Dank Dosenöffner Jan Landau: HUFC wirft Oberligist SVCN aus dem Pokal

Curslacks Jan Bannasch nimmt den Ball an. Die HUFC-Akteure schauen zu. Foto: BOLZJUNGS

Hamm United – SV Curslack-Neuengamme 2:0 (0:0)
ODDSET-Pokal, 2. Runde (Mi., 01.08.18, 19.30 Uhr)

Gerade setzte der Mann des Tages, Hamm Uniteds Neuzugang Jan Landau, zu einem seiner zahlreichen unwiderstehlichen Dribblings an, da rief ein junger Anhänger des Oberligisten SV Curslack-Neuengamme in Richtung Spielfeld: „Jan, lass das!“ (78.). Zwar blieb diese Offensivaktion letztlich ohne Erfolg, doch die Reaktion beschrieb passend, wie der Ex-Curslacker dem ODDSET-Pokalspiel (2. Runde) den Stempel aufgedrückt hatte. Am Ende siegte der gastgebende Landesligist HUFC mit 2:0 (0:0) und zog völlig verdient in die dritte Pokalrunde (Auslosung heute 18.30 Uhr) ein.

Hinten Graudenz, vorne Landau – „Ich wollte unbedingt ein Tor machen!“

Die langjährigen Mitspieler Jan Landau (Nr. 77, HUFC) und Vitali Wilhelm beim Anstoß in Abschnitt zwei. Foto: BOLZJUNGS

Bereits nach vier Minuten wurde sichtbar, dass es vor allem für Tom Bober und Sebastian Spiewak, die in der SVCN-Dreierkette den linken beziehungsweise mittleren Part einnahmen, ein harter Arbeitstag werden dürfte. Ihr ehemaliger Mitspieler Landau umkurvte die gegnerische Defensive. Doch der Angriff blieb ohne Erfolg. 15 Minuten später sah Bober nach einem Foulspiel an den HUFC-Offensivspieler früh die Gelbe Karte. Zwischenzeitlich kamen die Gäste durch Niklas Driebel per Kopfball (16.) und Timo Lenz (19.) zu ihren ersten Torannäherungen. Kurz vor dem Pausenpfiff stand dann noch einmal der spätere Mann des Spiels im Mittelpunkt. Landau lief nach einem Pass von Marcel Schwarck von rechts auf SVCN-Keeper Gianluca Babuschkin, der sein Comeback feierte (s. unten), zu, traf mit seinem versuchten Heber aber nur den Schlussmann, um nach der Partie gegenüber BOLZJUNGS zu sagen: „Ich wollte unbedingt ein Tor machen, aber der Ball wollte einfach nicht rein.“ Dass es auch auf der Gegenseite nicht klingelte, war dem stark aufgelegten HUFC-Schlussmann Samuel Graudenz zu verdanken. Das wusste auch Curslacks bester Mann auf dem Platz, Vitali Wilhelm. „Hamm hatte heute einfach einen starken Torwart“, gab der Linksverteidiger später zu Protokoll.

HUFC-Trainer Sidnei Marschall ohne Stürmer, dafür mit taktischer Finesse – Sein Gegenüber Wulff spricht vom ersten Tiefpunkt der Saison

Das Weiterkommen machten die Gastgeber in Abschnitt zwei perfekt. Dimitri Patrin schlenzte den Ball nach einem weiten Traumpass von, wie sollte es anders sein, Landau gekonnt von der linken Strafraumecke über den ein Stück zu weit außerhalb stehenden SVCN-Schlussmann Babuschkin zur umjubelten 1:0-Führung (55.). Daraufhin reagierte der neue Curslacker Trainer Matthias Wulff und tauschte trotz des Rückstands überraschend auf der Position des Innenverteidigers. Marvin Schalitz kam für Sebastian Spiewak. Auch Jonas Buck betrat für Tom Bober den Platz (59.). „Ich hätte auch die anderen neun Spieler auswechseln können. Wir wollten aber von hinten neue Impulse setzen und Marvin sollte uns zudem bei den offensiven Standards helfen“, erklärte SVCN-Trainer Matthias Wulff. Gut fünf Minuten nach dem Doppelwechsel kam auch Schalitz in den Genuss des Dribbelkünstlers Landau. Der 28-Jährige lief auf der rechten Seite auf den groß gewachsenen Abwehrspieler zu – und ließ ihn nach einem Tunnel stehen.

SVCN-Stürmer Arnold Lechler (Nr. 7) kommt für Niklas Driebel ins Spiel. Foto: BOLZJUNGS

Nun kam der nach dem Abgang von Stürmer Adrian Sousa neue Hoffnungsträger Arnold Lechler ins Spiel (71.). Für den einen oder anderen Anhänger der Gäste zu spät. Als „Co“ Marco Wyrwinski den ehemaligen Akteur des FC Bergedorf 85 an die Trainerbank rief, war von der Tribüne das Wort „Endlich“ zu hören. Es waren die ersten Minuten von Lechler im Dress des SVCN.

In der Schlussphase drehte dann noch einmal der SV Curslack-Neuengamme auf. Nach einer Ecke von rechts kam Marvin Schalitz zu einer Großchance, ehe Timo Lenz ebenfalls an dem bärenstarken Graudenz (85.). Mark Brudler scheiterte mit einem Distanzschuss aus vollem Lauf ebenfalls an dem Hammer Keeper (90.). Im Gegenzug konterte der HUFC die Gäste aus und sorgte für die Entscheidung. Ronn Asante legte auf Alessandro Schirosi, der den heran eilenden Christian Ayim bediente (90.+1). „Verdienter geht es nicht! Ich wusste, dass Curslack im 3-5-2-System spielt und dadurch die Zentrale sehr eng ist. Also habe ich ohne Stürmer spielen lassen und vier ‚Zehner‘ aufgestellt. Das war denke ich unser Geheimnis“, erklärte HUFC-Trainer Sidnei Marschall seine taktische Finesse, die er mit seinem Team im Training am Montag einstudiert hatte. Sein Gegenüber Wulff zeigte sich geschockt: „Das ist ein ganz bitterer Moment und der erste Tiefpunkt der Saison! Diese Pleite haben wir uns selber zuzuschreiben, da die Laufbereitschaft und der Wille gefehlt haben.“

Und der Mann des Tages, dem sein Trainer Marschall einen Treffer gegönnt hätte? „Es ist ein komisches Gefühl, nicht in weiß oder blau zu spielen. Aber es ist ein tolles Gefühl, weiter zu sein“, fasste Jan Landau seine Gemütslage zusammen.

SVCN: Kleiner Hoffnungsschimmer am Rande des Pokalaus

Feierte nach 270 Tagen sein Comeback im SVCN-Kasten: Gianluca Babuschkin. Foto: Herzog

270 Tage! So lange musste der SVCN-Torwart Gianluca Babuschkin aufgrund einer Schulterverletzung pausieren. Im Duell mit dem Oberliga-Nachbarn TuS Dassendorf (1:3) zog sich der 25-Jährige einen Einriss in der Bizepssehne zu. Nun das – wenn vom Ergebnis her enttäuschende – Comeback im Kasten. „Babu ist seit längerer Zeit im Training, seit zwei Wochen im Mannschaftstraining und schmerzfrei. Von daher musste irgendwann der Härtetest kommen und das war heute“, sagte SVCN-Trainer Matthias Wulff nach der Pleite. Über diesen Härtetest freute sich auch „Babu“ selber. „Ich bin glücklich endlich wieder dabei sein zu können und erleichtert, dass die Schulter den Härtetest im Pflichtspiel ohne Probleme überstanden hat“, gab der Keeper zu Protokoll.

HUFC: Graudenz; Kauth (71. Asante), Pietruschka, Simon, Yücel; Kamalow, Rahn; Schwarck, Landau, Schirosi, Patrin (84. Ayim)
SVCN: Babuschkin; Brudler, Spiewak (59. Schalitz), Bober (59. Buck); Beldzik, Bannasch, Papke, Rogge, Wilhelm; Driebel (71. Lechler), Lenz