Hamburg Hurricanes: „Multi-Kulti-Klub“ ist sportlich auf dem Vormarsch

Das "Multi-Kulti-Team" der Hamburg Hurricanes. Foto: Ana Maria Arévalo

2011 fanden sich ein paar „Auswanderer“ über die englischsprachige Community-Website für Deutschland „Toytown Germany“ zusammen, um gemeinsam im Stadtpark zu kicken. Aus wöchentlichen Freizeittreffen entstand zwei Jahre später ein Verein – die Hamburg Hurricanes waren gegründet. In der Spielzeit 2013/14 gingen sie erstmals in der Freizeitliga an den Start. Anders als bei Stadtteil- oder Dorfvereinen entsprang der Name aus einem Cartoon aus den 1990er Jahren. ‚The Hurricanes‘ war ein Team von internationalen Spielern aus der ganzen Welt – ebenso wie der hanseatische Ableger.

Foto: Ana Maria Arévalo

Auf das Gründungsjahr folgten vier Aufstiege hintereinander, nun sind sie in der Kreisliga 5 angekommen – eine sportliche Meisterleistung. Denn die Hurricanes-Vertreter um den französischen Trainer Guillaume Hounsome plagen ganz andere Sorgen als die üblichen Vereine. „Viele Spieler bleiben nur wenige Monate, das Team kann sich innerhalb einer Saison komplett verändern“, erklärt der 33-Jährige, der aber auch klarstellt, was in diesem Klub wirklich wichtig ist: „Die Integration und das Formen einer Community haben bei uns oberste Priorität.“ Denn auf dem verlassenen Hartplatz mitten in einem Fuhlsbütteler Naturschutzgebiet treffen verschiedenste Kulturen und Religionen aufeinander – die einzige Bedingung zur Aufnahme ist ein gewisses Maß an Englischkenntnissen. Und so begrüßen sie im Verein derzeit 28 Nationalitäten von allen fünf Kontinenten.

Alle Akteure sind „Experts“, also höher gebildete wie Unternehmensberater, Architekten, Flugzeugbauer oder Masterstudenten. Doch die Gründe für den Umzug nach Hamburg sind verschieden, neben den berufs- oder studienbedingten Ortswechseln spielen auch andere Faktoren eine Rolle – so wie beim 31-jährigen Australier Oliver Smith. „Wir sind in der Heimat nähe Brisbane eine Gastfamilie für Deutsche. Ich fühlte mich immer wie deren großer Bruder und habe sie dann in Deutschland besucht. Aufgrund der Kultur und Geschichte wollte ich hier nicht mehr weg“, sagt Smith. So erging es auch dem Mexikaner Oscar Pena, der ein Austauschjahr absolvierte und nach dem Umzug hier seinen BWL-Master machte. Der 30-Jährige verrät schmunzelnd: „Einige folgten ihren Mädels, andere suchen aber auch nur Mädels hier.“ Der Mexikaner interessiert sich für die Geschichten seiner Mitspieler.

Der 29-jährige Richard Jansohn aus Baden-Baden, einer der wenigen Deutschen im Team, verdeutlicht den besonderen Flair des Klubs: „Hier fühle ich mich integriert, lerne neue Kulturen kennen, die mein Reiseinteresse steigern. Aber wenn ich alle Herkunftsländer der anderen bereisen möchte, wird das ganz schön teuer“, weiß Jansohn. Denn dieses Team besteht aus Spielern unterschiedlichster Nationalitäten aus der ganzen Welt und ist so bunt und vielfältig wie kein anderes im Hamburger Amateurbereich.