Lange gewehrt, doch am Ende chancenlos: TuS Dassendorf unterliegt dem HSV 0:10

Dassendorfs Finn Thomas versucht mit allen Mitteln, HSV-Shootingstar Fiete Arp zu stoppen. Foto: Herzog

Trotz der am Ende deutlichen 0:10-Niederlage gab es von Seiten der Spieler und des Trainers vom Zweitligisten Hamburger SV nach dem Testspiel für den Gegner TuS Dassendorf viel Lobgesang. „Das ist wirklich keine schlechte Truppe, die ihr da habt“, sagte ein beeindruckter HSV-Shootingstar Fiete Arp nach der Partie in der Mixed Zone zu Robert Mimarbachi, dem Kaufmännischen Leiter der TuS. Der Youngster war ein Sinnbild für die volksnahe Haltung des gesamten HSV: Der 18-Jährige übergab einem zuschauenden Schiedsrichter (Adrian Höhns, TuS Dassendorf), der gestern seinen 31. Geburtstag feierte, sein Trikot. Ein Autogramm und Foto gab es noch obendrauf.  Ebenfalls beeindruckt von der TuS zeigte sich auch HSV-Trainer Christian Titz: „Die Dassendorfer haben das in der ersten Halbzeit gut gemacht. Sie sind in der Region hier die stärkste Amateurmannschaft – und das wussten wir.“

In der Tat: Der Hamburger Oberligameister und ODDSET-Pokalsieger TuS Dassendorf verkaufte sich lange gut. Zwar stand für die Gastgeber nach 34 Minuten bereits ein 0:3-Rückstand auf der Anzeigetafel. Doch die Dassendorfer verkauften sich teuer, kamen durch Maximilian Dittrich (5.), Marcel von Walsleben-Schied (7.) und Sven Möller (11.) zu guten Gelegenheiten. „Wir haben eine gute erste Halbzeit gespielt. Zwei Gegentore haben wir selbst fabriziert und ich bin der festen Meinung, dass wenn wir ein bisschen cleverer gespielt hätten, wir auch mit ein, zwei Toren hätten führen können“, betonte TuS-„Co“ Mirko Petersen, der den abwesenden Cheftrainer Elard Ostermann (weilt beim DFB-Fußball-Lehrer-Lehrgang im Westerwald) vertrat. Für den 49-Jährigen war dieses Spiel natürlich eines der Highlights seiner Trainerlaufbahn: „Mehr geht nicht! Dass Elard nicht da war, finde ich persönlich aber auch sehr schade. Wir haben uns natürlich über alles in den Bereichen Taktik, Aufstellung und Wechsel abgesprochen.“

TuS-Torwart Christian Gruhne pariert Arp-Strafstoß – „Eigentlich wollte ich schon den Elfmeter von Lasogga halten!“

Augen zu und durch: TuS-Torwart Christian Gruhne pariert den Foulelfmeter von Fiete Arp (45.+1). Foto: Herzog

Einen ganz besonderen Moment erlebte dann Dassendorfs Schlussmann Christian Gruhne kurz vor dem Pausenpfiff. Nach einem Foulspiel von Jeremy Karikari an Fiete Arp zeigt Referee Jorrit Eckstein-Staben auf den Punkt. Der Gefoulte schießt selbst – und Gruhne pariert (45.+1). „Ein Elfmeter ist natürlich immer eine Situation, in der der Torhüter nur gewinnen kann. Es war ein schönes Gefühl, besonders gegen den HSV! Ich denke, ich werde mich in den nächsten Tagen natürlich darüber freuen, doch jetzt bin ich erstmal traurig über das deutliche Ergebnis“, sagte Gruhne gegenüber BOLZJUNGS. Der 27-Jährige hatte sich selbige Tat bereits gut 20 Minuten zuvor vorgenommen. „Eigentlich wollte ich schon den Elfmeter von Lasogga (2:0, 22., d. Red.) halten“, sagte der Schlussmann trotz gedrückter Stimmung mit einem kleinen Lächeln im Gesicht.

Eine Stunde lang gut gegengehalten – Am Ende wird’s doch zweistellig

Der zweite TuS-Keeper Tobias Braun. Foto: Herzog

Doch der Widerstand der gastgebenden TuS nahm in Abschnitt zwei stetig ab. Die HSV-Elf wurde von Trainer Christian Titz komplett ausgewechselt. Und auch bei den Dassendorfern betraten im Laufe der zweiten Hälfte neue Akteure das Feld. „Die zweite Halbzeit war deutlicher. Die Jungs haben das konsequenter und mit weniger Fehlpässen gespielt. Natürlich merken viele Spieler, dass jetzt nach dem Abstieg die Tür offen ist und wollen die Chance nutzen, sich zu zeigen. Jonas David zum Beispiel fand ich sehr beeindruckend“, analysierte HSV-Coach Titz. Nach dem 0:4 in der 66. Spielminute klingelte es im Dassendorfer Tornetz dann fast minütlich. Fünf Treffer binnen elf Minuten sorgten für getrübte Stimmung bei den erfolgsverwöhnten Dassendorfern. „Innerhalb von wenigen Minuten so viele Tore zu kassieren, lässt die Beine schwer werden. Auch in der zweiten Hälfte haben wir uns wieder ein paar Treffer selbst reingehauen. Dass es am Ende zweistellig geworden ist, ist natürlich umso ärgerlicher“, sagte ein bedrückter TuS-Trainer Petersen. Sicher ist für den Dassendorfer „Co“, dass seine Mannschaft gegen den MSV Duisburg nicht so auftreten wird, wie sie es in Abschnitt zwei tat.

Trotz der am Ende zweistelligen Pleite war das Freundschaftsspiel ein Event mit Volksfest-Charakter. „Diese Kulisse war phänomenal! Du kommst hierher, damit rechnest du ja gar nicht. Die Leute sind total euphorisch, lieb und nett“, freute sich auch HSV-Coach Titz über die tolle Stimmung an den Sander Tannen. HSV-Neuzugang Christoph Moritz schloss sich seinem Coach an: „Ich komme ja nicht aus der Stadt. Aber man hat gemerkt, dass viele Dassendorfer Anhänger vor Ort waren. Das fand ich cool. Man hat aber auch gemerkt, dass alle Leute in der Stadt zum HSV halten.“ Die 3622 Zuschauer auf der ausverkauften Bergedorfer Anlage verfielen beim Anblick ihrer Stars in große Euphorie.

Dassendorfs Kaufmännischer Leiter Mimarbachi sieht gute Chancen auf DFB-Pokalspiel in Bergedorf – HSV zeigt sich volksnah

„Ich bin wahnsinnig erleichtert und atme gerade wirklich durch. Wir sind alle froh, dass dieses Event jetzt hinter uns liegt, da es sowohl im Vorfeld als auch beim Spiel wahnsinnig viel Arbeit für uns war. Im Ganzen war es eine schöne Veranstaltung“, zieht Robert Mimarbachi, der Kaufmännische Leiter der TuS, kurz nach dem Schlusspfiff ein erstes Resümee. Mimarbachi sieht gute Chancen, dass das DFB-Pokalspiel gegen den Zweitligisten MSV Duisburg (Sa., 18.08., 15.30 Uhr) ebenfalls an den Sander Tannen in Bergedorf stattfinden kann. „Für die Vorbereitung für das DFB-Pokalspiel konnten wir viele Rückschlüsse ziehen. Dieses Spiel an den Sander Tannen hier in Bergedorf ist möglich! Wir wissen aber auch, dass wir bestimmte Strukturen des DFB einhalten müssen. Und das ist hier möglich. Wir werden uns bereits ab Ende dieser Woche mit dem Bezirksamt abstimmen und gucken, dass wir die Auflagen erfüllen. Wir hoffen, dass wir gegen Ende kommender Woche einen positiven Bescheid aus Frankfurt kriegen“, blickt Mimarbachi voraus, ehe der 43-Jährige zusammenfasst: „Die Generalprobe ist geglückt!“

Erzielte seinen ersten Treffer für den HSV und durfte die Kapitänsbinde tragen: HSV-Neuzugang Christoph Moritz. Foto: Herzog

Während bei den Dassendorfern bereits nach dem Abpfiff der Blick in Richtung DFB-Pokal gehen dürfte, nahmen sich die Akteure des Hamburger SV viel Zeit für Fotos und Autogramme für ihre zahlreich erschienenen Fans. Besonders Einer war gefragt: Neuzugang Christoph Moritz. Der 28-Jährige, der vom Zweitliga-Absteiger 1. FC Kaiserslautern in diesem Sommer an die Elbe gewechselt ist, erzielte nicht nur seinen Premierentreffer (6:0, 70.), sondern durfte in der zweite Hälfte auch gleich die Kapitänsbinde überstreifen. „Jeder Fußballer lügt, wenn er sich nicht über ein Tor freut. Das ist bei mir natürlich auch immer noch so. Dass ich das Kapitänsamt übernommen hatte, war der Tatsache geschuldet, dass ich heute der zweitälteste Sack in der Kabine war. Zum Glück war Tom Mickel fit“, sagte Moritz nach der Partie mit einem Lächeln.

Für HSV-Shootingstar Tatsuya Ito und Dassendorfs Maximilian Dittrich gab es nach dem Spiel in der Mixed Zone ein schönes Wiedersehen. Die beiden Youngster spielten gemeinsam in der U19 des Hamburger SV. Nachdem sich die meisten der 3622 Zuschauer von der Anlage verabschiedeten, ging es für die Spieler der TuS und dem HSV zum gemeinsamen Abendessen im Vereinsheim des ASV Bergedorf 85.

HSV-Cheftrainer Christian Titz nahm sich Zeit für die „kleinen“ Fans. Foto: Herzog
HSV-Ersatztorwart Tom Mickel war an den Sander Tannen ein gefragter Mann. Foto: Herzog

 

 

 

 

 

 

Die Torfolge:
0:1, 0:2 Lasogga (14., 22./FE), 0:3 Drawz (34.), 0:4 Jatta (66.), 0:5 Warmbier (69./ET), 0:6 Moritz (70.), 0:7 Wintzheimer (72.), 0:8 Bates (77.), 0:9 Wintzheimer (84.), 0:10 Jatta (87.).

Die Aufstellungen:
TuS: Gruhne (46. Braun); Carolus, Karikari, Warmbier (88. Koops); Dettmann (57. Louca), Aust (69. Hinze); Thomas (57. Nägele), Maggio (79. Saqib), Möller (69. Lenz), Dittrich (69. Müller); von Walsleben-Schied (57. Kurczynski)
HSV 1. HZ: Mickel; Ambrosius, Vagnoman, Kwarteng; Jung, Steinmann; Ito, Drawz, Narey; Lasogga, Arp
HSV 2. HZ: Pollersbeck; Santos, Bates, Knost, van Drongelen; Moritz, Janjicic; Jatta, Opoku, David; Wintzheimer

Die Bildergalerie zum Spiel von Maurice Herzog: