Lohbrügges Kapitän Anto Zivkovic im Interview: „Ich möchte mit dem VfL in der Oberliga spielen.“

Anto Zivkovic ist einer der wichtigsten Spieler im Kader des VfL Lohbrügge. Foto: Herzog

Kapitän, Spielmacher, Torjäger. Anto Zivkovic ist einer der wichtigsten Spieler im Kader des VfL Lohbrügge und hat somit einen großen Anteil daran, dass das Team vom Trainergespann Sven Schneppel und Elvis Nikolic auf einem starken dritten Rang in der Landesliga Hansa in die Winterpause geht und auch noch im ODDSET-Pokalwettbewerb im Viertelfinale vertreten sind. Im Februar 2015 kam der Kroate auf Anfrage von Mato Mitrovic, zu dem Zeitpunkt Trainer des FC Bergedorf 85, aus seinem Heimatland nach Deutschland, genauer gesagt in den Osten Hamburgs, um den damaligen Bezirksligisten zum Aufstieg in die Landesliga zu schießen. Drei Monate blieb der Offensivakteur in der Hansestadt, erzielte fünf Treffer in zwölf Spielen und verhalf dem FCB so zum ersehnten und angestrebten Aufstieg. Nach der Saison und drei Monaten Deutschland ging Zivkovic wie geplant zurück nach Kroatien – und kam noch im September desselben Jahres zurück in den Norden. Seitdem wohnt der 30-jährige Anto Zivkovic, glücklich verlobt, in Hamburg und kickt nach seiner Station bei „85“ seit Sommer 2017 für Lohbrügge. Wir sprachen mit dem kroatischen Top-Spieler über seine Zeit in Kroatien, seine Verbindung zur „Kroaten-Fraktion“ des VfL sowie Mato Mitrovic und seine ganz persönlichen Ziele.

BOLZJUNGS: Anto, wie gefällt es dir in der „schönsten Stadt der Welt“ Hamburg?
Zivkovic: Die ersten drei Monate, als ich wegen dem FC Bergedorf 85 und Mato Mitrovic gekommen war, waren damals nur ein Abenteuer für mich. Ich war zuvor noch nie in Hamburg und zu dem Zeitpunkt fertig mit meinem Studium. Ich wollte einfach sehen, wie man in Hamburg lebt. Mir hat es hier gefallen und dann bin ich später zurückgekommen und geblieben.

Zivkovic im Derby gegen den SVNA. Foto: Herzog

BOLZJUNGS: Wie sah deine fußballerische Karriere vor dem Umzug nach Deutschland aus?
Zivkovic: Ich bin zwar 1988 in Kroatien, genauer gesagt in Vinkovci, geboren, aber in Orasje in Bosnien und Herzegowina (Grenzstadt zu Kroatien, d. Red.) aufgewachsen. Dort habe ich dann professionell Fußball gespielt – bei HNK Orasje in der Jugend und später bei den Herren. Auch für die Nachwuchs-Teams der Nationalmannschaft von Bosnien und Herzegowina (U-17, U-19, U-21, d. Red.) bin ich aufgelaufen. 2009 habe ich dann aber mit dem Profifußball aufgehört, da ich mein Studium begonnen habe. Dann bin ich in die kroatische 3. Liga gewechselt und dort für NK Olimpija und NK Darda aufgelaufen.

BOLZJUNGS: Was machst du neben dem Fußball hier in Deutschland?
Zivkovic: Ich arbeite als Business Analyst & Konfiguration Manager bei einem französischen Konzern in Hamburg. Momentan wohne ich in Eilbek, von dort aus ist es nicht so weit zum Training in Lohbrügge.




BOLZJUNGS: Besuchst du regelmäßig deine Heimat?
Zivkovic: Meine ganze Familie und meine Freunde leben in Kroatien oder Bosnien und Herzegowina. Ich versuche, sie mindestens zweimal pro Jahr zu besuchen. Einmal rund um Weihnachten und einmal im Sommer.

BOLZJUNGS: Man spricht im Bergedorfer Raum oft über die „Kroaten-Fraktion“ um Spieler wie Arlovic, Brandic, Zivkovic und Co. Welche Rolle spielen diese Mitspieler für dich?
Zivkovic: Wir kommen alle aus Orasje in Bosnien und Herzegowina. Die anderen sind etwas jünger als ich und manchmal spüre ich einfach die Verantwortung für sie. Kurz gesagt: Ich bin wie ein großer Bruder für sie. Wir unterhalten uns auch neben dem Fußball, wir treffen uns manchmal sogar im Urlaub in der Heimat.

BOLZJUNGS: Welche Rolle spielt Mato Mitrovic für dich?
Zivkovic: Mato hat mich und auch alle anderen nach Hamburg geholt. Ich habe ihn zufällig durch einen gemeinsamen Freund kennengelernt und dann hat er mich zu sich nach Hamburg eingeladen. Anfangs hat er mir viel geholfen. Damals habe ich sogar bei ihm gearbeitet. Aber auch jetzt hilft er noch, wo er kann.

BOLZJUNGS: Kommen wir zur aktuellen Spielzeit und damit zum sportlichen Geschehen beim VfL. Wie bewertest du Eure bisherige Saison?
Zivkovic: Momentan, finde ich, haben wir eine richtig gute Mannschaft mit vielen guten Jungs darin. Die Atmosphäre in der Kabine ist super und daher ist es normal, dass die guten Ergebnisse auch kommen. Am Anfang des Saison hatten wir viele Baustellen, viele neue Jungs kamen. Aber jetzt hat sich alles eingespielt und es kann nur noch besser werden. Über das fußballerische Können unserer Mannschaft muss ich überhaupt nicht reden.

Zivkovic‘ jetziges Trainer-Duo Sven Schneppel (li.) und Elvis Nikolic. Foto: Herzog

BOLZJUNGS: Wie ist dein Verhältnis zum Trainer-Duo Sven Schneppel und Elvis Nikolic?
Zivkovic: Ich schätze sehr, wie die beiden arbeiten. Sie leben Fußball, trainieren mit Leidenschaft und geben sich viel Muhe, sowohl beim Training als auch bei der Spielvorbereitung. Disziplin ist sehr wichtig für die Beiden und es wird viel auf die Atmosphäre in der Kabine geachtet. Sie ergänzen sich ganz gut und sind ein tolles Trainer-Duo. In meiner Arbeit gehe ich denselben Prinzipien nach, deswegen kann ich gut mit ihnen zusammen arbeiten.




BOLZJUNGS: Wie sehen Eure Ziele beim VfL für die aktuelle Saison aus?
Zivkovic: Unser Ziel ist es, einfach jedes Spiel zu gewinnen. Fußballerisch sind wir stark und wenn wir richtig gut drauf sind, sehe ich keine Mannschaft, die uns noch besiegen kann. Aber man muss sagen, Fußball ist Fußball und es ist klar, dass nicht immer die bessere Mannschaft gewinnt. Klare langfristige Ziele haben wir uns nicht gesetzt, aber die kommen von selbst. Wir spielen immer noch auf beide Fronten (Pokal und Liga, d. Red.) und ich kann nur sagen, dass wir alles geben werden, um alle Spiele zu gewinnen. Meine persönlichen Ziele sehen immer unrealistisch aus, aber so funktioniere ich. Ich möchte sowohl den Pokal als auch die Liga gewinnen und ich bin fest davon überzeugt, dass meine Mannschaft das auch schafft.

BOLZJUNGS: Gibt es beim VfL eine Grüppchen-Bildung mit den Kroaten auf der einen und mit den anderen Spielern auf der anderen Seite?
Zivkovic: Wir sind eine Mischung von vielen verschiedenen Nationen, nicht nur Kroaten. Das ist eine unserer Stärken und keine Schwäche. Früher hatten wir Kroaten die Sprachbarriere. Es war schwierig, mit anderen zu kommunizieren, aber das ist alles vorbei. Einige können zwar nicht deutlich reden, aber die Fußball-Kommunikation läuft ohne Probleme. Wir haben auf jeden Fall keine Grüppchenbildung im Team. Zumindest, soweit ich weiß.

BOLZJUNGS: Wie sehen deine persönlichen Ziele aus? Wie lange willst du noch Fußball spielen?
Zivkovic: Um ehrlich zu sein: Ich habe Angst davor, mit Fußball aufzuhören. Seit ich fünf Jahre alt war, spiele ich Fußball ohne Pause. Ich kann mir mein Leben ohne Fußball einfach nicht vorstellen. Zurzeit denke ich nicht darüber nach, wie lange ich noch spielen werde. Aber wenn ich heutige junge Spieler trainieren und spielen sehe, denke ich mir, dass ich so mit Sicherheit noch zehn Jahre spielen kann. (lacht) Fußball ist eigentlich der Bestandteil meines Lebens. Die schönsten Sachen in meinem Leben habe ich im Fußball erlebt.

Gekonnte Ballannahme: VfL-Kapitän Zivkovic nimmt den Ball an. Foto: Herzog

BOLZJUNGS: Wie schätzt du das Niveau in der Landesliga ein? Guckst du dir auch andere Spiele an?
Zivkovic: Allgemein bin ich vom Amateurfußball in Hamburg sehr enttäuscht. Die Plätze sind katastrophal, die Vereine haben keine Grundvoraussetzungen, um richtig zu funktionieren. Die Spieler sind zwar gut, aber taktisch nicht gut geschult. Man spielt nur, um zu spielen, aber man hat nicht das Ziel, Fußball als Spiel zu lernen und zu beherrschen. Das hat mich sehr überrascht und da ich alleine nicht viel ändern konnte, musste ich einen Weg finden, damit klarzukommen. Eine fußballerisch durchschnittliche Mannschaft, die aber viel Leidenschaft mitbringt, kann leicht die Landesliga gewinnen. Positiv finde ich hingegen allerdings, dass es viele verschiedene Mannschaften gibt und jeder, der spielen möchte, die Gelegenheit dazu hat. Manchmal gucke ich mir auch andere Spiele an, wenn ich Zeit habe.

BOLZJUNGS: Ist die Oberliga ein Thema für dich?
Zivkovic: Ich möchte mit dem VfL in der Oberliga spielen. Falls wir es dieses Jahr nicht schaffen, dann glaube ich, dass ich nicht weiter in der Landesliga spielen werde. Ich spiele schon drei Jahre in der Landesliga und wir versuchen jedes Jahr, den Aufstieg zu schaffen. Falls ich es diesmal nicht schaffe, dann glaube ich, dass ich mit der Landesliga aufhöre.

BOLZJUNGS: Das heißt, du würdest dir dann einen Verein in der Oberliga suchen?
Zivkovic: Das weiß ich noch nicht. Es muss nicht Oberliga sein, aber momentan kann ich mir nicht vorstellen, dass ich nächstes Jahr wieder in der Landesliga spiele.

BOLZJUNGS: Vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg!