„Jetzt haben wir bitte auch Mal eine Abwehr“: 45 wilde Minuten reichen dem WSC zum Sieg gegen Reinbek

Willinghusens Benedict Kummerfeldt muss sich gleich gegen zwei Reinbeker (Maikel Perz (re.) und Eric Lausch) durchsetzen. Foto. Herzog

Willinghusener SC – TSV Reinbek 3:2 (3:2)
Kreisliga 3, 17. Spieltag (Fr., 16.11.18, 20.00 Uhr)

Es waren gerade einmal 37 Sekunden in der Kreisliga-Partie zwischen dem Willinghusener SC und der TSV Reinbek gespielt, als Ersin Tan völlig frei im Reinbeker Strafraum zum Abschluss kam. Doch Tan sorgte nicht für das schnelle 1:0 und zielte links am Tor vorbei. Doch trotz der ausgelassenen Chance nach nicht einmal einer Minute erzielten die Gastgeber die frühe Führung. Und wieder war Ersin Tan beteiligt. Die Nummer 5 des WSC schickte Abdul Rasheed Meschke-Yunusah auf die Reise, der vor TSV-Keeper Kjell Kudszus kurz abwartete, dann aber souverän zum 1:0 verwertete (5.). Und es dauerte nicht lange, bis die Willinghusener die Chance auf das zweite Tor hatten. Nach einem Doppelpass zwischen Ersin Tan und Tom Brandau kam Brandau aus guter Position zum Abschluss. Das Spielgerät ging aber rechts am Reinbeker Gehäuse vorbei (9.).

Willinghusens Tom Brandau hatte zahlreiche Tormöglichkeiten. Foto: Herzog

Von den Gästen war bis dato nichts zu sehen. Mit ihrem ersten Angriff kamen sie dann aber prompt zum Ausgleich. Nachdem der auffällige Ahmad Alkhalil von Willinghusens Dennis Seifert im Strafraum zu Fall gebracht wurde, zeigte Schiedsrichter Jan Strauch (SC Wentorf) auf den Punkt. Kapitän Maikel Perz nahm sich der Sache an und verwandelte sicher zum 1:1-Ausgleich (10.). Mit den Worten „ihr seid zu passiv“ nahm WSC-Coach Maxwell Phelps den Ausgleich zur Kenntnis. Und Phelps musste mit ansehen, wie die Reinbeker nun besser in die Partie kamen und durch Stürmer Jeffrey Brandt die große Möglichkeit zur Führung hatten. Doch dem 18-Jährigen, der bei den Gästen an jeder Offensivaktion beteiligt war, versagten die Nerven. Brandt lief alleine auf WSC-Torwart Nils Flemming zu, setzte den Ball aber rechts am Tor vorbei (15.). In dieser Phase der Partie ging es hin und her. Beide Teams kamen zu hochkarätigen Chancen – und zu Toren. Der mit Regionalliga- und Oberligaerfahrung ausgestattete Benedict Kummerfeldt ließ gleich drei Reinbeker Abwehrspieler ausstanzen und beförderte den Ball mit dem linken Fuß in die linke untere Ecke zur erneuten Willinghusener Führung (17.).

WSC-Trainer Maxwell Phelps schaute sich das Geschehen auf dem Platz ganz genau an. Foto: Herzog

Und es dauerte wieder nicht lange, bis die Reinbeker eine Antwort parat hatten. Jeffrey Brandt tauchte nach einer Standardsituation völlig frei vor dem Tor auf, scheiterte aber an WSC-Schlussmann Flemming (21.). Auf der Gegenseite jubelten die Hausherren fünf Minuten später über das dritte Tor durch Tom Brandau. Doch Referee Strauch sah eine Abseitsposition und gab den Treffer nicht (26.). Brandau gab sich mit dem aberkannten Treffer allerdings nicht zufrieden und drängte auf das dritten Tor. Doch der Mittelfeldspieler ließ eine weitere Chance liegen und zielte links vorbei (27.). Die ausgelassene Möglichkeit bestraften die Gäste eiskalt und egalisierten durch Jeffrey Brandt zum 2:2 (29.). Die Akteure hatten in dieser wilden ersten Halbzeit immer noch nicht genug und spielten sich weitere Chancen heraus. Kummerfeldt legte den Ball in den Rückraum zu Brandau, der aber auch diese Gelegenheit ausließ und erneut nur hauchdünn das Ziel verfehlte (37.). 60 Sekunden später konnten die Willinghusener dann aber doch wieder jubeln. Eine Hereingabe von Kummerfeldt nahm Abdul Rasheed Meschke-Yunusah gekonnt mit, zog direkt ab und traf trocken zu 3:2-Führung (38.). „Jetzt haben wir bitte auch Mal eine Abwehr“, appellierte WSC-Coach Phelps nach dem Treffer an seine Hintermanschaft.

Nach einer ersten sehr unterhaltsamen Halbzeit fällt im zweiten Abschnitt kein Treffer mehr

Und dieser Appell von ihrem Coach schien zu fruchten. Weder in den verbliebenen sieben Minuten im ersten Durchgang noch im gesamten zweiten Abschnitt ließ der WSC keine weiteren hochkarätigen Chancen zu. Ein Distanzschuss von Lukas Beckmann war die einzige nennenswerte Chance der Reinbeker im zweiten Abschnitt (59.). Für die Hausherren hatte Benedict Kummerfeldt gleich drei Möglichkeiten und Ersin Tan mit einem Freistoß, der an die Latte klatschte, die beste Chance, die Führung auszubauen (66., 80., 82., 88.). Doch nach der äußerst unterhaltsamen und ereignisreichen ersten Halbzeit, fiel im zweiten Abschnitt kein Treffer mehr. Damit revanchierte sich der Willingusener SC für die 3:2-Niederlage im Hinspiel und feierte seinen vierten Sieg in Serie. Für die TSV Reinbek war es hingegen das fünfte Spiel hintereinander ohne einen Sieg.

Hatte besonders in der zweiten Halbzeit einiges zu korrigieren: TSV-Coach Rüdiger Neuhaus. Foto: Herzog

„Wir haben sehr schöne Tore geschossen und uns zahlreiche Chancen herausgearbeitet. Aber im Abschluss waren wir sehr kläglich. Und in der ersten Halbzeit waren wir hinter sehr, sehr nachlässig und so sind auch beide Gegentore gefallen. Du kannst von Glück sagen, dass wir nicht in Rückstand gehen“, kommentierte WSC-Coach Maxwell Phelps. „Ich bin mit den drei Punkten zufrieden und gegenüber der Hinserie haben wir fünf Punkte mehr geholt in beiden Spielen. Das ist gut und so können wir uns ein bisschen absetzen. Und wenn ich irgendwann personell aus dem vollen Schöpfen kann, weil momentan stellt sich die Mannschaft von alleine auf, ist vielleicht auch mal wieder guter Fußball drin“, betonte der Coach mit einem Grinsen im Gesicht. Sein Gegenüber war indes nicht zum Grinsen aufgelegt. „Wenn du ohne Abwehr spielst, hinten offen bist wie ein Scheunentor und vorne die hundertprozentigen Chancen nicht machst, dann ist die Mannschaft, die ein Tor mehr schießt, der Gewinner. Und das auch völlig verdient“, bilanzierte TSV-Trainer Rüdiger Neuhaus, dem die Leistung seiner Mannschaft in der zweiten Halbzeit missfiel. „Das war viel zu wenig. Gar kein Tempo und keine Aggressivität“, haderte der Coach, um anschließend zu betonen: „In dieser Saison gilt es für uns, die A-Jugendlichen im Herrenbereich zu integrieren. Nächstes Jahr wollen wir dann mal gucken, wo der Weg hingeht.“

WSC: Flemming; Seifert (66. Simon), Ollech, Wittstock, Siewert; Greszkowiak (79. Bolbrügge), Ketelhorn; Meschke-Yunusah, Brandau, Kummerfeldt; Tan
TSV: 
Kudszus; Lausch, Perz, Dittler, Schliewen; Kuri (40. Matthes), Wiedner; Großmann (66. Feininger), Beckmann, Alkhalil; Brandt (71. Radosavljevic)