„Katze Brandic“: Erst meckern, dann parieren – der VfL stürzt die „Falken“

Javad Gurbanian (VfL Lohbrügge) behauptet den Ball. Foto: BOLZJUNGS

HFC Falke – VfL Lohbrügge 5:6 n.E. (0:1, 1:1)
ODDSET-Pokal, 4. Runde (Mi., 03.10.18, 15.00 Uhr)

Alen Brandic platzte der Kragen. „Jetzt schießt mal dieses scheiß Tor!“, rumorte der Keeper des VfL Lohbrügge über den Sportplatz am Steinwiesenweg in Richtung seiner Offensivmänner. Zu dem Zeitpunkt hatte der Landesligist bereits 95 Minuten absolviert – aber Schluss sollte noch lange nicht sein. Denn am Tag der deutschen Einheit reiste der VfL zum noch ungeschlagenen Nord-Bezirksligisten HFC Falke. Die vierte Runde des ODDSET-Pokals stand an. Das von Brandic gewünschte „scheiß Tor“ gelang in der Verlängerung aus dem Spiel heraus zwar nicht mehr. Im folgenden Elfmeterschießen trafen die Lohbrügger Mannen jedoch allesamt und durften so – ausgerechnet dank ihrem Torwart – den Einzug ins Achtelfinale bejubeln.

„Brandic Katze“ hat wieder zugeschlagen. Schon im Landesliga-Duell gegen Buxtehude titulierte das Team vom Binnenfeldredder seinen Keeper mit diesen Worten. Der 24-Jährige zeigte gegen den BSV eine bärenstarke Leistung. Und auch im Pokalspiel gegen Falke war Brandic vor 210 Zuschauern entscheidend zur Stelle. Doch dazu später mehr.

Denn früh sah es so aus, als würden die Gäste aus der Landesliga Hansa schnell ihrer Favoritenrolle gerecht werden. Bereits nach vier Minuten ging der VfL nach einem Geschenk von Falke-Verteidiger Sven-Peter Weißner in Führung. Stürmer Vedran Vidovic bedankte sich und netzte ein. Es war der nötige Weckruf für die Gastgeber. Sie kamen schnell zu einer dreifachen Torchance. Erst scheiterte Thomas Koster an Brandic, dann traf Steven Schönfeld nur die Latte, den Abpraller traf erneut Koster nicht optimal (9.). Nach einer Kopfballchance von Lohbrügges Agatino Indulto (14.) wurde es in Abschnitt eins ruhig – bis kurz vor dem Pausenpfiff. Vidovic und der früh für den verletzten Marcell Voß eingewechselte „Falke“ Malte Winterholt stiegen hoch ins Kopfballduell. Der Lohbrügger traf Winterholt mit dem Ellenbogen. Die Folge war ein erstes Wortgefecht zwischen Sven Schneppel, der gemeinsam mit Elvis Nikolic das Trainerduo beim VfL bildet, und Falke-Coach Dirk Hellmann. Zwar folgte noch ein Abseitstor von Lohbrügges Agatino Indulto, mehr passierte vor der Halbzeit aber nicht mehr.

Halbzeit zwei: Auf den frühen Ausgleich folgt die große Langeweile

Falkes Sven-Peter Weißner liegt mit Schmerzen an der Seitenlinie. Foto: BOLZJUNGS

Auch der zweite Wechsel der Gastgeber geschah verletzungsbedingt. Denn Winterholt kam nach dem Ellenbogeneinsatz nicht mehr zurück. Von draußen sah der „Falke“, wie seine Mitspieler nach einem Freistoß von Weißner durch das Kopfballtor vom starken Henrik Petersen ausglichen (48.). Sechs Minuten später kam es zur genauen Kopie der Entstehung des Treffers zum 1:1 – lediglich der Kopfball von Petersen ging über’s Gehäuse. Nun kam im Laufe des zweiten Durchgangs bei den Zuschauern auch mal Langeweile auf. Torchancen waren Mangelware. Etwa zehn Minuten vor dem regulären Ende dann ein Pressschlag zwischen Lohbrügges Reimers und dem Vorlagengeber Weißner. Der „Falke“ blieb mit Schmerzen am Boden liegen, musste wie seine zwei Mitspieler zuvor ebenfalls verletzungsbedingt ausgewechselt werden (78./s. Foto). Für ihn kam Trainer Hellmann, der seine Einwechslung später so begründete: „Uns fehlten schon vor dem Spiel 16 Verletzte. Die zwei, die ich vor mir gebracht habe, wurden rekrutiert.“

Die Endphase war dann geprägt von Chancenwucher auf beiden Seiten. Erst vergaben Petersen (88.) und Marvin Mathey (90.+3) für Falke, danach auch Fabian Reimers (90.+4). So ging’s in die Verlängerung. Und auch der dann erlaubte vierte Wechsel musste von Falke genutzt werden, um mit Dennis Grienig – wie konnte es an diesem Nachmittag anders sein – einen verletzten Akteur aus dem Spiel zu nehmen (90.+1). Kleinere Gelegenheiten auf beiden Seiten, eine Rudelbildung (110.). Auf beiden Seiten wollte man ein spätes Gegentor vermeiden. Lediglich der eingewechselte Lohbrügger Duro Maskaljevic sorgte noch einmal für einen großen Aufreger. Mit vollem Tempo und ohne Rücksicht grätschte der Außenstürmer seinen Gegenspieler Petersen um: glatt Rot! So ging es mit einem Gleichstand ins Elfmeterschießen.

Trainer als halber Wahrsager, Keeper als ganzer Held

Erschöpfte Falken. Foto: BOLZJUNGS

VfL-Trainer Nikolic wusste, wer zum Helden werden kann. Er prophezeite gegenüber seinem Team im Kreis: „Wir haben Brandic Katze! Der hält mindestens zwei!“. Doch die Schützen auf beiden Seiten zeigten sich nervenstark. Für die Gäste trafen Duro Arlovic, Anto Zivkovic, Jonas Holz, Fabian Reimers und Adam Hamdan. Auf der anderen Seite erfolgreich waren Henrik Petersen, der Keeper Steven Pagenkop, Daniel Brehmer, Sören Lühr – Thomas Koster aber nicht! Der „Falke“ scheiterte an Brandic. Zwar hielt der Schlussmann nicht zwei, wie sein Trainer Nikolic prophezeite, dennoch reichte der eine, um seinen VfL ins Achtelfinale zu bringen. „Elfmeter sind immer wie eine Lotterie. Ich war an dem Letzten mit spitzen Fingern dran“, gab der Held nach Ende zu Protokoll. Sein Team habe „ein bisschen zu locker gespielt“, allerdings habe man auch gesehen, dass „Falke nicht umsonst Erster ist“. Auf der Gegenseite bestimmte unmittelbar nach dem knappen Aus natürlich die Enttäuschung die Gemütslage. „Das ist schwer in Worte zu fassen. Heute hätte es nostalgisch werden können. Ich muss meinen Jungs aber mega Respekt zollen für das Geleistete“, lobte der spielende Coach Hellmann.

Unschön wurde es zwischenzeitlich im Elfmeterschießen, als Lohbrügges eine Trainerhälfte Nikolic den anlaufenden Falke-Schützen unterbrach, lautstark einige Meter von der Mittellinie nach vorne ging und dem Schiedsrichter mit der Bitte entgegentrat, die Zuschauer hinter dem Tor ein Stückchen weiter weg zu positionieren. „Unsportlich“, kommentierte sein Gegenüber Hellmann kurz und knapp. Der folgende Schuss ging dennoch rein, „Katze Brandic“ sorgte nach der Unsportlichkeit seines Trainers sportlich für die Entscheidung und den Einzug in Runde vier.

HFC: Pagenkop; Voß (13. Winterholt, 46. Herbert), Karmazyn, Haras, Weißner (78. Hellmann); Grienig (91. Lühr), Brehmer, Petersen, Mathey; Koster, Schönfeld
VfL: Brandic; Brkic (76. Arlovic), Hamdan, Bozic, Santelmann; Reimers, Holz; Indulto, Zivkovic, Gurbanian (63. Maskaljevic); Vidovic (90. Betzin)

Alle Ergebnisse der vierten Runde auf einem Blick:
Dienstag:
Oststeinbeker SV (Bezirksliga Ost) 6:1 TSC Wellingsbüttel (Bezirksliga Nord)
SC Nienstedten (Landesliga Hammonia) 0:4 TuS Osdorf (Oberliga Hamburg)
SV Börnsen (Bezirksliga Ost) 0:8 TuS Dassendorf (Oberliga Hamburg)

Mittwoch:
HEBC (Oberliga Hamburg) 0:3 Concordia Hamburg (Oberliga Hamburg)
Wedeler TSV (Oberliga Hamburg) 5:2 n.E. Niendorfer TSV (Oberliga Hamburg)
Buxtehuder SV (Landesliga Hansa) 0:1 TSV Sasel (Oberliga Hamburg)
FC Viktoria Harburg (Kreisliga 1) 0:2 TSV Buchholz 08 (Oberliga Hamburg)
HSV Barmbek-Uhlenhorst (Oberliga Hamburg) 3:2 SV Rugenbergen (Oberliga Hamburg)
SC Alstertal Langenhorn (Landesliga Hammonia) 0:4 SC Victoria Hamburg (Oberliga Hamburg)
Rasensport Uetersen (Kreisliga 7) 2:1 Rahlstedter SC (Landesliga Hansa)
SV Altengamme (Landesliga Hansa) 5:3 Bramfelder SV (Landesliga Hansa)
FC Elmshorn (Landesliga Hammonia) 0:7 Eintracht Norderstedt (Regionalliga Nord)
TuRa Harksheide (Landesliga Hammonia) 0:5 FC Teutonia 05 (Oberliga Hamburg)
Dersimspor Hamburg (Landesliga Hansa) 7:5 n.E. Eintracht Lokstedt (Landesliga Hammonia)
Barsbütteler SV (Bezirksliga Ost) 2:4 n.E. Klub Kosova (Landesliga Hansa)
HFC Falke (Bezirksliga Nord) 5:6 n.E. VfL Lohbrügge (Landesliga Hansa)