Ein Dominik Schindler reicht nicht: Düneberg verliert 1:2 gegen SVNA

Nach einer Ecke setzt Robert Spiewak (Nr.5, SVNA) zum Volleyschuss an. Foto: Vahlendieck

Düneberger SV – SV Nettelnburg/Allermöhe 1:2 (0:1)
Landesliga Hansa, 6. Spieltag (Sa., 01.09.18, 15.00 Uhr)

Er lief, er sprintete, er ackerte und er verteilte die Bälle. Hätte Schiedsrichter Dennis Voß (TuS Dassendorf) die Landesliga-Partie zwischen dem Düneberger SV und dem SV Nettelnburg/Allermöhe nicht nach 94 Minuten abgepfiffen, würde Dominik Schindler vermutlich immer noch auf dem Kunstrasenplatz am Silberberg mit dem Ball am Fuß über den Platz laufen. Der 32-jährige Offensivspieler, der Anfang des Jahres vom SVNA zum DSV wechselte, war der auffälligste Mann auf dem Rasen. Seine Extra-Motivation, gegen den ehemaligen Verein zu spielen, war zu spüren. Doch auch Schindler konnte die 1:2-Niederlage seiner Düneberger gegen seinen Ex-Verein nicht verhindern.

Bereits in der fünften Minute zog „Schindi“, wie er von seinen Mannschaftskollegen gerufen wird, das erste Mal mit dem Ball am Fuß zu einem Sprint an und ließ gleich mehrere Nettelnburger stehen. Seinen Pass bekam Moyed Elghrari zwar, doch beim Abschluss wurde er geblockt. Die erste Torannäherung der Gastgeber vor 101 Zuschauern am heimischen Silberberg. Vier Zeigerumdrehungen später schickte Schindler Leon Ullmann auf die Reise. Doch SVNA-Keeper Fynn Körner warf sich in den Ball und konnte den Einschlag verhindern. „Reißt euch jetzt mal zusammen“, brüllte Daniel Andrade-Granados über den Platz. Der Nettelnburger Trainer erkannte, dass seinen Schützlingen in der Anfangsphase rein gar nichts gelang. Die Hausherren dominierten die ersten 13 Minuten.

SVNA-Torschütze Dustin Siegmund im Duell mit Marvin Blöh. Foto: Vahlendieck

Nach einem Pass von Ali Schewa hatte Dustin Siegmund nur noch DSV-Keeper Domenic Kikillus vor sich. Doch das Schiedsrichtergespann entschied auf Abseits (14.). Ab dieser Szene änderte sich der Spielverlauf. Fortan waren es die Gäste, die den Ball in ihren Reihen hatten und offensiver wurden. Über Patrick Viegas Santos und Oliver Lubinski kam der Ball zu Siegmund, doch sein Schuss ging deutlich drüber. „Wir sind jetzt langsam drin“, honorierte SVNA-Kapitän Oliver Franz. Im Gegenzug war es wieder Dünebergs Nummer 25, die einen Angriff initiierte. Doch Abnehmer Ruven Scharnberg zielte über das Tor. Sieben Minuten vor der Pause, wo eigentlich alles nach einem 0:0 aussah, brachte der spielfreudige Siegmund seine Farben durch eine starke Einzelaktion in Führung. Nachdem Dünebergs Diminik Hansen mit seinem Klärungsversuch Viegas Santos abschoss, kam der Ball genau vor Siegmunds Füße. Die Nummer neun lief von der linken Außenbahn aufs Tor, tanzte parallel zur Grundlinie gleich zwei Abwehrspieler aus und verlud Keeper Kikillus, sodass er den Ball aus spitzem Winkel mit Hilfe des Innenpfostens den Ball über die Linie bugsierte. Das 1:0 für den SVNA (38.). Mit diesem Zwischenstand ging es in die Pause.

Özcerkes gleicht für den DSV aus – doch Durguti antwortet prompt

Kaum hatte Referee Voß den zweiten Durchgang angepfiffen, hatten die Düneberger Anhänger beinahe den Torschrei auf den Lippen. Leon Ullmann hatte bereits Torwart Körner umlaufen. Doch anstatt ins leere Tor zu schießen, legte er sich den Ball noch einmal vor und wollte ihn quer in die Mitte spielen. Doch das Spielgerät war bereits über der Torauslinie (46.). Den Dünebergern war der Wille, ein Tor zu schießen, anzusehen. Sie machten zu Beginn des zweiten Durchgangs Tempo. So auch in der 54. Minute, als die Hausherren von einer guten Position einen Freistoß schnell ausführten. Doch der kurzgetretene Ball landete beim SVNA. „Oh Gott, oh Gott! Wenn jemand von euch nochmal den Freistoß kurz ausführt, kommt er raus“, meckerte DSV-Coach Dennis Tornieporth lautstark über den Platz. Diese „Drohung“ nahmen sich seine Schützlinge wohl zu Herzen. Der auffällige David Özcerkes brachte den Ball nach einem Zuspiel von Scharnberg sehenswert zum umjubelten 1:1 im Netz unter (61.).

Artur Ketschojan hatte in der Nachspielzeit die große Chance zum Ausgleich. Doch der Ball geht rechts am Tor vorbei. Foto: Vahlendieck

Doch die Freude über den Ausgleich hielt nicht lange an. Nach einem super Zuspiel von dem starken Elias Ebadi hatte Edon Durguti nur noch Kikillus vor sich. Der Schlussmann zögerte allerdings beim Herauslaufen. So überlupfte der Nettelnburger Stürmer den Keeper zur erneuten 2:1-Führung (66). In der Schlussphase hatten die Gäste die Chance, alles klar zu machen. Doch Durguti brachte den Ball im Eins-gegen-Eins nicht an Kikillus vorbei (82.). Der Keeper war es auch, der gegen den heranstürmenden Timo Czech die Oberhand behielt und seinen Schuss abwehren konnte (90.). In der zweiten Minute der Nachspielzeit kam Artur Ketschojan auf Seiten des DSV links im Strafraum an den Ball und verfehlte das Ziel nur hauchdünn. Der Ball ging am rechten Pfosten vorbei. Es wäre der Ausgleich in letzter Minute gewesen. Doch der fiel nicht mehr und der SVNA gewann mit 2:1 beim DSV.

DSV-Trainer Dennis Tornieporth: „Ein Rücktritt ist bei mir definitiv kein Thema.“

„Das war ein gutes Landesliga-Spiel, in dem eine Punkteteilung gerecht gewesen wäre. Bitter ist, dass wir bei den Toren individuelle Fehler zeigen und uns so um den verdienten Lohn bringen. Das war eine unglückliche Niederlage“, haderte DSV-Trainer Tornieporth. „Jeder Spieler, der hier Fußball spielt, kann sich eine Scheibe von Dominik Schindler abschneiden. Wie der in seinem Alter läuft und kämpft und sich in jeden Ball rein schmeißt, das ist alte Schule, Einstellung und purer Wille. Ich würde mir wünschen, dass ich davon viele weitere Spieler hätte“, fand der Coach lobende Worte für seinen Offensivspieler. „Für mich ist alles normal und wir spielen ja nicht schlecht. Wir hätten in den letzten Spielen ja auch schon Punkte holen können. Wir sind auf einem guten Weg und wenn wir die individuellen Fehler abstellen würden, wäre ich wesentlich entspannter. Dass ich bei einem Punkt aus sechs Spielen nicht glücklich bin, ist ja klar. Ein Rücktritt ist bei mir aber definitiv kein Thema“, betonte der Coach und erstickte damit die zuletzt kursierten Gerüchte über einen eventuellen Rücktritt im Keim.

Solche Gerüchte gab es über seinen Gegenüber keinesfalls. Dafür gibt und gab es auch keinen Grund. Denn mit zehn Punkten liegt der SVNA aktuell auf dem siebten Platz und hat damit einen ordentlichen Saisonstart aufzuweisen. „In einem sehr zerfahrenen und turbulenten Spiel hatten beide Mannschaften ihre Torchancen, wobei wir die Mehrzahl an den klaren Chancen hatten. So kann man von einem verdienten Sieg sprechen“, resümierte SVNA-Trainer Daniel Andrade-Granados. „Wir hatten uns fest vorgenommen, dieses Spiel heute zu gewinnen. Das haben wir getan. Von dem Aspekt her sind wir auf einem guten Weg“, zeigte sich „DAG“ erfreut über den Sieg. Und Schindler? Der saß mit nacktem Oberkörper inmitten seiner ehemaligen Kollegen des SVNA vor dem Kabinentrakt und plauderte über die vorangegangen 90 Minuten.

DSV: Kikillus; Blöh, Hansen, Pauels (83. Redzepagic), Wöhl (63. Siepelt); Özcerkes; Scharnberg, Schindler, Ketschojan; Ullmann, Elghrari
SVNA: Körner; Spiewak, Franz, Müller; Ebadi (82. Meyer), Ali; Lubinski, Durguti, Viegas Santos (37. Wischnewski), Schewa; D. Siegmund (70. To. Czech)