Hin und Her am Henriette-Herz-Ring: SVNA schießt Voran Ohe durch 4:2-Erfolg „zurück in den Alltag“

Nettelnburgs Spielgestalter Elyas Ebadi (mi.) bejubelt mit Philipp Sander (li.) und Flemming Milke seinen Treffer zum 3:2. Foto: Herzog

SV Nettelnburg/Allermöhe – FC Voran Ohe 4:2 (3:2)
Landesliga Hansa, 19. Spieltag (Fr., 30.11.18, 19.00 Uhr)

Nach elf gespielten Minuten kommt Patrick Gordon, Außenstürmer des Landesligisten FC Voran Ohe, zu der ersten guten Abschlusschance in der Partie gegen den SV Nettelnburg/Allermöhe – wohlgemerkt die erste, die nicht einen Torerfolg mit sich zog. SVNA-Keeper Kai Erschens parierte den Schussversuch Gordons. Zu diesem frühen Zeitpunkt stand es vor 113 Zuschauern am Henriette-Herz-Ring bereits 1:1. Doch bei diesen zwei Treffern aus der Anfangsphase blieb es nicht. In einem torreichen Flutlichtspiel besiegten die Gastgeber den FCVO verdient mit 4:2 und gehen so, anders als die Gäste, mit einem positiven Resultat in die Winterpause.

Hin und Her in der Anfangsphase – erst dreht Ohe das Ergebnis, dann die Gastgeber

Ali Schewa (l.) im Kopfballduell mit Maxim Gassmann. Foto: Herzog

Das Duell begann prompt mit einem ansehnlichen Spielzug des SVNA. Der stark aufspielende Patrick Viegas Santos verlagerte mit einem langen Ball auf die rechte Seite, von wo aus Ali Schewa das Spielgerät flach in die Mitte beförderte. Stürmer Dustin Siegmund tippte den Ball kurz an, ließ ihn durch auf Masehullah Satari, der mit einem satten Rechtsschuss ins linke untere Eck dem SVNA das frühe 1:0 bescherte (2.). Doch lange wehrte die Führung der Gastgeber nicht. Ohes Tarec Blohm bekam den Ball aus der Tiefe zugespielt, lief auf SVNA-Schlussmann Erschens zu und legte dann quer auf den heran eilenden Patrick Gordon, der im Fallen zum Ausgleich einschob (9.). FCVO-Innenverteidiger Nico Sandig lief, während seine Mitspieler in der gegnerischen Hälfte den Ausgleichstreffer bejubelten, zu der Auswechselbank, um sich etwas Tape abzuholen. Doch beachtet wurde er dort nicht. „Hört mir keiner zu?! Jubelt doch noch lauter!“, schrie Sandig in Richtung Ersatzspieler und Offizielle. Wer dachte, dass in dem hitzigen, schnellen Duell nun Ruhe einkehren würde, sah sich deutlich getäuscht. Auf die zu Beginn angesprochene Gelegenheit von Gordon (11.) folgte im unmittelbar darauf folgenden Angriff das 2:1 für den FCVO – das Spiel war gedreht!

Marco Pflug spielte einen cleveren Pass in die Spitze auf Martin-Felix Schröder, der sich kurz vor dem Sechszehner einfach mal ein Herz fasste und den Ball im rechten Eck versenkte (12.). Das Momentum war bei den Gästen. Wieder bewegte sich Sandig zur Auswechselbank – und bekam dieses Mal Aufmerksamkeit. Der Innenverteidiger tapte sich seine Schienbeinschützer fest und ging glücklich zurück auf seine Position, von wo aus er nur sechs Minuten später das zweite Gegentor beobachten musste. Sandigs Mitspieler Pflug erkämpfte sich gegen Nettelnburgs Siegmund den Ball, dieser lief dem Oher hinterher, erkämpfte sich das Spielgerät mit einem starken Einsatz zurück und schloss dann auch noch sehenswert aus rund 18 Metern zum 2:2-Ausgleich ab (18.). Das Momentum wechselte, von nun an spielten durchweg nur noch die Gastgeber, die sich sogar mit der Führung belohnten. Nach einem Foulspiel von Ohes Kapitän Jens Schenkenberg an Siegmund lief Ebadi aus rund 20 Metern auf halblinker Position zum Freistoß an und versenkte – auch dank der Mithilfe des in dieser Situation schlecht aussehenden FCVO-Keepers Paul Malik – zum 3:2 (22.). Nun hatten die Gastgeber das Spiel gedreht! Das sorgte bei den Ohern wie Stürmer Robin Woost für Unmut: „Im Moment ist es schwierig und wir schaffen es nicht mehr, das Tempo und den Willen an den Tag zu legen, den wir zwischenzeitlich in der Hinserie an den Tag gelegt haben.“

SVNA sorgt mit dem Wiederanpfiff für die Vorentscheidung – Saisonziel bleibt bestehen

Nettelnburgs Patrick Viegas Santos setzt sich gegen Martin Schröder (13) und Ilja Gassmann durch. Foto: Herzog

Bevor sich die Aktiven in die Kabinen verabschiedeten, hatte Nettelnburgs Patrick Viegas Santos noch einen Lattentreffer auf dem Fuß (44.). Was dem Spielmacher da noch nicht gelingen sollte, gelang seinem Mitspieler Siegmund direkt nach dem Wiederanpfiff. Schewa legte wie schon beim 1:0 erneut von der rechten Seite in die Mitte, Siegmund beförderte den Ball am zweiten Pfosten stehend ins Tor – 4:2 (46.). Mit der maßgenauen Hereingabe seines Außenspielers hatte Trainer Daniel Andrade-Granados an der Seitenlinie nicht gerechnet. „Sei mutig!“ rief „DAG“ noch unmittelbar vor der Hereingabe, verbesserte seine Wortwahl während der Flanke zu „das andere mutig!“ – und wurde eines besseren belehrt. Größere Torchancen sollten auf beiden Seiten nicht mehr folgen, die Oher waren an diesem Abend einfach zu harmlos und der SVNA verteidigte seine Führung souverän. Einzig die Gelb-Rote Karte für Nettelnburgs Elyas Ebadi, der ein unnötiges Foulspiel an der Eckfahne in der gegnerischen Hälfte beging, sorgte in der 77. Minute noch einmal für Diskussionen. Nutzen konnten die Oher die Überzahl aber nicht mehr. „Meiner Meinung nach haben wir das souverän und mit einer kämpferisch guten Leistung nach einer ersten Hälfte mit viel Hin und Her runter gespielt“, analysierte Nettelnburgs Doppeltorschütze Dustin Siegmund. Diese Sichtweise wurde auch von außen bestätigt. „Ohe ist sehr gut gestartet, auch wenn wir früh 1:0 geführt haben. Wir haben uns aber nicht beirren lassen und haben richtig Gas gegeben. Was ich richtig gut fand, war, dass wir diesmal alle noch mehr die Wege, die weh tun, gemacht und nach hinten gearbeitet und uns gegenseitig geholfen haben. Man hat von außen gemerkt, dass wir das Spiel unbedingt gewinnen wollten“, kommentierte der verletzungsbedingt fehlende SVNA-Akteur René Seibert. 

Beim SVNA, der nach den Freitagspartien Rang fünf (33 Punkte) belegt und noch von Dersimspor Hamburg überholt werden kann, ist die Freude über den gelungenen Jahresabschluss ebenso groß wie über die kommende Winterpause. „Ich glaube, wir sind völlig zurecht der Sieger heute. Es war hier heute schon ein intensives Spiel, gar keine Frage. Das fand ich echt gut, daran hat man gesehen, dass keine der beiden Mannschaften das Spiel nach dem Motto ‚ja, ist ja bald Winterpause‘ abschenkt. Wir können von einem versöhnlichen Abschluss 2018 sprechen“, freute sich Andrade-Granados, um dann doch noch anzufügen: „Wir gucken dennoch natürlich nicht mit vollster Zufriedenheit auf die bisherige Saison.“ Wird beim SVNA nun eventuell noch nach oben geschielt? „Derzeit können wir da noch nicht so viel zu sagen. Wir schauen mal, wie wir aus der Winterpause kommen. Klar wollen wir weiterhin viele, viele Spiele gewinnen. Wir sind beim Saisonziel des Vereins absolut im Soll. Es wäre also unnötig, dieses vielleicht nach oben zu korrigieren.“ Und dennoch: Beim SVNA gehen sie nach dem starken 4:2-Erfolg gegen schwächelnde Oher mit einem positiven Gefühl in die Winterpause.

Ohes Trainer Rainer Seibert: „Nun ist in Ohe wieder der Alltag eingekehrt.“

Das ist beim FC Voran Ohe derweil trotz der Pleite im letzten Pflichtspiel des Jahres ebenso der Fall. Denn: „Wir waren bei den Niederlagen zuvor dennoch die bessere Mannschaft. Heute haben wir natürlich völlig zurecht verloren. Wir haben uns wenig Torchancen erarbeitet und es war einfach zu still auf dem Platz“, erklärte Trainer Rainer Seibert, den zudem die Ausfälle zahlreicher Leistungsträger wie Kapitän Daniel Walek, Munib Saqib oder Sebastian Kaufmann beschäftigen: „Diese Spieler können wir einfach nicht kompensieren. Die Gegentore heute sind allerdings auch Dinger, die wir nicht fangen dürfen. Dennoch: das passiert und dann ist das eben so. Nun ist in Ohe wieder der Alltag eingekehrt. Jetzt können wir uns wieder auf den Alltag konzentrieren. Einige werden nun daran erinnert, dass wir in Ohe und nicht in irgendeinem anderen Oberhaus sind. Wir sind froh, dass wir in der Winterpause sind und so viele Punkte haben, dass wir durch sind. Nach oben gucken wir überhaupt nicht mehr“, stellte Seibert abschließend klar. Der FC Voran Ohe geht mit 36 Punkten als Tabellenvierter in die Winterpause.

SVNA: Erschens; Feilke, Milke, Wenk; Ebadi, Ali; Schewa (57. Lubinski), Viegas Santos, Sander (73. Richard); Satari (46. Durguti); D. Siegmund
Ohe: Malik; Schenkenberg, Gläser, Sandig, Lang; Schröder, Pflug; Andersson (66. I. Gassmann), Blohm, Gordon (46. M. Gassmann); Woost

Weitere Fotos von Maurice Herzog: