Ein Abenteuer-Ausflug zum HSV

Foto: Damm

Schon die Mannschaftsbesprechung vor dem Spiel sorgte für Gänsehaut-Momente. Die Oberliga-Fußballer des SV Curslack-Neuengamme durften sich gestern Nachmittag vor dem Freundschaftsspiel beim Bundesligisten Hamburger SV in der Gästekabine des Volksparkstadions umziehen. An der Tür hing noch das Wappen des VfB Stuttgart, an der Wand der Ablaufplan des vergangenen Bundesligaspiels. Und nun waren also die Vierländer da, um dem HSV-Team als Sparringspartner bei einem geheimen Trainingsspiel vor nur 80 handverlesenen Zuschauern zu dienen. 

„Die tun hier alle so cool, aber ich merke, dass sie aufgeregt sind. Dafür kenne ich sie zu lange“, hatte der SVCN-Physiotherapeut Joachim Köhler seine Jungs schnell durchschaut. Gegen den mit vielen bekannten Namen – Diekmeier, Jung, Hahn, Ito, Waldschmidt, Walace, Santos, Schipplock, Jatta – angetretenen HSV hielten die Gäste aller Ehrfurcht zum Trotz gut mit. Die Niederlage blieb mit 0:6 im Rahmen. Luca Waldschmidt (3., 38.), Tatsuya Ito (8.), Sven Schipplock (56., 68.) und der polnische Junioren-Nationalspieler Marco Drawz (89.) erzielten die Tore. Für den überragenden Ito war es sein ersten HSV-Profi-Tor. 

Dass es bei „nur“ sechs Gegentreffern blieb, lag auch am SVCN-Schlussmann Leon Giese, der durch die Verletzung des etatmäßigen Torhüters, Gianluca Babuschkin, in die Startelf rutschte. Die Besonderheit an dieser Personalie: Es war erst der zweite Einsatz von Giese nach seiner dreimonatigen Auslandsreise – und dann gleich gegen den HSV. „Zu Beginn war ich etwas aufgeregt, doch nach den ersten gehaltenen Bällen wurde ich immer sicherer“, resümierte Giese. 

Für die Curslacker war der Besuch beim HSV ein einziges Abenteuer. Das ging schon beim Gang auf das Spielfeld los. Schnell heimlich abgebogen, durch eine Tür, und schon standen die Vierländer im Stadiontunnel. Hier wurden gestandene Männer zu Kindern, warfen die Hände in die Höhe und taten klatschend so, als würden sie auflaufen. Doch natürlich hatten die HSV-Offiziellen den Braten gerochen und pfiffen ihre Pappenheimer zurück, noch bevor sie das heilige Grün erreicht hatten. Die Partie fand nämlich nicht im Stadion, sondern auf einem Außenplatz statt. Die Euphorie war nur zu verständlich. Torwart-Trainer Sven Eggers parkte sein Auto sogar in der Busgarage, in der ansonsten nur der HSV-Mannschaftsbus steht. 

„Das ist doch ein Traum jedes Amateur-Fußballers, gegen die Profis aus dem Fernsehen zu spielen“, schwärmte SVCN-Verteidiger Mark Brudler, „so kann jeder von uns sehen, wie weit er tatsächlich von der Qualität der Bundesliga-Spieler entfernt ist.“ Und lächelnd ergänzte er: „Es wäre schön, Dennis Diekmeier einen Tunnler zu verpassen.“ Und Brudler machte sein Vorhaben tatsächlich wahr: Zwar nicht gegen Diekmeier, aber dafür tunnelte er per Hackentrick U17-Nationalspieler Josha Vagnoman. 

Solche kleinen Triumphe blieben jedoch die Ausnahme. „Als wir nach acht Minuten schon mit 0:2 hinten lagen, wurde mir angst und bange“, gab SVCN-Coach Torsten Henke zu, „aber ich muss meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen.“ 

Für einen Akteur war dieses ohnehin schon besondere Erlebnis eine ganz besondere Partie. SVCN-Mittelfeldmotor Florian Rogge spielte in seiner Jugend lange Zeit im Nachwuchsbereich des HSV. „Mit Köhler, Ito und Ambrosius habe ich noch selber zusammengespielt. Dass war natürlich eine ganz besondere Rückkehr heute“, strahlte Rogge. 

Am Ende gab es dann HSV-Trikots für alle – eine Erinnerung an einen wahrhaft denkwürdigen Nachmittag. 

HSV: Mickel (46. Pollersbeck); Diekmeier (76. Jatta), Ambrosius, Knoet, Santos (59. Vagnoman); Jung, Walace  (76. Köhlert); Hahn, Waldschmidt, Ito, Schipplock (76. Drawz)

SVCN: Giese (69. Stephan); Brudler, Spiewak, Schalitz, Wilhelm; Rogge, Papke (63. Yücel); Landau (46. Klein), Radic (69. Voß), Hoffmann (46. Sousa); Folarin (63. Lenz). 

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