„Den Fußball brauche ich nicht auf meinem Körper, den trage ich im Herzen!“

Im vergangenen Jahr durfte Sven Möller nahezu jedes Wochenende jubeln. Nun wurde der Dassendorfer Spielmacher zu Hamburgs Fußballer des Jahres gekürt. Foto: Herzog

Als sein „spektakulärstes Jahr“ bezeichnet Sven Möller von der TuS Dassendorf die vergangene Saison. Mit dem „Dorfklub“ wurde der 28-Jährige zum fünften Mal in Serie Oberligameister, spielte nach dem ODDSET-Pokalsieg gegen den Niendorfer TSV im DFB-Pokal gegen Zweitligist Duisburg (0:1). Anfang September wurde er im Rahmen der HFV-Gala zu Hamburgs Fußballer des Jahres gekürt. Wir sprachen mit Dassendorfs Spielmacher über seine Affinität für Mode, die Ratlosigkeit über fehlende Regionalliga-Angebote und wieso er die Trophäe nicht selbst entgegen genommen hat.

BOLZJUNGS: Sven, zur Verwunderung vieler bist du der HFV-Gala ferngeblieben. Wie kam das?
Möller: Leute, die mich wirklich kennen, wissen, dass ich immer zum Training gehe.

BOLZJUNGS: Dennoch wirst du dich über die Anerkennung gefreut haben. Was bedeutet dieser Titel für dich?
Möller: Er hat das spektakulärste Jahr meiner Karriere abgerundet. Wir haben ja nur ein Spiel so wirklich verloren (26.11.17 1:2 beim TSV Sasel, d. Red.). Das andere haben wir wegen dem ODDSET-Pokal mehr oder weniger hergeschenkt (18.05.18 0:2 gegen den TuS Osdorf, d. Red.). Nach der Ehrung habe ich das Jahr noch einmal Revue passieren lassen. Es war ein sehr geiles Jahr!

BOLZJUNGS: Hast du auch ein wenig selbst die Werbetrommel gerührt?
Möller: Das hat meine Mutter übernommen. Sie hat bei ihren Freundinnen ordentlich Werbung gemacht. (lacht) Wir haben nahezu alle Spiele gewonnen, das Double geholt. Da war das schon ein Stück weit verdient.

BOLZJUNGS: Lass uns teilhaben an deiner Vergangenheit. Welche fußballerische Ausbildung hast du genießen dürfen, dass du jetzt diesen Titel abräumst?
Möller: Ich bin in Bergedorf aufgewachsen, habe in der Jugend für den SV Nettelnburg/Allermöhe und den VfL Lohbrügge gespielt. In Lohbrügge ist mir relativ problemlos der Sprung in die Herren-Oberliga gelungen, ich habe viele Spiele gemacht. Über den Lüneburger SK, wo ich schon einmal unter Elard (Dassendorf-Trainer Ostermann, d. Red.) trainiert habe und wir bei meinem Abgang in die Regionalliga aufgestiegen waren, bin ich 2014 durch einen meiner besten Kumpels, Henrik Dettmann, schließlich in Dassendorf gelandet.

BOLZJUNGS: Seitdem hast du kein anderes Jersey getragen. Wie kommt das?
Möller: Regionalliga-Angebote habe ich komischerweise nie bekommen. (lacht) Jetzt wäre das für mich ohnehin nichts mehr. Zwei bis drei Einheiten pro Woche reichen mir.

BOLZJUNGS: Wofür verwendest du deine fußballfreie Zeit?
Möller: Ich arbeite als Projektmanager einer Firma für Fensterherstellung. Zudem hat mich der Modebereich schon immer interessiert. Meine Freundin ist Mode-Bloggerin („shoppisticated“, d. Red.), ich selbst habe seit einem Jahr einen Onlineshop für mein eigenes Modelabel „BrokenSystem“.

Sven Möller und seine Tattoos. Foto: Herzog

BOLZJUNGS: Wie kam es zu diesem Namen?
Möller: Ich mochte ihn einfach. Der Begriff ‚Broken‘ steht im Vordergrund. Ich verbinde Mode immer mit einer Gefühlslage und mag dieses dunkle.

BOLZJUNGS: Deine Affinität für Tattoos ist auch nicht zu übersehen.
Möller: Das stimmt. Ich find’s einfach schick. Ich habe mit 20 damit angefangen. Damals habe ich mein erstes eigenes Auto in Wolfsburg abgeholt. Ich kannte einen Tattoo-Künstler in Kassel und bin dann spontan weitergefahren dorthin, habe einen Termin abgemacht und gleich den rechten Arm vollgehauen. Sechs Stunden hat das gedauert. Mittlerweile greift die Sucht schon. Einen Teil des Preisgeldes (1500€, d. Red.) werde ich sicherlich auch dafür investieren. Aber der Großteil wird für ein Essen mit der Mannschaft draufgehen.

BOLZJUNGS: Ein Fußball-Tattoo ist aber nicht zu sehen.
Möller: Das stimmt, das wird auch nicht passieren. Den Fußball brauche ich nicht auf meinem Körper, den trage ich im Herzen!