Ein Hoch auf die Jugendarbeit! Part 3: Das Nachwuchs-Team des ETSV Hamburg

Der 97er-Jahrgang des ETSV Hamburg ist in der A-Jugend angekommen. Foto: ETSV

Ob Bergedorf, Schwarzenbek, Geesthacht, Lauenburg, Glinde oder die Vierlanden: Im Amateurfußball in Hamburgs Osten kennt jeder jeden! Oftmals stehen sich Akteure, die im Jugendbereich noch in demselben Dress aufliefen, nun im Herren-Ligabetrieb gegenüber. Wir haben uns in der BOLZJUNGS-Reihe „Ein Hoch auf die Jugendarbeit!“ ehemalige Jugend-Mannschaften der Jahrgänge 1996/1997 der vergangenen Jahre herausgepickt und diese mal etwas genauer unter die Lupe genommen. In welchen Ligen die Teams früher gespielt haben, wie deren Jugendtrainer die Kicker in Erinnerung behielten und für welche Klubs die Akteure heute ihre Fußballschuhe schnüren, erfahrt ihr ab sofort hier! 

Part 3: Gegen Bayern München und den russischen Serienmeister: Das treue Nachwuchs-Team des ETSV Hamburg unter Christopher Leitlof

Neu-Gründung und der Schritt in den Leistungsbereich

Heute ist Christopher Leitlof Trainer der Bezirksliga-Herrenmannschaft des ETSV Hamburg. Seine Anfänge an der Seitenlinie machte der heute 40-Jährige im Herbst 2001 ebenfalls bei seinem derzeitigen Verein — allerdings als Jugendcoach. „Ich habe einen Freund bei seiner Jugend-Mannschaft unterstützt. Zum Training und zu den Spielen kamen viele jüngere Geschwister mit. Es waren sogar genügend, um für sie ein separates Training anzubieten. Allerdings waren die Jungs teilweise erst drei Jahre alt“, erinnert sich der damalige BWL-Student an die Anfänge des ETSV-Nachwuchses aus den Jahrgängen 1997 und 1998.

In der Saison 2002/03 wurde die Mannschaft dann erstmals im regulären Spielbetrieb gemeldet. Doch das erste Testspiel gegen das damals starke und ein Jahr ältere Team vom SV Nettelnburg/Allermöhe verloren die Eisenbahner sang- und klanglos. In der Folge gewann die Mannschaft von Leitlof an Erfahrung. „Durch das große Engagement der Spielereltern war es möglich, das Umfeld professioneller zu gestalten und mehr anzubieten und umzusetzen. Zudem war der Ehrgeiz bei allen Spielern und Offiziellen sehr groß“, sagt Trainer Leitlof über die folgenden Spielzeiten. In der Saison 2009/10 gelang mit dem Aufstieg in die C-Jugend-Landesliga dann erstmals der Schritt in den Leistungsbereich. Die Premieren-Spielzeit konnte der ETSV dann mit einem starken vierten Platz abschließen.

Erst Meister, dann in der Beletage angekommen

Johann von Knebel läuft heute für den FC Voran Ohe auf. Foto: Herzog

Und der Höhenflug der Nachwuchs-Eisenbahner ging weiter. Nach dem ungefährdeten Klassenerhalt gelang dem Team 2011/12 sogar die Meisterschaft. 51 von möglichen 63 Punkten wurden geholt. Folgerichtig erspielte sich die Mannschaft einen Platz in der B-Jugend-Verbandsliga. Mit dabei waren in der Saison 2012/13 Spieler wie Tobias Czech (heute SV Altengamme, Landesliga), Johann Knebel (heute FC Voran Ohe, Landesliga) sowie Lenz Paetzold, Yanneck Schlufter und Jesper Garbers, die heute allesamt in der ETSV-Herren spielen. Der heutige Oberliga-Spieler des SC Concordia Jeremy Baur stand ebenfalls im Kader. Torwart Leo Hebbeler führte das Team als Kapitän auf das Spielfeld. „Wir sind immer als Einheit aufgetreten und bei Neuzugängen wurde geguckt, ob sie auch menschlich in das Team passen“, erinnert sich von Knebel. Auch in dieser Spielzeit konnte der Abstieg verhindert werden.

Turnier gegen den deutschen Rekordmeister

Der ETSV-Bus für den Cordial Cup. Foto: ETSV

Der ETSV Hamburg nahm im Sommer 2012 am 15. internationalen Cordial Cup im österreichischen Kitzbühel teil. In der Gruppenphase spielten die Eisenbahner unter anderem gegen die C-Jugend-Teams des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München und des sechsfachen russischen Meisters ZSKA Moskau. Auch der FC Schweinfurt 05 sowie ein dänischer Vertreter waren die Gegner. Während es gegen das Team aus der russischen Hauptstadt mit 0:2 noch knapp war, setzte es gegen Bayern München eine 0:5-Niederlage. Doch die Ergebnisse waren bei solch einem Event und Gegnern dieser Klasse natürlich zweitrangig. „Das war eines der Highlights meiner Jugendzeit“, erinnert sich Johann von Knebel zurück. Sein Ex-Trainer Leitlof ergänzt: „Das war ein tolles Erlebnis. Wir sind mit unserem eigenen ETSV-Bus zusammen mit der U13 von Christian Dwenger hingefahren und haben neben dem der Bayern geparkt.“

Ein tolles Erlebnis: Der ETSV mit dem Nachwuchs des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München. Foto: ETSV

Das letzte Jahr in Hamburgs höchster Liga — tolles Highlight in Rostock

Torwart Leo Hebbeler spielt heute beim Landesligisten FC Voran Ohe. Foto: Herzog

In der Spielzeit 2013/14 war die Mannschaft mittlerweile in der U17-Verbandsliga angekommen. Spannende Derbys gegen den SV Curslack-Neuengamme, heiße Duelle mit den Top-Teams vom SC Victoria, Alstertal/Langenhorn oder dem TuS Berne. Am Ende stand erneut der Klassenerhalt, wenn auch mit drei Punkten Vorsprung denkbar knapp.
Nun ging es in die A-Jugend. Akteure wie Moritz Kühn oder Liam Schardt wechselten vom Erzfeind SVCN an den Mittleren Landweg. Doch erstmals in der Geschichte dieser Mannschaft ging es eine Liga tiefer. Drei Punkte fehlten zum Klassenerhalt. Viele Akteure zog es in den Herrenbereich und die Mannschaft brach auseinander. Nach der 1:6-Pleite beim SC Sperber am vorletzten Spieltag, die den Abstieg besiegelte, flossen bei vielen scheidenden Spielern und den Offiziellen die Tränen.

Zuvor gab es im Januar dieser letzten Spielzeit des Teams ein Turnier in Rostock, das vielen Spielern bis heute in Erinnerung bleibt. „Es war super, mit allen zusammen solch einen Ausflug zu machen“, sagt ETSV-Spieler Jesper Garbers. Am Sonnabend trat das Team bei einem Hallenturnier mit Mannschaften aus ganz Norddeutschland an. Torwart Leo Hebbeler wurde zum besten Keeper des Turniers gewählt. Im Anschluss besuchte die Mannschaft ein Basketballspiel der Rostock Seawolves. Am Sonntag ging es für ein Testspiel gegen den Förderkader Rene Schneider auf das Grün.

Die ETSV-Spieler haben zur Rostock-Ausfahrt ein
eigenes Highlight-Video entwickelt.

Es wird noch immer zusammen gekickt

Die Jungs von damals sind heute zwar erst Anfang 20, doch viele von ihnen sind bereits gestandene Herrenspieler. Mit Czech, von Knebel, Hebbeler sowie Timo Ludwig (heute SV Altengamme, Landesliga) sind vier Akteure Stammkräfte in der Herren-Landesliga. Fast ein Dutzend Spieler des Kaders laufen in der Bezirksliga auf. „Mit dem Kader von damals würden wir heute in der Landesliga mithalten können. Ein Aufstieg aus der Bezirksliga könnte allerdings schwierig werden“, sagt Trainer Leitlof und bezieht sich damit auf das junge Alter.

„Viele große Vereine haben versucht, uns vom ETSV wegzuholen. Doch Chris hat es geschafft, den Kern zusammenzuhalten. Es war ein Privileg, in dieser Mannschaft zu spielen“, erinnert sich Ex-Spieler Tobias Czech, der lange Jahre Kapitän war, emotional zurück. Egal, in welchen Ligen oder für welche Vereine die Akteure von damals heute auflaufen: Sie treffen sich noch immer, um gemeinsam gegen den Ball zu treten. Erst in dieser Winterpause ging es in die Soccerhalle. „Es ist schön zu sehen, wie die Jungs erwachsen werden. Die ganzen Jahre waren ein absolutes Highlight für mich“, betont ein stolzer Christopher Leitlof.