Mit Pike und Hacke: Oststeinbeker SV feiert Kantersieg gegen Börnsen

Während SVB-Torwart Mischa Sund verzweifelt auf dem Boden liegt, feiern die OSV Spieler. Foto: Herzog

Oststeinbeker SV – SV Börnsen 5:1 (2:0)
Bezirksliga Ost, 7. Spieltag (Fr., 07.09.18, 19.30 Uhr)

Es schien so, als wolle er alle Teil haben lassen. Beim Stand von 5:0 seines Oststeinbeker SV gegen den SV Börnsen zückte Co-Trainer Alexander Kaya, der den urlaubenden Simon Gottschling an der Seitenlinie vertrat, sein Mobiltelefon, rief seinen „Chef“ per Videoanruf an und ließ dem in Kroatien weilenden Gottschling einige Augenblicke am Spiel teilhaben. „Der wollte einmal sehen, was hier auf dem Platz los ist. Das war aber nicht abgesprochen, sondern spontan“, erklärte Kaya schmunzelnd.

Dieses Schmunzeln zauberten seine Schützlinge dem Co-Trainer schon recht früh auf die Lippen. Nach einer starken Anfangsphase der Gäste, die griffig in den Zweikämpfen waren und den OSV nicht ihr Spiel aufziehen ließen, kamen die Gastgeber aber nach 20 Minuten besser in die Partie. So hatte Adrian Voigt nach einem Freistoß von Marcel Meyer die erste gute Gelegenheit, doch der Ball wurde vor der Linie geklärt (26.). Zuvor hatten die Börnsener durch zwei gute Konter die Chance zur Führung. Doch Patrick Steffens scheiterte einmal an OSV-Keeper Thorne Joost und einmal zielte der Offensivspieler am Kasten vorbei (5., 23.). Das Auslassen dieser beiden Möglichkeiten wurde eiskalt bestraft. Nach einer Flanke von Youness Sbou auf den zweiten Pfosten stieg Adrian Voigt am höchsten und nickte den Ball zur 1:0-Führung ein (31.). Bitter für den SVB: Zu diesem Zeitpunkt waren sie in Unterzahl, da Joshua Wolter mit einem abgebrochenen Zehennagel verletzt an der Seitenlinie lag.

Dreifach-Torschütze Youssef Sbou mit der Pike, Marcel Meyer per Hacke

Jubelte erneut mit Liegestützen: OSV-Offensivspieler Youssef Sbou. Foto: Herzog

Von diesem Schock erholte sich das Team von Trainer Dennis Tesch nur schwer. Sieben Minuten später kam es noch dicker und der überragende Youssef Sbou, der nach einem Pass von Marcel Meyer das Spielgerät mit der Pike aus der Distanz ins Netz beförderte, erhöhte auf 2:0 (38.). Wie schon im Pokalspiel beim ASV Hamburg feierte der Torjäger seinen Treffer mit Liegestützen. Nach der Pause war es erneut Sbou, der den Unterschied ausmachte und das Ergebnis in die Höhe schraubte. Nach einer Flanke von Maximilian Kochsiek beförderte Sbou per Direktabnahme das Spielgerät zum 3:0 in die Maschen (52.). Eine Minute zuvor scheiterte sein Bruder Morad nach einem Zuspiel per Hacke von Marcel Meyer an SVB-Keeper Mischa Sund. Diese Szene verdeutlichte die Spielfreude, die die Oststeinbeker vor allem im zweiten Abschnitt an den Tag legten.

Diese Spielfreude münzten sie noch in weitere Treffer um. Wie beim 2:0 legte erneut Marcel Meyer für Youssef Sbou auf, der nach einem vermeintlichen Foulspiel an Liam Schardt viel Platz hatte und alleine vor dem Tor stand. Der Rest war für Sbou Formsache und er machte mit seinem dritten Treffer das 4:0 (65.). Danach war Feierband für den Dreifach-Torschützen. Er wurde durch Nicklas Frers ersetzt. Doch einen Oststeinbeker Treffer konnten die zahlreichen Zuschauer bei bester Atmosphäre am Meessen noch begutachten. Nach einer schönen Kombination über Kochsiek und Meyer, der damit seine dritte Torvorlage verbuchte, landete der Ball beim eingewechselten Danny-Patrick Qasem, der auf 5:0 erhöhte (71.). Elf Minuten vor Schluss leistete sich OSV-Torwart Joost einen Ballverlust auf der rechten Seite an Frank Lüdemann, der das Spielgerät zum 5:1-Endstand ins leere Tor bugsierte (79.). Ein kleiner Schönheitsfehler der Oststeinbeker, der aber die Freude über den deutlichen Kantersieg nicht schmälerte.

„Das erinnert mich manchmal schon an Bobic, Balakov und Elber.“

Vertrat Simon Gottschling an der Seitenlinie: Der Oststeinbeker Co-Trainer Alexander Kaya. Foto: Herzog

„Nach einer schwierigen Anfangsphase war der Treffer zum 1:0 der Türöffner. Danach hatten wir das Spiel im Griff. Im Großen und Ganzen ist es ein verdienter Sieg und wir sind zufrieden“, resümierte Alexander Kaya, der die Mentalität seiner Schützlinge lobte. „Wir haben nie unter 18 Mann beim Training. Im Schnitt sind immer 22 Spieler da. Die Jungs arbeiten gut. Alle wollen spielen und geben Gas“, betonte der „Co“. Angesprochen auf die Offensivqualitäten hatte Kaya einen Vergleich parat. „Was Youssef Sbou, Marcel Meyer und Adrian Voigt auf dem Kasten haben und da vorne fabrizieren, erinnert mich manchmal schon an das magische Dreieck von früher mit Bobic, Balakov und Elber“, schmunzelte Kaya.

Zu Schmunzeln hatte sein Gegenüber nicht viel. „Läuft natürlich blöd, dass wir das 0:1 kriegen, wo einer verletzt draußen ist. In der Phase waren wir sehr unkonzentriert und kriegen auch schnell das 0:2. In der zweiten Halbzeit haben wir es einfach nicht mehr gut gemacht“, analysierte Dennis Tesch. Besonders der Auftritt seiner Jungs in der zweiten Halbzeit ärgerte den Coach. „Wir hatten uns für den zweiten Durchgang eine ganze Menge vorgenommen, haben aber nichts davon gezeigt. Wir waren viel zu harmlos, zu zahm und zu naiv in einigen Phasen. Wir haben sie zu wenig gefordert und waren nicht energisch genug“, haderte der Übungsleiter.

OSV: Joost; Grünberg, Herber, Köksal, Youness Sbou (69. Gimeno); Voigt (63. Qasem), Fehlandt, M. Sbou, Youssef Sbou (66. Frers); Kochsiek, Meyer
SVB: Sund; Schardt (87. Bolz), Brinkmann, Bitterkleit, Lüdemann; Wolter, Kleinert, Heller (68. Alsoufi); Steffens (57. Stenner), Tamm; Hamester

Eine Bildergalerie von Maurice Herzog: