„Doc“ sagt den Sieg voraus und Beldzik antwortet seinem Trainer mit einem Tor

Foto: Bode
SV Curslack-Neuengamme – TuS Osdorf 4:1 (0:0)
Oberliga, 19. Spieltag (Sa., 02.12.17, 14.00 Uhr)
 
Gut gelaunt betrat er den Kunstrasenplatz und ging in Richtung heimische Trainerbank. In der rechten Hand die Getränkeflaschen, in der linken die Arzttasche. „Seit dem ich hier bin haben wir noch nie ein Spiel vor unserer Weihnachtsfeier verloren. Das wird heute wieder was“, erzählte Joachim Köhler, den alle nur „Jockel“ nennen. Und der Physiotherapeut des SV Curslack-Neuengamme sollte Recht behalten. Am Ende besiegten die Vierländer den TuS Osdorf 4:1.
 
Doch bevor sich die Spieler von Trainer Torsten Henke am heutigen Abend auf ihrer Weihnachtsfeier feuchtfröhlich amüsieren können, stand erst einmal die Arbeit an. Und diese hätte von Beginn an einfacher werden können, hätte Jan Landau bereits in der dritten Minute einen schönen Steilpass von Stjepan Radic zur 1:0-Führung verwertet. Doch Gästekeeper Patrick Hartmann parierte den Schuss. In Folge ereignete sich ein ausgeglichenes Spiel mit viel Tempo und vor allem Wille und Zweikampf. Nach einer Kopfballchance des TuS Osdorf durch Stürmer Jeremy Wachter, hatten die Hausherren drei Zeigerumdrehungen später eine gute Gelegenheit. Doch einen scharf getretenen Freistoß von Witalij Wilhelm verpassten Mark Brudler und Sebastian Spiewak am zweiten Pfosten.
 
In der 32. Minute gipfelten die vielen Zweikämpfe in einer Rudelbildung. Nach einem Foulspiel von Niklas Hoffmann (SVCN) gerieten die beiden Kapitäne Patrik Papke (SVCN) und Bennet Krause (Osdorf), der in der Halbzeit verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste, aneinander. Schiedsrichter Johannes Mayer-Lindenberg verwarnte die beiden „Streithähne“ jeweils mit dem gelben Karton. Fünf Minuten später hatte Wachter dann die beste Chance der ersten Hälfte, als er nach einer verunglückten Kopfballabwehr von Spiewak allein vor SVCN-Schlussmann Leon Giese auftauchte. Doch dessen Abschluss parierte der Keeper stark.
 
Im zweiten Abschnitt bekamen die 112 Zuschauer am Gramkowweg, unter denen sich auch der neue Curslacker Co-Trainer Daniel Grosse mischte, Tore zu sehen.  Nach einer Kombination von Jan Landau und Mark Brudler auf der rechten Außenbahn landete der Ball bei Stjepan Radic, der die Kugel aus halblinker Position ins lange Eck schlenzte (60.). Neun Minuten später legten die Hausherren durch einen Kopfballtreffer von Sebastian Spiewak zum 2:0 nach.
 
Die Gäste gaben sich aber nicht auf. Lautstark gepusht von ihren Ersatzspielern und ihrem Trainer Peter Wiehle, kamen sie durch Kevin Trapp zum Anschlusstreffer (77.). Wer sich nun auf einen spannende Schlussphase einstellte, musste sich bereits 60 Sekunden später geschlagen geben. Florian Rogge stellte nach einem Schuss von der Strafraumgrenze, der mit Hilfe des linken Innenpfostens über die Linie ging, die alte zwei Tore Führung zum 3:1 wieder her (78.).
 
Der letzte Treffer zum 4:1 durch Mike Beldzik stellte noch eine besondere Geschichte dar. Nachdem der Offensivspieler heute morgen erst aus Polen zurückkam, überlegte Torsten Henke lange, ob er Beldzik einwechseln sollte. Nachdem der 22-Jährige in der Partie war und die ersten beiden Zweikampf verloren hatte, schimpfte Henke von draußen. Beldzik ließ sich das nicht gefallen und antwortete seinem Trainer mit den Worten „Was willst du denn jetzt?“. Doch ganz egal waren ihm die Worte seines Trainers wohl nicht. Den folgenden Zweikampf konnte Beldzik für sich entscheiden und lief allein aufs Tor zu. Vor dem Gehäuse behielt er die Nerven und markierte den 4:1-Endstand, um anschließend an der Trainerbank zu jubeln – mit seinem Trainer.
 
Angesprochen auf die kleine Auseinandersetzung reagierte Henke entspannt. „Da kam ein Kommentar zurück, damit habe ich aber kein großes Problem, denn ich bin kein Kind von Traurigkeit draußen an der Seitenlinie. Wenn jedes Mal ein Spieler so antworten würde, wie es Mike getan hat, ist das überragend“, bezog sich Henke lächelnd auf den Treffer seines Schützlings, der sich auf die anschließenden Feierlichkeiten freute. „Nun werden wir sicherlich einen sehr fröhlichen Abend haben – mit einer super Stimmung“, betonte der Coach.
 
Diese „super Stimmung“ konnten die Gäste nicht teilen. „Das war heute eine klare Angelegenheit. Wir sind nicht richtig ins Spiel reingekommen und mussten viel hinterher laufen. Dementsprechend geht das Ergebnis auch voll in Ordnung“, resümierte Osdorfs Co-Trainer Jan Feldmeier.
Und Köhler? Der kam nach dem Sieg freudestrahlend vom Platz und war sichtlich stolz auf seine Mannschaft. „Habe ich es doch gesagt“, lächelte der „Doc“ und verabschiedete sich in Richtung Vereinsheim.
 
SVCN: Giese; Brudler, Spiewak, Schalitz, Wilhelm; Papke, Rogge; Landau, Radic (69. Beldzik), Klein (79. Lenz); Hoffmann (85. Yücel)
Osdorf: Hartmann; Schmidt, Peters, Jobmann, Spranger (79. Vass); D`agata (72. Herbrand), Trapp, Krause (46. Hüttner), Krause; Wachter, Meijer-Werner