Bramfelder SV siegt trotz Unterzahl und dank „Tornado“ Ljubisavljevic gegen den VfL Lohbrügge

Die Bramfelder Jubeltraube nach dem 2:1-Siegtreffer durch Juro Julardzija (verdeckt). Foto: Bode

Bramfelder SV – VfL Lohbrügge 2:1 (1:0)
Landesliga Hansa, 16. Spieltag (Fr., 09.11.18, 19.00 Uhr)

Als Schiedsrichter Ben Henry Uhrig (Egenbüttel) in der Landesliga-Partie zwischen dem Bramfelder SV und dem VfL Lohbrügge beim Stand von 1:0 für die Hausherren zur Halbzeit pfiff und die Akteure den Platz in Richtung Kabinen verließen, ergriff der äußerst motivierende und lautstarke Stadionsprecher das Wort und begleitete die Mannschaften mit dem Satz „In einem guten bis teilweise sehr guten Spiel führt unser Bramfelder SV verdient mit 1:0“ in die Katakomben. Dieser Satz sorgte bei dem einen oder anderen der insgesamt 97 Zuschauer an der Ellernreihe für ein Schmunzeln. In der Tat lag der Sprecher mit seiner Analyse „in einem guten bis teilweise sehr guten Spiel“ nicht ganz richtig. Zwar war die Partie auf dem Papier ein absolutes Spitzenspiel, doch was der Tabellenführer und vor allem der viertplatzierte VfL Lohbrügge in der ersten 45 Minuten auf dem Kunstrasenplatz zustande brachten, hatte nicht viel mit einem Spitzenspiel oder einem „guten bis teilweise sehr guten Spiel“ zu tun.

So fasste Elvis Nikolic, der zusammen mit Sven Schneppel das Trainer-Duo beim VfL bildet, die Leistung seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit mit einem kurzen „leidenschaftslos“ zusammen, ehe der Coach nach der Partie nachlegte. „Wir haben die erste Halbzeit verpennt“, formulierte Nikolic. Zwar versprachen die ersten zehn Minuten eine ansehnliche Vorstellung der Gäste, die besser in die Partie kamen. Doch nach der guten Anfangsphase ließen die Lohbrügger nach und übergaben die Spielkontrolle an die Hausherren, die nach schläfrigem Beginn von Minute zu Minute präsenter wurden. In einem fehlerbehafteten Spiel mit zahlreichen ungenauen Pässen auf beiden Seiten passierte vor den Toren nicht viel. Bei den Bramfeldern dauerte es bis zur 13. Minute, bis sich nach einem ersten guten Angriff mal ein Hauch von Torgefahr entwickelte. Diese wurde fünf Minuten später erneute bestätigt, doch dabei blieb es auch erst einmal. Auf Seiten der Gäste hatte lediglich Agit Aydin zwei Abschlüsse anzubieten. Diese waren allerdings beide zu harmlos (21., 32.). Mehr wurde nicht geboten.

„Tornado“ Ljubisavljevic erzielt die Führung vor der Halbzeit – Gurbanian sieht Gelb und trifft

Milos Ljubisavljevic wurde vom Stadionsprecher nach seinem Treffer als „Tornado“ gefeiert. Foto: Bode

Doch fünf Minuten vor dem Pausentee durften die Bramfelder Anhänger dann doch jubeln und der Stadionsprecher konnte zu seiner ersten Zeremonie ausholen. Nachdem der auffällige Patrick Lüth den Ball auf die rechte Außenbahn zu Milos Ljubisavljevic beförderte, zog der Offensivspieler in die Mitte und brachte das Spielgerät im unteren rechten Eck zur 1:0-Führung unter (40.). Als „Tornado“ ließ ihn der Sprecher anschließend feiern. Doch diese Bramfelder Feierstimmung schien auf der Kippe zu stehen. Die Lohbrügger kamen leidenschaftlich aus der Kabine und egalisierten nur fünf Zeigerumdrehungen nach dem Wiederanpfiff. Der zur Halbzeit eingewechselte Oguzhan Gencel spielte den Ball zu Vedran Vidovic, der per Hacke auf Javad Gurbanian weiterleitete. Gurbanian zog aus vollem Lauf direkt ab und traf zum umjubelten 1:1-Ausgleich. „Was ein geiles Tor“, kommentierte die andere Hälfte des Lohbrügger Trainergespanns, Sven Schneppel. Kurios: Nur einige Sekunden vor seinem Treffer sah Gurbanian die Gelbe Karte. Nun nahm die Partie Fahrt auf und beiden Teams spielten mit viel Tempo nach vorne. Und als der bereits mit Gelb verwarnte Lennard Bahn nach einem Foulspiel gegen Tim Santelmann, welches die Gemüter für kurze Zeit erhitzte, mit Gelb-Rot vorzeitig den Platz verlassen musste (71.), war das Momentum bei den Lohbrüggern.

