Meiendorfer SV scheitert im Pokalkrimi am OSV – drei Rote, zwölf Gelbe Karten

Die OSV-Spieler jubeln. Foto: Herzog

Oststeinbeker SV – Meiendorfer SV 2:1 (1:1)
ODDSET-Pokal, 1. Runde (Fr., 20.07.18, 19.30 Uhr)

Schon einige Tage vor dem ODDSET-Pokalspiel zwischen dem Kreisliga-Meister und Bezirksliga-Aufsteiger Oststeinbeker SV und dem Oberliga-Aufsteiger Meiendorfer SV wurde offensichtlich, dass beide Teams dieses Duell sehr ernst nehmen werden. Der Trainerstab des Gastgebers OSV schaute sich den heutigen Pokalgast am vergangenen Samstag im Testspiel gegen Dersimspor an (4:1-Sieg für den MSV). Das Meiendorfer Trainergespann gastierte bei dem Blitzturnier des TSV Glinde einen Tag später und begutachtete dort den Auftritt der Oststeinbeker, die am Ende Dritter von insgesamt vier Startern wurden.

MSV-Trainer Baris Saglam musste eine 1:2-Pleite hinnehmen. Foto: Herzog

Vor allem MSV-Co-Trainer Tobias Sävke war vor dem Spiel angesichts der Gegneranalyse sowie den zahlreichen Bekanntschaften zu den Oststeinbekern bewusst, was ihn erwarten wird: „Wir wussten, dass der OSV eine starke Mannschaft ist. Die Telefonate mit Alex und Simon (OSV-Co-Trainer Alexander Kaya und Trainer Simon Gottschling, d. Red.) liefen seit zwei Wochen. Man hat gemerkt, dass alle Oststeinbeker heiß auf dieses Duell waren. Ich kenne dort einige und daher wusste ich genau, was uns hier erwartet.“ Die Meiendorfer trafen auf einen hart agierenden, von der ersten Minute an lebendigen Gegner, der es dem Oberliga-Aufsteiger verdammt schwer machte. Meiendorfs „Co“ Sävke analysierte: „Der OSV hat uns unser Spiel gar nicht erst aufziehen lassen. Allerdings haben wir auch nicht die entscheidenden Signale gesetzt.“ Die entscheidenden Signale gab es in der Anfangsphase hingegen von den Spielern in Rot-Weiß – allen voran von Einem, der selber einmal die Vereinsfarben des MSV trug.

Pflichtspiel-Einstand nach Maß – Youssef Sbou sorgt nach zwei Minuten für die Führung

Einer, der seinen Pokalgegner vorab nicht mehr begutachten musste, ist OSV-Neuzugang Youssef Sbou. Der Außenspieler wechselte gemeinsam mit seinen Brüdern Youness und Morad in diesem Sommer vom Landesligisten Elazig Spor nach Oststeinbek – spielte in der Saison 2013/14 aber beim Meiendorfer SV. Und den zahlreichen Zuschauern am Meessen hatte der 27-Jährige früh aufgezeigt, dass er ein Spieler ist, der auf dem Platz den Unterschied ausmachen kann. Schon nach zwei Minuten nutzte der Linksaußen einen Ballverlust von Meiendorfs Innenverteidiger Marcel Hoffmann, den Oststeinbeks Stürmer-Neuzugang Erdinc Örün erahnte und den Ball auf Sbou spielte, und traf zur 1:0-Führung für den zwei Klassen tiefer spielenden OSV. „Ich pflege immer noch einen guten Kontakt zu den Meiendorfern, habe ihnen aber auch gesagt, dass wir im Spiel keine Freunde sind“, kommentierte Youssef Sbou seinen Pflichtspiel-Einstand nach Maß – doch das war erst Teil eins!

In den folgenden Minuten machten die Gastgeber weiter Druck, kamen durch Örün zu einem Abseitstor (10.) sowie Youssef Sbou (15.) und Kapitän Dave Fehlandt (16.) zu guten Möglichkeiten. Nach der Oststeinbeker Chancenserie wurde das Spiel dann allerdings ruhiger – und die zu Beginn singenden und trommelnden OSV-Anhänger taten selbiges. Nach einigen hitzigen Diskussionen und einer kleineren Rudelbildung (38.), in der MSV-Spieler Mert Kepceoglu die Gelbe Karte kassierte, bestraften die Oberliga-Neulinge den Chancenwucher des OSV und glichen mit ihrem ersten nennenswerten Torschuss durch den zwei Minuten zuvor verwarnten Kepceoglu zum 1:1 aus (40.). Dem Ausgleichstreffer war ein Missverständnis in der Oststeinbeker Defensive vorausgegangen.

Zweite Hälfte: Wenig Spielfluss, viele Rudelbildungen – und noch mehr Karten

Wieder kamen die Gastgeber besser aus der Kabine – und gingen durch Flügelstürmer Adrian Voigt, der im Sommer vom Landesligisten FC Voran Ohe neu hinzukam, per Kopf erneut in Führung (58.) – Pflichtspiel-Einstand nach Maß, Teil zwei! Was folgte, waren unschöne Szenen mit teils heftigen Auseinandersetzungen. An den Rudelbildungen (76., 90.+7) waren dann Spieler, Trainer, Verantwortliche, Auswechselspieler sowie der eine oder andere Zuschauer beteiligt. MSV-Neuzugang Collins Abiola Folarin flog nur zwölf Minuten nach seiner Einwechslung nach einem Schubser mit Rot vom Platz (80.). In der Nachspielzeit taten es ihm die Oststeinbeker Dave Fehlandt (90.+10) und Torschütze Youssef Sbou (90.+11) gleich. Letzterer ging mit der Ampelkarte vorzeitig duschen. Insgesamt reihten sich zwölf Spieler in die Liste der verwarnten Akteure ein.

Zwar zeigte sich OSV-Trainer Simon Gottschling mit dem Sieg verständlicherweise vollstens zufrieden („Wir haben einen Oberligisten rausgehauen – und das nicht mit Glück“), doch die Platzverweise nervten den Coach. „Sportlich war alles top, aber wir haben Opfer gebracht. Das muss sich jetzt bezahlbar machen. Jetzt sollten wir auch schon zwei, drei Runden weiter kommen“, sagte Gottschling nach dem Erfolg. Sein Gegenüber war vor allem aufgrund der Art der Niederlage sauer: „Die Motivation bei unseren Spielern hat aufgrund der vielen Spielunterbrechungen ein wenig abgenommen. Natürlich war es kein gutes Spiel von uns. Wir haben uns dem Schiedsrichter und den Gegnern vom Niveau her angepasst. Es kann dennoch nicht sein, dass von der gegnerischen Bank solche Aktionen kommen. Wir als Trainer und Spieler müssen eine Vorbildfunktion einnehmen“, ehe der MSV-Trainer anfügt: „Wir können uns für dieses Niveau, an das wir uns heute angepasst haben, in der Öffentlichkeit leider nur entschuldigen.“

Das OSV-Team feiert mit den Fans. Foto: BOLZJUNGS

OSV-Pressesprecher Mathias Merk feiert Hochzeit – OSV-Team steht Spalier

Mathias Merk. Foto: OSV

OSV-Pressesprecher Mathias Merk hatte am heutigen Abend nicht nur wegen dem hitzigen Spiel eine ganz besondere Gefühlswelt. Merk feierte vor dem Spiel seine standesamtliche Hochzeit, eilte dann zu dem Pokalspiel, ehe es Morgen mit der kirchlichen Trauung und der Hochzeitsfeier weiter geht. „Die Mannschaft und alle Offiziellen werden Spalier stehen“, freut sich Merk, der noch „ein, zwei Kaltgetränke“ zu sich nehmen wird und dann zeitig den Heimweg antritt, um pünktlich und fit um 15.30 Uhr in der Kirche anwesend zu sein. „Der Sieg heute war ein erstes, sehr schönes Geschenk für mich!“

OSV: Niedwetzki; Grünberg, Köksal, Marg, Youness Sbou; Fehlandt, Morad Sbou (87. Reinecke) ; Voigt (85. T. Sbou), Meyer, Youssef Sbou; Örün (75. Frers)
MSV: Jonas; Rosseburg, Hoffmann, Tatsis (83. Koura), Herrdum; Varela Monteiro, Kepceoglu, Hercog (68. Folarin), Zazai (65. Fedai); Sara, Blum