Liga-Leihgaben entscheiden Verfolgerduell – früher Platzverweis für FSV-Keeper Ugur Ergün

Geesthachts Linksverteidiger Janik Wagner (Nr. 14) führt den Einwurf aus. Foto: BOLZJUNGS

FSV Geesthacht – TSV Glinde II 0:3 (0:2)
Kreisliga 3, 15. Spieltag (So., 04.11.18, 14.00 Uhr)

Ursprünglich war das Verfolgerduell der Kreisliga 3 zwischen dem FSV Geesthacht (3.) und dem TSV Glinde II (5.) auf Freitagabend terminiert. Vor ein paar Wochen verlegte das Heimteam das Duell – regelkonform – allerdings auf den gestrigen Sonntag. Auf den Zuschauerrängen im Stadion an der Berliner Straße hörte man während des Spielverlaufs immer wieder, dass dies aufgrund des am Freitagabend ausgetragenen Derbys zwischen Galatasaray Istanbul und Fenerbahce Istanbul (Endstand 2:2) geschah. FSV-Trainer Idris Gümüsdere erklärte dazu auf BOLZJUNGS-Nachfrage: „Viele Mannschaften, gegen die wir unten (gemeint ist der neue, aber deutlich kleinere Kunstrasenplatz, d. Red.) spielen, stellen sich immer hinten rein. Dann tun wir uns schwer, die Gegner auseinander zu spielen, da sie es sehr eng machen. Die Idee war daher, dass wir auf dem größeren Rasenplatz mehr Raum haben und uns so mehr Chancen erarbeiten.“ Das größere Spielfeld nutzten in den 90 Minuten allerdings die Gäste aus Stormarn und siegten – dank dreier Treffer von Leihgaben aus der in der Bezirksliga beheimateten „Ersten“ – mit 3:0.

Insgesamt liefen sogar gleich fünf Akteure aus der Ligamannschaft für die Reserve auf. Das bot sich aufgrund des spielfreien Wochenendes des Teams von Trainer Sören Deutsch, der mit seinem Co-Trainer Kevin Karras vor Ort das Spielgeschehen verfolgte, zwar bestens an, war in diesem Ausmaß letztlich aber auch nicht zu vermeiden. „Viele von uns waren gestern auf der seit vielen Wochen geplanten Geburtstagsfeier unseres Spielers Dennis Detje. Wir hatten uns damals bei der Organisation nach dem Rahmenterminkalender orientiert. Daraufhin habe ich, als ich von der Verlegung erfahren hatte, dreimal beim FSV angerufen. Ich hätte ihnen gesagt, dass wir das Spiel auf einen anderen Termin legen können und dann gleich dazu gesagt, dass wenn er das nicht möchte, ich hier Ligaspieler einsetzen muss“, erklärte TSV-Trainer Wolfgang Spethmann, der sich letztlich über die Ansetzung auf Sonntag und das Ausweichen auf den großen Rasenplatz gefreut haben dürfte.

FSV-Keeper mit frühem Platzverweis – Doppelschlag beschert 2:0-Pausenführung

Ersatzkeeper Jan-Eike Widdrat macht sich bereit. Foto: BOLZJUNGS

Lediglich eine gute Schusschance für Geesthachts Stürmer Dursun Yurtoglu ereignete sich in der Anfangsphase – bis zur 12. Spielminute. FSV-Innenverteidiger Maurice Osterhof wollte einen langen Ball der Gäste mit dem Kopf zu seinem Torwart Ugur Ergün zurücklegen, brachte aber nicht genug Kraft hinter das Spielgerät, sodass sich der pfeilschnelle eigentliche Ligaspieler Bo Gehrke den Ball erlief, an dem Schlussmann vorbei legen wollte, von diesem im Anschluss aber von den Beinen geholt wurde. Schiedsrichter Sebastian Schröder zeigte auf den Punkt – und Ergün die Rote Karte. Doppelbestrafung für den Gastgeber! Alexander Rarrek versenkte trocken unten rechts zum 1:0 (16.). Nur drei Minuten nach der Führung dann der nächste Tempolauf von Gehrke. Kapitän Hendrik Gerloff passte aus der eigenen Hälfte nach vorne, Geesthachts Keeper Widdrat eilte aus dem Tor, zog im Duell mit Gehrke – anders als sein Vorgänger – aber zurück. Der Glinder Stürmer vergab allerdings aus spitzem Winkel.

Selbige Szene ereignete sich dann nur kurze Zeit später. Gerloff aus der eigenen Hälfte auf Gehrke, der zwei Geesthachter Defensivakteuren problemlos enteilte und zum 2:0 einschob (26.). „Der ist 100 km/h schneller als ich!“, rief Innenverteidiger Osterhof anschließend in Richtung FSV-Bank. „Bo ist ein anderer Spieler. Der braucht diese 25 Meter bis zum Tor. Und dann haben wir natürlich Leute, die diese Pässe spielen können. Da ist Bo natürlich kaum zu halten“, lobte Glindes Trainer Spethmann seine Offensiv-Leihgabe. Vor der Pause musste der Übungsleiter aber dann noch mit ansehen, wie die Gastgeber zu zwei Gelegenheiten kamen. Doch erst vergab Harun Gök (37.), eine Minute später Onur Topcu per Kopfball.

3:0 durch weitere Leihgabe – Glindes Reserve beendet Hinserie auf Rang drei

Glindes Mann des Tages: Bo Gehrke. Archivfoto: Kehr

Die Geschehnisse aus Abschnitt zwei sind dann schnell erzählt. Hätte Geesthachts aufgerückter Linksverteidiger Janik Wagner den Ball aus fünf Metern im Tor versenkt, hätte das Spiel vielleicht noch einmal Fahrt aufgenommen. Doch der FSV-Kicker schoss in die Arme von Glinde-Keeper Alexander Dora (49.). Das Umstellen auf eine Dreierkette (65.) brachte dem FSV auch nicht den gewünschten Erfolg. Die beste Chance des Spiels auf Seiten der Gastgeber hatte der agile FSV-Stürmer Yurtoglu per Lattenschuss (71.). Doch während den Elbestädtern kein Treffer gelingen wollte, besorgte Tiago Da Silva – ebenfalls ein eigentlicher Ligaspieler – per Kopf den 3:0-Endstand (73.).

Somit schließt der TSV Glinde II, die positive Überraschung der Liga, die Hinrunde mit 30 Punkten auf Platz drei ab. „Das ist ganz stark! Selbst wenn wir in der Rückserie 25 Punkte holen, bin ich auch zufrieden“, sagte ein strahlender Spethmann nach Spielende, ehe er in Bezug auf die Aushilfen noch einmal betonte: „Bo ist da vorne schon stark, den habe ich dann mal mitgenommen. Die anderen Leihgaben tauchen ja immer mal wieder bei uns auf. Aber so ist es, das ist eine Zweite Herren. Wir haben alles von uns aufgeboten, das wir noch zur Verfügung hatten.“

FSV-Trainer Idris Gümüsdere verkündet sofortigen Abgang von Stürmer Marco Bugla

Marco Bugla im Dress seines Ex-Klubs FC Bergedorf 85. Archivfoto: Herzog

Freude auf der einen, Leid auf der anderen Seite. Geesthachts Trainer Idris Gümüsdere zeigte sich trotz der Niederlage kämpferisch in Bezug auf die Rückrunde, lobte sein dezimiertes Team für den Auftritt. „Bei den ersten beiden Gegentoren passieren uns Fehler, die eigentlich nicht passieren dürfen. Wir haben uns in der zweiten Hälfte viele Torchancen erarbeitet, die keine Zufallsprodukte waren. Ich bin zufrieden mit der Leistung meiner Jungs. Dieses Mal ist alles gegen uns gelaufen, was hätte gegen uns laufen können. Es wären zwar drei goldene Punkte gewesen, klar ist aber auch, dass wir weiterhin oben mit dabei sind. Ich bin optimistisch gestimmt für die Zukunft“, so Gümüsdere, der nach wie vor und noch lange Zeit auf seinen Mittelfeldstrategen Emre Gök (Kreuzbandriss) verzichten muss. Auch Irfan Özgenc, Aslan Simsek und Ömür Topcu fielen gegen Glinde II aus.

Zwei andere Spieler werden dem FSV hingegen gar nicht mehr zur Verfügung stehen. Neben Michael Nani-Fischer kehrt auch der intern zweitbeste Torschütze Marco Bugla (acht Treffer) dem Verein den Rücken – und zwar mit sofortiger Wirkung. Gümüsdere auf BOLZJUNGS-Nachfrage: „Die Beiden haben uns unter der Woche verlassen. Marco ist vor sechs bis acht Wochen zu uns gekommen, fühlt sich aber nicht wohl in der Mannschaft und sagte uns daher, dass er in der Winterpause wechseln wird. Dass es nun schon jetzt direkt dazu gekommen ist, finde ich nicht gut. Ich hätte mir gewünscht, dass er es bis zur Winterpause durchzieht, denn dann hätten wir die Gelegenheit gehabt, neue Spieler ranzuholen.“

FSV: Ergün; Bodur (12. Widdrat), Krauel, Osterhof, Wagner; Koukoulis (65. E. Gümüsdere), H. Gök, Aydin, Erdal (70. Uslu); Topcu; Yurtoglu
TSV: Dora; Steeg, Meyer, Bilen, Henningsen; H. Gerloff (75. Scheck), Gläser; Rarrek, Fuchs (75. Detje), Da Silva; Gehrke