Doch in dieser Annahme wurden die Zuschauer getäuscht. Die Bramfelder spielten trotz personeller Unterzahl weiter gut mit und drückten sogar auf den Führungstreffer. Und zu diesem kamen sie nur sieben Minuten nach dem Platzverweis und zwei Minuten nach einer gefährlichen Kopfballchance von Lohbrügges Adam Hamadan (76.). Der im zweiten Durchgang starke Marcel Perz schlug den Ball nach einem gewonnenen Zweikampf auf die rechte Seite zu Milos Ljubisavljevic, der das Spielgerät vor das Tor zu Juro Julardzija beförderte. Der Stürmer drückte den Ball per Direktabnahme zur 2:1-Führung ins Netz (78.). Erneut brandeten ein großer Jubel und eine ausführliche Torankündigung des Stadionsprechers auf. Mit diesem erneuten Führungstreffer holte sich der BSV die kurz verlorene Tabellenführung zurück, da der FC Voran Ohe zu diesem Zeitpunkt mit 1:0 gegen den Buxtehuder SV führte. Doch nicht nur, weil Ohe am Ende noch 1:2 gegen Buxtehude verlor, sondern auch weil die Bramfelder trotz Unterzahl gegen den VfL Lohbrügge das 2:1 über die Zeit retteten, standen und stehen sie am Ende des Abends wieder auf Platz eins der Tabelle. Das wurde nach dem Abpfiff auf dem Kunstrasenplatz mit lautstarken Gesängen und ihrem Stoffmaskottchen, welches im Siegerkreis einige Male in die Luft geworfen wurde, ausgiebig gefeiert.

Bramfeld feiert mit einem Maskottchen vom Dom – Nikolic: „Die stehen wirklich verdient oben.“

BSV-Torwart Sascha Kleinschmidt mit dem Stoffmaskottchen. Foto: Bode

„Das ist unser neues Maskottchen, was die Jungs mal auf einem Abend auf dem Dom gewonnen haben“, beschrieb Carsten Henning, der zusammen mit Mirko Schulz die sportlichen Geschicke beim Tabellenführer leitet. Doch was genau das Maskottchen darstellen soll, konnte auch der Coach nicht in Worte fassen. „Das weiß ich auch nicht. Aber auf jeden Fall etwas, was die Stimmung hebt“, sagte Henning mit einem Lachen. „Das war ein intensives Spiel von beiden Seiten. Zwar gab es nicht so viele Möglichkeiten auf beiden Seiten. Aber ich denke, wir hatten die klareren Möglichkeiten“, analysierte Henning, der von einem „verdienten Sieg“ sprach. Und dass seine Mannschaft trotz der Unterzahl zu der erneuten Führung kam und damit auch zum Sieg, war für den Trainer keine Überraschung. „Wir beide haben gesagt, dass wir das Spiel mit zehn Mann wahrscheinlich leichter gewinnen werden, als mit elf Mann. Weil sich da jeder nochmal mehr konzentriert auf seine Position. Auch wenn es eine Phrase ist, das hat sich heute wieder bewahrheitet. Dementsprechend sind wir glücklich über den Sieg und freuen uns mit der Mannschaft, dass sie sich endlich mal belohnt hat – gerade nach den zwei letzten Unentschieden, wo wir schon ein bisschen deprimiert waren, ist es heute umso schöner, einen Sieg zu feiern“, freute sich Henning über den Dreier im Spitzenspiel.

Freude kam bei seinem Gegenüber verständlicherweise nicht auf, als er seine Sichtweise zu den vorangegangen 90 Minuten skizzierte. Das dachte man zumindest. „Erst einmal möchte ich sagen, dass Bramfeld ein verdienter Spitzenreiter ist. Sie haben eine sehr gute Mannschaft, auch vom ganzen Benehmen und dem Umfeld her. Das ist wirklich richtig gut und macht mir Spaß. Die stehen wirklich verdient oben“, begann Elvis Nikolic sein Statement und zeigte sich damit als fairer Sportsmann, ehe er sich in die Analyse des Spiels begab. „Wir haben die erste Halbzeit verpennt, in der zweiten sind wir richtig schön leidenschaftlich raus gekommen und haben verdient das 1:1 gemacht. Dann ist das eine fünfzig-fünfzig Angelegenheit. Geht der Kopfball von Adam (Adam Hamdan, d. Red.) rein, glaube ich, gewinnen wir. So machen die das Tor. Also war im Endeffekt alles drin im zweiten Durchgang“, sagte Nikolic, der seiner Mannschaft eine „leidenschaftliche Leistung“ in der zweiten Halbzeit attestierte und trotz der Niederlage zum Abschluss sagte: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Und der Stadionsprecher? Der zelebrierte den Sieg mit folgendem Satz: „Der VfL Lohbrügge hat gezeigt, dass sie zu Recht oben in der Tabelle stehen und wir haben gezeigt, dass wir zu Recht ganz oben in der Tabelle stehen.“

BSV: Kleinschmidt; Bahn, Westpahl, Stoppel, Skalnik; Mellmann, Sadownik (46. Mohr); Ljubisavljevic, Perz (88. Remark), Lüth; Julardzija (80. Ntiri)
VfL: Brandic; Ahmadi, Bozic, Hamdan, Santelmann; Holz, Gurbanian (80. Bäker); Aydin, Zivkovic, Boakye (46. Gencel); Vidovic (84. Betzin)