Erst trifft Dassendorfs Sven Möller traumhaft, dann zeigt BU-Trainer Marco Stier wahre Größe

Barmbeks Nico Schluchtmann springt zum Kopfball in die Luft, Dassendorfs Mattia Maggio spekuliert auf den Ball. Foto: BOLZJUNGS

HSV Barmbek-Uhlenhorst – TuS Dassendorf 0:4 (0:0)
Oberliga Hamburg, 14. Spieltag (So., 28.10.18, 14.00 Uhr)

Schiedsrichter Kevin Rosin (SV Lieth) hatte soeben die erste Halbzeit in der Oberliga-Partie zwischen dem HSV Barmbek-Uhlenhorst und der TuS Dassendorf beim Stand von 0:0 abgepfiffen, da liefen nicht nur die 22 Akteure auf dem Feld mit Tempo in ihre Kabinen, sondern auch die Vielzahl der insgesamt 375 Zuschauer im BU-Stadion an der Dieselstraße strömten ins Vereinsheim. Ab ins Warme war das Motto der Anhänger. Denn nicht nur die Temperaturen, sondern auch das Spiel erwärmte die Zuschauer nicht. So schauten sich die Anhänger in der Pause das Zweitliga-Spiel zwischen dem FC St. Pauli und Holstein Kiel (Endstand 0:1) auf der Leinwand im warmen Vereinsheim an. Als der Referee zur zweiten Halbzeit bat, mussten sich die Fans dann wieder nach draußen auf die Tribüne bewegen. Nun regnete es auch noch an der Dieselstraße – passend zur ersten Halbzeit.

Doch die Zuschauer sollten es in der Folge nicht bereuen, den Weg zurück ins Kalte gewagt zu haben. Nach einer sehr überschaubaren und ereignisarmen ersten Hälfte überschlugen sich im zweiten Abschnitt die Ereignisse. Besonders die Gäste kamen mit viel Druck aus der Kabine. Nach einem Abstoß von TuS-Keeper Christian Gruhne schlug BU-Kapitän Niklas Sabas über den Ball, sodass Marcel von Walsleben-Schied alleine auf Barmbeks-Schlussmann Kaspars Plendiskis zu lief. Doch der Keeper parierte den Schuss (53.). 60 Sekunden später scheiterte dann Pascal Nägele am BU-Torwart (54.). Nun drückte die TuS auf den Führungstreffer. Doch auch Henrik Dettmann konnte ein Zuspiel von Sven Möller nicht zur Führung ummünzen (57.). So kamen die Hausherren durch Louis Mandel zu ihrem ersten Abschluss im zweiten Durchgang. Doch Gruhne konnte abwehren (59.).

Hektische Minuten im zweiten Durchgang, BU-Keeper Plendiskis patzt dreifach

In den folgenden Minuten wurde es hektisch. Nachdem Barmbeks Jon Hoeft im Dassendorfer Strafraum frei gespielt worden war, versäumte es der Mittelfeldspieler, rechtzeitig abzuschließen. So kam TuS-Kapitän Amando Aust dazwischen und klärte den Ball. Doch Aust traf nicht nur das Spielgerät, sondern auch Hoeft (61.). Genauer gesagt dessen Oberschenkel, der dementsprechend mit einer großen Schürfwunde gekennzeichnet war. Doch die großen Proteste auf Seiten der Hausherren blieben zur Verwunderung der neutralen Zuschauer aus. BU-Trainer Marco Stier tat seinen Unmut aber kund. „Das war ein klarer Elfmeter. Der reißt ihm den ganzen Oberschenkel auf „, kommentierte der Coach an der Seitenlinie. Doch damit nicht genug. Fünf Minuten später gingen die Dassendorfer durch Sven Möller in Führung (66.). Und wieder meldete sich Stier zu Wort. Der Coach wollte bei der Entstehung des Treffers von Vorlagengeber Mattia Maggio ein Handspiel gesehen haben und brachte das lautstark auf den Punkt. Doch nach dem Spiel und nach Ansicht der Videobilder zeigte der Übungsleiter wahre Größe. „Ich muss meine Meinung revidieren. Es war kein Foulspiel an Jon Hoeft und auch das Handspiel, was ich moniert habe, war keines“, korrigierte sich Stier selbst.

Maximilian Dittrich hält im Dassendorfer Siegeskreis eine kurze Ansprache. Foto: BOLZJUNGS

Nach diesen fünf aufregenden Minuten sorgte Sven Möller für Ruhe auf dem Platz. Nach einem Fehlpass von BU-Torwart Plendiskis genau in die Füße von Möller zirkelte „Mölli“ den Ball gefühlvoll von der Mittellinie über den zu weit vor seinem Tor stehenden Plendiskis zum 2:0 ins Netz (68.). Ein Traumtor! „Er hat die technischen Möglichkeiten, hatte den Kopf oben und gesehen, dass der Torwart weit draußen steht“, kommentierte TuS-Trainer Elard Ostermann, um scherzhaft anzufügen: „Ich hätte eigentlich gedacht, dass er schon ein bisschen früher jubelt.“ Nach diesem ersten Patzer vom BU-Schlussmann Plendiskis folgten in der Schlussphase zwei weitere Aussetzer. Erst ließ er einen strammen aber absolut haltbaren Schuss von Maximilian Dittrich durch die Handschuhe ins Netz rutschen (83.), ehe der Keeper drei Minuten vor dem Abpfiff nach einen Möller-Freistoß unter dem Ball durchlief, sodass Rinik Carolus freistehend zum 4:0-Endstand ins leere Tor einköpfen konnte (87.). So konnten die Dassendorfer vor dem Spitzenspiel am kommenden Mittwoch beim TSV Sasel (14.00 Uhr, Parkweg), wenn der Zweite auf den Dritten trifft, Selbstvertrauen tanken und sich nach dem 0:0 gegen Meiendorf zurückmelden. Dies wurde im anschließenden Siegeskreis mit ein paar Worten von Maximilian Dittrich zelebriert.

Sven Möller: „Die sollen uns ruhig alle vergessen. Wir müssen da oben nicht stehen – noch nicht!“

Barmbeks Trainer Marco Stier hatte sich zwar nach beiden strittigen Szenen wieder beruhigt, doch über die Gegentreffer zeigte sich der Coach stark verärgert. „So viele Tore kann man halt nicht schießen, wie wir an Torwartfehlern in dieser Saison produzieren. Wir bestrafen uns jede Woche selbst. Dabei hatten wir es heute nicht verdient, zu verlieren. Es war über weite Strecken eigentlich ein Unentschieden-Spiel“, haderte der Coach. Sein Gegenüber hob vor allem die Leistung in der zweiten Halbzeit hervor. „Wenn das erste Tor fällt, dann läuft es eigentlich immer bei uns. Wir brauchen ein paar gute Aktionen. Denn man kann nicht immer versuchen, alles nur durch die Routine zu lösen. Man braucht auch Tempo und Aggressivität. Das hatten wir in der zweiten Halbzeit. Und wenn dann ein Tor fällt, dann können wir entweder nur volle Kanne oder Flasche leer“, sagte Elard Ostermann mit einem Grinsen im Gesicht. Doch das Schlusswort gehörte am heutigen Tag nicht dem Dassendorfer Trainer, sondern dem Doppeltorschützen Sven Möller. „Die sollen uns ruhig alle vergessen. Wir müssen da oben nicht stehen“, sagte Möller, ehe er anschließend betonte: „Noch nicht! Am Ende wollen wir da oben stehen.“

BU: Plendiskis; Schluchtmann, Buchholz, Sabas, Umurhan; Hoeft (70. Smit), Pfeifer; Hathat, Eggers (82. Jeske), Mandel; Claus (82. Korczanowski)
TuS: Gruhne; Lenz (82. Büchler), Aust, Carolus; Dettmann, Hinze (84. Louca); Nägele, Möller, Dittrich; von Walsleben-Schied (75. Saqib), Maggio