Der ewige Co: Olcay Günay und der Wunsch des Amtes Cheftrainer

Olcay Günay (vorne) wird die SVNA-Ligamannschaft am Saisonende verlassen. Foto: Herzog

Im Sommer 2011 wechselte Olcay Günay vom damaligen Bezirksligisten SV Nettelnburg/Allermöhe zum Landesligisten GSK Bergedorf. Doch nach nur drei Spielen für den neuen Klub war es für ihn auch schon wieder vorbei mit dem Projekt GSK. „Ich zog mir einen Knorpelschaden zu. Im Amateurbereich hast du dann einfach nicht die Möglichkeiten zur Genesung, wie es sie im Profifußball gibt“, weiß Günay. Nach einer langen Auszeit wechselte er im Sommer 2012 dann zurück zu seinem SVNA. Doch auch dort dauerte es erneut nur wenige Spiele, bis sich Günay einen Außenbandriss im Knöchel zuzog. Die Folge dieses Verletzungspechs: Das Karriereende mit nur etwas mehr als 20 Jahren. Heute ist Günay 26 Jahre alt und Co-Trainer beim Landesligisten SVNA.

Erfolgreiche Zeit als aktiver Fußballer

Vor seinem bitteren Aus lief der Defensivspieler in der C-Jugend-Regionalliga für die Spvgg Billstedt-Horn auf (Saison 05/06), ehe es den Boberger zum SVNA zog. Dort durchlief Günay fortan die gesamte Jugendabteilung und spielte unter anderem mit dem ehemaligen HSV-Profi Zhi Gin Lam zusammen. Als sich die Zeit in der A-Jugend dem Ende näherte, sprach ihn kurzerhand der damalige und heutige Manager Jan Arp an, um Günay in die SVNA-Herren zu lotsen. „Ich wurde auf Anhieb Stammspieler“, erinnert sich Günay mit einem Lächeln im Gesicht. Nach zwei Jahren zog es ihn dann zum GSK, wo das besagte Verletzungspech los ging.

Vom Jugendbereich in die Herren: Die Anfänge an der Seitenlinie

Andreas Ferentinos. Foto: Herzog

In seiner letzten Saison als Aktiver beim SVNA coachte Günay gleichzeitig die 2.B-Jugend des Vereins, die in der Verbandsliga beheimatet war (Saison 12/13). Es waren seine Anfänge an der Seitenlinie. „Der damalige Coach Marcel Lewinski sprach mich an, ob ich ihm zur Seite stehen möchte. In der Rückrunde wurde ich dann direkt Cheftrainer“, sagt Günay. Es folgten zwei Jahre als „Co“ in der B-Regionalliga-Mannschaft unter Wolfgang Skubsch, bevor es für Günay im Sommer 2015 erstmals in den Herrenbereich ging. Die Ligamannschaft des SVNA, damals in der Bezirksliga Ost beheimatet, wurde von Andreas Ferentinos trainiert. Doch, dass Günay den Job als Co-Trainer der Herren annimmt, war keine unüberlegte Entscheidung. „Ich habe mir zwei, drei Wochen Gedanken gemacht. Es waren nur wenige Spieler älter als ich. Ob sie mir zuhören? Ob sie mir gehorchen werden?“, blickt Günay auf seine damaligen Zweifel zurück. Doch dann stimmte er im Sommer 2015 dem Angebot zu. Auch, weil er von Ferentinos lernen wollte.

Vom schüchternen „Co“ zum Assistenten mit Ambitionen

Die Anfänge waren geprägt von einem eher zurückhaltenden Günay. „Fere hat mir aber immer gut zugeredet und so konnte ich dann nach und nach aus mir herauskommen“, betont der junge Coach. Wichtig war dabei auch, dass die Spieler auf ihn gehört haben. Im vergangenen Sommer verabschiedete sich nach zwei gemeinsamen Jahren an der Linie dann Günays Mentor Ferentinos. Auf den 50-Jährigen folgte Mirko „Naddel“ Petersen. „Ich kannte ihn nicht persönlich. Natürlich kam mir da auch der Gedanke, ob ich vielleicht etwas eigenes machen möchte. Doch Naddel hat gut auf mich eingeredet und mich überzeugt, zu bleiben“, erinnert sich Günay. Doch im Laufe der Hinrunde gerieten die Nettelnburger in den Abstiegskampf — und auch intern schien es zu wackeln. Ende Oktober wurde die Zusammenarbeit mit Petersen dann aufgelöst.

Zu dem Zeitpunkt schöpfte Günay die Hoffnung, das Team bis zur jetzigen Winterpause interimsweise übernehmen zu können. „Ich war enttäuscht, dass ich das Angebot nicht bekam“, sagt der 26-Jährige. Ihm war bewusst, dass im Winter ein neuer Chefcoach kommen würde. Er fragte bei den Verantwortlichen Jan Arp und Gerald Grassé nach, wieso nicht ihm der Job angeboten wurde, und bekam eine Antwort, die er folglich akzeptierte. „Sie wollten in der damaligen schwierigen Lage einen Erfahrenen haben“, erinnert sich Günay. Und der „Neue“ war ein alter Bekannter: sein ehemaliger Mentor Ferentinos.

Der neue „Chef“ ist da — Günay zeigt sich ehrgeizig

Neu-Coach Daniel Andrade. Foto: SVNA

Nun ist die Zeit gekommen. Vor wenigen Wochen stellte der SVNA mit Daniel Andrade, Ex-Trainer des SV Altengamme, den neuen Übungsleiter vor. Auch Andrade ist ein alter Bekannter Günays. „Wir haben gemeinsam die C-Lizenz absolviert. Er passt zum Team, ich freue mich“, sagt der Boberger. Jetzt heißt es erst einmal, nach der Winterpause den guten Lauf, den es unter Interimscoach Ferentinos gab (zuletzt vier Siege in Folge), fortzusetzen. Was nach der laufenden Spielzeit passiert, weiß Günay noch nicht. „Ich habe noch bis zum Sommer Vertrag. Die Gespräche werden bald anlaufen“, weiß Günay, der aber auch betont: „Ich würde sehr gerne bald irgendwo Cheftrainer werden. Das kann auch in der Jugend und/oder überregional, sollte aber leistungsbezogen sein.“ Der SVNA-Abteilungsleiter Gerald Grassé ist jedenfalls überzeugt von Günay: „Er ist ein toller und sehr ambitionierter Trainer, der ein gutes Training macht.“ Und vielleicht klappt sein Wunsch des Amtes Cheftrainer ja auch in einer Mannschaft bei seinem SV Nettelnburg/Allermöhe.