehe dieser neun Minuten später aus knapp 40 Metern per direktem Freistoß den 1:1-Ausgleich herstellte. Bei dem direkt getretenen Standard von linksaußen prallte der Ball hinter der VfL-Defensive und vor Torwart Lastro auf, sodass das Spielgerät über den Keeper hinweg ins Netz flog (28.). „Das war eine Fehlerkette“, kommentierte VfL-Coach Schneppel.

RSC-Keeper Marcel Reimers pariert den Foulelfmeter von Anto Zivkovic. Foto: Zerbian

Doch kurz darauf hatten die Hausherren in Person von Zivkovic die große Gelegenheit zur erneuten Führung. Nach einem Foulspiel von Alexander Hintz an Gencel gab der Unparteiische Strafstoß. Der VfL-Kapitän legte sich den Ball hin und schoss ihn halbhoch Richtung linke Ecke, doch RSC-Schlussmann Marcel Reimers kratzte den Ball von der Linie (34.). Starke Parade! „Das war überhaupt nichts. Der Gegenspieler lässt sich einfach fallen, da muss der Schiedsrichter cleverer pfeifen“, sagte Rahlstedts Übungsleiter Bastian Warning nach der Partie zur Entstehung des Elfmeters. Nachdem es mit diesem Remis in die Pause ging spielten im zweiten Abschnitt beinahe nur noch die Gastgeber. Besonders zum Anfang der zweiten Halbzeit drückten sie auf das Führungstor. Erst prallte ein geklärter Ball von den Beinen von Zivkovic an die Latte (50.), ehe sich Gurbanian links durchsetzte, den Ball vors Tor spielte und der im Getümmel im Fünfmeterraum erneut ans Aluminum prallte. Dieses Mal war es der Pfosten (53.). „Jetzt werdet mal wach da hinten“, forderte Warning von seiner Hintermannschaft. Kurze Zeit später stand Agit Aydin alleine vor RSC-Keeper Reimers, doch der Schlussmann parierte den Heber (56.). „Haut die Kugel da jetzt rein“, forderte hingegen Schneppel von seiner Offensive.

VfL dreht in der zweiten Halbzeit auf, versäumt es aber die Partie frühzeitig zu entscheiden

Erzielte den Siegtreffer: Lohbrügges Oguzhan Gencel. Foto: Zerbian

In dieser Phase war das Unentschieden für die Gäste sehr schmeichelhaft. Es spielten nur noch die Lohbrügger. Nach einem Gurbanian-Freistoß köpfte Jonas Holz die Kugel knapp am zweiten Pfosten vorbei (58.). Erneut meldete sich RSC-Trainer Warning in seiner Coachingzone zu Wort. „Macht euch stark da hinten“, rief er über den Rasenplatz. Doch seine Männer stärkten sich nicht, ganz im Gegenteil. Erst kassierten sie den besagten Treffer durch Gencel (67.), ehe fünf Minuten später Hendrik Wolfgramm nach wiederholtem Foulspiels den Platz mit Gelb-Rot verlassen musste (72.). In der Nachspielzeit hatten die Hausherren durch den eingewechselten Gerrit Betzin die große Chance zum 3:1, doch der Stürmer schaffte es nicht, den Ball im leeren Tor unterzubringen (90. +2). So blieb es nach 94 gespielten Minuten beim 2:1 für den VfL.

„Wir hatten das ein oder andere Mal das Glück auf unserer Seite, dass der Ball gegen den Pfosten oder die Latte prallt. Wir können uns nicht beschweren, weil wir, vor allem in der zweiten Halbzeit, nicht konsequent nach vorne gespielt haben. Nach dem Platzverweis haben wir uns selbst dezimiert. Das Ergebnis geht leider so in Ordnung, weil wir in vielen Punkten nicht so clever waren wie Lohbrügge“, analysierte RSC-Coach Bastian Warning die Niederlage, ehe er die Unruhe an der Seitenlinie kommentierte. „Das ist ja hier in Lohbrügge immer das Gleiche. Das ist nichts Neues und da ist das kroatische Temperament dabei. Das gehört ja auch irgendwie dazu. Schlussendlich haben sie es am Ende besser gelöst als wir“, kommentierte Warning.

Schneppel freut sich auf Voran Ohe – Duro Maskaljevic nicht mehr im Kader

In diesem Moment mal ganz ruhig auf der Trainerbank: VfL-Coach Sven Schneppel (li.). Foto: Zerbian

Sein Gegenüber zeigte sich nach zuletzt zwei Niederlagen (0:1 Dersimspor, 0:2 SVNA) aus drei Partien entsprechend glücklich mit den drei Punkten. „Heute galt es einfach zu gewinnen, um oben in der Tabelle endlich mal wieder ranzurutschen. Die drei Punkte mussten heute einfach sein – auch wenn es etwas zu spannend war“, freute sich VfL-Trainer Sven Schneppel, um anschließend in die Analyse zu gehen. „Die Spielanalyse fällt heute relativ simpel aus. In der ersten Halbzeit haben wir uns einschläfern lassen. Im zweiten Abschnitt haben wir alles, was wir beschleunigen können, beschleunigt. Das ging dann zu schnell für Rahlstedt und so war der Sieg dann zwangsläufig. Doch wir müssen höher gewinnen“, erklärte der Coach, der nun den Blick auf kommenden Freitag wirft, wo Schneppel mit seinem VfL Lohbrügge beim FC Voran Ohe gastiert (19.30 Uhr, Amselstieg). „Der Sieg war auch wichtig dafür, dass wir mit einer breiten Brust nach Ohe fahren. Auf das Spiel freue ich mich sehr – ganz besonders auf Daniel Walek, mit dem ich nach wie vor noch einen hervorragenden Kontakt habe. Da habe ich schon ein paar WhatsApp-Nachrichten bekommen. Das wird ein schönes Spiel“, sagte Schneppel, der von 2013 bis 2015 selbst als Trainer am Amselstieg tätig war. Und was sagt man zu so einem Lauf des Ex-Vereins von neun Siegen am Stück, Herr Schneppel? „Mein Lauf in der Bezirksliga in Ohe war länger“, sagte der Coach abschließend mit einem Lachen.

Am Rande der Landesliga-Partie erklärte Schneppel auf BOLZJUNGS-Nachfrage, dass Duro Maskaljevic ab sofort nicht mehr zum Kader des VfL gehöre. Nach einer Gelb-Roten Karte gegen Hamm United folgte im Pokalspiel gegen den HFC Falke eine Rote Karte, für die es zur normalen Sperre vom Verband noch ein Spiel extra gab. „Nach den zwei Platzverweisen und vor allem nach der überflüssigen und unnötigen Roten gegen Falke haben wir ihn neben der Sperre vom Verband auch intern bestraft. Danach hätte er wieder ein Mitglied im Kader sein können. Doch das wollte Duro nicht. Das akzeptieren wir“, erläuterte Sven Schneppel.

VfL: Lastro; Santelmann, Hamdan, Hoppe, Ahmadi; Gurbanian (90. Bozic), Holz; Gencel, Zivkovic, Aydin (77. Boakye); Vidovic (87. Betzin)
RSC: Reimers; Hoff, Hintz (73. Oschetzki), Moss, Goldenbaum; Sosnowski, Pressel (80. Voß); Wolfgramm, Taudte, Kloninger (59. Wirtz); Rasmussen

Eine Bildergalerie von Wilfried Zerbian: