Mit Glück und Können: Oststeinbek gewinnt das Spitzenspiel gegen den ASV

Der Matchwinner Youness Sbou (vorne) jubelt über seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0. Foto: Herzog

Oststeinbeker SV – ASV Hamburg 2:1 (0:0)
Bezirksliga Ost, 10. Spieltag (Fr., 28.09.18, 19.30 Uhr)

Der Jubel kannte keine Grenze mehr. Die Ersatzspieler, einige Fans und auch ihr Trainer liefen auf das Feld, um zu feiern. Doch einen Haken hatte die Sache. Als Rathwan Al Radi in der vierten Minute der Nachspielzeit in der Bezirksliga-Partie zwischen dem Oststeinbeker SV und seinem ASV Hamburg beim Stand von 2:1 für die Oststeinbeker einen Heber über OSV-Keeper Thorben Joost setzte, drehte Al Radi bereits ab und zog sein Trikot aus. Das vermeintliche 2:2 in allerletzter Sekunde. Doof nur, dass der Ball gar nicht im Netz war, sondern über die Latte hinweg ins Toraus ging. Nach dieser Aktion war Schluss. Der Schiedsrichter Kai Seeliger (Sportfreunde Holm), der mit seinem Gespann die Partie über die volle Distanz absolut im Griff hatte, pfiff das Spitzenspiel nach 94 Minuten ab. So stand der Oststeinbeker SV mit 2:1 als Sieger fest.

Stets engagiert an der Seitenlinie: ASV-Coach Mohet Wadhwa. Foto: Herzog

„Ich bin einfach aus dem Affekt heraus losgelaufen. Ich hatte nicht hingesehen, aber alle um mich rum haben gejubelt und sind losgelaufen. Aber da war ja nichts“, kommentierte ASV-Trainer Mohet Wadhwa die Schlussszene mit einem Lachen im Gesicht. Der Trainer wirkte nach der Partie, die aufgrund der Vorgeschichte aus dem Pokalspiel und der Tabellenkonstellation in der Ost-Staffel mit Spannung erwartet wurde, sichtlich gelassen – trotz der Niederlage. „Über ein Unentschieden hätte sich keiner beschweren können. So ist Oststeinbek der glückliche Sieger. Das ist okay. Ich kann der Mannschaft nicht böse sein, sie hat in der zweiten Halbzeit rausgeholt, was drin war. Wir haben ja auch nicht gegen irgendeinen Fallobst-Gegner gespielt“, resümierte der Coach.

Drei Treffer binnen fünf Minuten im zweiten Durchgang

Apropos Glück. Von diesem hatten die Gastgeber, die auf die Leistungsträger Marcel Meyer (Urlaub), Deniz Herber (berufsbedingt verhindert) und Adrian Voigt (Zahn-OP) verzichten mussten, am gestrigen Abend eine Menge. Denn nicht nur in der 94. Minute hatte der Tabellenführer Glück, dass der Ball dann eben doch über die Latte ging und nicht ins Tor, sondern auch beim entscheidenden 2:0 durch Youness Sbou. So fasste sich der Außenverteidiger aus rund 25 Metern ein Herz und feuerte den Ball auf das Tor. Glücklich für die Hausherren, dass der Ball entscheidend abgefälscht wurde und so über den weit vor seinem Tor stehenden Shahin Ahmadi hinweg ins Netz geflogen war (76.). Das interessierte von den Oststeinbekern natürlich niemanden. Ein großer Jubel über die Zwei-Tore-Führung war die Folge.

Sah bei beiden Gegentoren nicht gut aus: ASV-Keeper Shahin Ahmadi (re.). Foto: Herzog

Bereits kurz zuvor hatte Innenverteidiger Patryk Marg den OSV auf die Siegerstraße gebracht. Nach einem Freistoß von Youssef Sbou, den ASV-Keeper Shahin nur nach vorne abklatschen konnte, war Marg zur Stelle und drosch den Abpraller in die Maschen zur 1:0-Führung (73.). Plötzlich war was los am Meessen. Die 292 Zuschauern, unter ihnen die „Ultras Prostbek“, die ein Spruchband mit der Aufschrift „Mehr spielen, weniger reden“ an der Bande montierten, bekamen nach einer überschaubaren ersten Hälfte nun ein Spitzenspiel zu sehen. Die Gäste gaben sich nicht auf und kamen durch einen verwandelten Foulelfmeter von Serhat Cayir auf 1:2 ran (78.). Zuvor hatte Patryk Marg ASV-Stürmer Timo Aschenbrenner zu Fall gebracht. Doch nach diesen fünf turbulenten Minuten und der kuriosen Schlussszene passierte nichts mehr. „Am Ende verlieren wir durch zwei Torwartfehler, die passieren können, bei denen es aber ärgerlich ist, dass sie in so einem Spiel passieren“, haderte Wadhwa dann doch ein bisschen. Mit diesem Erfolg, den die OSV-Spieler mit „Spitzenreiter, Spitzenreiter, Hey, Hey“-Gesängen feierten, bleiben die Oststeinbeker Tabellenführer (25 Punkte) und bauen den Vorsprung auf nun vier Punkte aus. Der ASV Hamburg bleibt mit 21 Punkten auf dem zweiten Platz.

„Jetzt geht es erst richtig los. Wir werden nochmal einen Gang zulegen.“

„Wir haben gewonnen, wischen uns den Mund ab und haben nun den Puffer, den wir brauchten“, bilanzierte OSV-Trainer Simon Gottschling nach dem Abpfiff. Doch wirklich zufrieden war der Übungsleiter nicht. „Wir waren in der ersten Halbzeit nicht da. Wir haben in den letzten zwei Wochen eine kleinen Bruch drin. Woran das liegt, weiß ich nicht. Zufrieden bin ich nicht“, betonte der Coach, um anschließend zu analysieren: „Die Laufbereitschaft war nicht gut, wir haben abgewartet und waren oft zu spät. Zudem haben wir nicht gut gegen den Ball verteidigt. Dennoch haben wir, und das zeichnet eine Spitzenmannschaft aus, drei Punkte gegen den Zweiten geholt. Genau das wollten wir. Die Jungs sind sich aber im Klaren, dass wir zuletzt nicht richtig in der Spur waren und das ist das Gute.“

War nicht vollends zufrieden: OSV-Trainer Simon Gottschling. Foto: Herzog

Nach dem gewonnenen Spitzenspiel richtete der Übungsleiter den Blick nach vorne. „Jetzt geht es erst richtig los. Wir werden nochmal einen Gang zulegen und richtig Gas geben, damit der nächste Schritt kommt. Nächstes Wochenende spielen wir gegen den ASV Bergedorf 85, der ASV Hamburg muss gegen Ahrensburg ran. Die nehmen sich selbst die Punkte weg. Wir haben es in der eigenen Hand, unseren Weg zu gehen“, blickt Gottschling nach vorne. Bereits am Dienstag wartet der TSC Wellingsbüttel (Bezirksliga Nord) in der vierten Runde des ODDSET-Pokals auf den OSV. Anpfiff erfolgt um 19.30 Uhr am Meessen.

OSV: Joost; Grünberg, Köksal, Marg, Youness Sbou; Gimeno, Fehlandt, M. Sbou, Youssef Sbou (85. Qasem); Kochsiek, Örün (65. Frers)
ASV: Ahmadi; Appiah, Atai (87. Bukebudrac), Iddrisu, Cayir; Al Radi, Fernandes Arguelho (74. Szymborski), Kaba, Ludin; Aschenbrenner, Farahi