Motivator Rogowski peitscht seine „jungen Hunde“ zum Auswärtssieg

Während die Wentorfer den Treffer zur 1:0-Führung bejubeln, blicken die Barsbütteler entsetzt daher. Foto: Herzog

Barsbütteler SV – SC Wentorf 1:4 (0:0)
Bezirksliga Ost, 8. Spieltag (Fr., 14.09.18, 20.00 Uhr)

Er lief die Seitenlinie rauf und runter, er brüllte seinen Schützlingen ins Gesicht, er sprang mit ihnen nach gewonnenen Zweikämpfen Brust an Brust und er klatschte mit jedem einzelnen Spieler und Anhänger nach den erzielten Toren ab. Slavec Rogowski gab wirklich alles, was in seiner Macht stand, um seinen SC Wentorf in der Bezirksliga-Partie beim Barsbütteler SV auf die Siegerstraße zu bringen. Der Coach war 90 Minuten lang an der Seitenlinie aktiv. So bezeichnete der Linienrichter Rogowski als „Jürgen Klopp der Bezirksliga“. Und Rogowskis lautstarkes und gestenreiches Coaching machte sich bezahlt. Seine Wentorfer gewannen beim BSV mit 4:1.

In einer ereignisarmen ersten Halbzeit, in der die Hausherren mehr Ballbesitz hatten, daraus aber kein Kapital schlagen konnten, wurde wenig Fußball gespielt. Die Wentorfer standen tief in der eigenen Hälfte und lauerten auf Ballverluste des BSV. Doch diese Taktik ist beim SCW kein Zufall. „Wir haben kein fußballerisches Problem, weil wir kein Fußball spielen. Wir versuchen gut zu stehen und im richtigen Moment umzuschalten. Das kannst du eigentlich auch nur so machen mit solchen jungen Hunden“, erklärte Rogowski mit einem Grinsen im Gesicht. Im zweiten Abschnitt zeigten die Gäste dann doch, dass sie mit dem Ball umgehen können. Angetrieben von ihrem Coach suchten die Wentorfer nach Ballgewinnen den Weg nach vorne. Nach einem Pass von David Bergmann auf Yannick Drews, der in der 41. Minute für den verletzten Marius Suck (Gehirnerschütterung) in die Partie kam, lief Drews alleine auf das Barsbütteler Tor zu und legte das Spielgerät quer auf Bergmann, der den Ball zur 1:0-Führung über die Linie drückte (51.). 120 Sekunden später hätte Juri Braun beinahe mit einem Traumtor das 2:0 erzielt. Doch der Distanzschuss des Außenverteidigers klatschte an den linken Außenpfosten (53.).

Wentorfs Marc Mauersberger (vorne) erzielte zwei Treffer. Foto: Herzog

Mauersberger erhöht auf 2:0 und bekommt einen Schubser als Belohnung

Nun spielten sich die Gäste in einen Rausch. Von den Hausherren war nichts mehr zu sehen. Der beste Mann auf dem Platz, Wentorfs Marc Mauersberger, fasste sich ein Herz und bugsierte den Ball mit einem strammen Flachschuss ins rechte untere Eck. 2:0 für den SCW! Zur „Belohnung“ gab es einen Schubser von Coach Rogowski, der zum gemeinsamen Jubel auf den Platz gestürmt war (65.). Während die Wentorfer ansehnlich kombinierten und eiskalt vor dem Tor waren, machte sich bei den Barsbüttelern der Frust bemerkbar. Trainer Zoran Nestorovic, der zusammen mit Murat Gülec das Trainer-Duo beim BSV bildet, meckerte seinen offensiven Mittelfeldspieler Mücahid Kirdi lautstark an. „Mach dir mal Gedanken über deine Leistung. Du laberst die ganze Zeit nur rum“, ließ der Coach seinem Frust freien Lauf.

Dieser sollte sich in Folge noch steigern. Vier Minuten nach Nestorovic‘ Ausraster machte Wentorfs David Bergmann nach Vorlage vom aufgerückten Linksverteidiger Tobias Lohdamm mit seinem zweiten Treffer das 3:0 für den SCW (71.). Die deutliche Führung bekam sechs Minuten vor dem Ende noch einen kleinen Schönheitsfehler. Barsbüttels Stürmer Veli Tekin zog aus der Distanz einfach mal ab. Das Spielgerät wurde zwar noch leicht abgefälscht, aber SCW-Torwart Niklas Runge konnte den haltbaren Schuss nicht festhalten und ließ ihn durch die Hände ins Tor kullern. So konnte der BSV doch noch einmal für einen kurzen Moment etwas Spannung reinbringen (84.). Doch mehr als ein Treffer war für die Barsbütteler nicht drin. Ganz im Gegenteil. Mit dem Schlusspfiff kassierten sie sogar noch das 1:4. Nachdem Barsbüttels Trainersohn Pascal Nestorovic in der eigenen Hälfte ins Dribbling gehen wollte, blieb er an Marc Mauersberger hängen, der alleine aufs Tor zulief und zum 4:1-Endstand traf (90.+2).

„In dieser Saison gibt es nur eine Arschkarte und wir wollen diese definitiv nicht haben.“

Ausnahmsweise mal nicht in Action: Slavec Rogowski für einen Moment mal ruhig an der Seitenlinie. Foto: Herzog

„Aufgrund der zweiten Halbzeit haben wir verdient gewonnen. In der Kabine haben wir uns vorgenommen, dass wir griffiger sein werden, den Gegner zermürben und zur richtigen Zeit nach vorne spielen“, erklärte SCW-Übungsleiter Rogowski mit einer heiseren Stimme. „Das 1:0 spielt uns natürlich in die Karten und, dass wir dann relativ schnell zwei weitere Treffer erzielen, beendet quasi die Partie. Zum Schluss wurde es kurz noch einmal etwas figgerig, als wir das 1:3 gekriegt haben. Dann entsteht noch einmal kurz eine komische Situation. Mit dem Schlusspfiff machen wir dann aber zum Glück den Deckel drauf und freuen uns nun über die Punkte“, zeigte sich Rogowski, der mit der Ausbeute nach sieben Spielen zufrieden ist, erleichtert. „Wir haben jetzt zehn Punkte nach sieben Spielen. Das ist die größte Ausbeute, die wir hier nach sieben Spieltagen je hatten. Es gibt diese Saison nur eine Arschkarte und wir wollen die definitiv nicht haben“, betonte der Coach.

Währen die Freude auf der einen Seite riesengroß war, überwog bei den Barsbüttelern der Frust. Zoran Nestorovic wählte im anschließenden Mannschaftskreis mehrmals die Worte „Katastrophe“ und „Frechheit“. Anschließend wollte die eine Hälfte des Trainergespanns sich nicht zum Spiel äußern. Diesen Part übernahm sein Partner Murat Gülec, der sich im Gegensatz zu Nestorovic noch sachlich zeigte. „Wir sind eine absolute Wundertüte. Eine Woche Top, eine Woche Flop. Mit der Leistung können wir nicht zufrieden sein. In der ersten Halbzeit sind wir überlegen, im zweiten Durchgang lassen wir uns aber wie eine Mädchenmannschaft auskontern. Das geht gar nicht“, bemängelte Gülec. „Wenn du die Fehler machst, bekommst du hinten die Tore. Und wenn man nur 80 oder 90 Prozent abruft und nicht an die Grenzen geht, gewinnt man in dieser Staffel kein Spiel“, betonte der Coach. Keine wirklich gute Grundlage für eine ausgelassene Partystimmung also. Denn nach der Partie zog es die BSV-Akteure auf einen Mannschaftsabend ins H1, wo eine gemietete Lounge auf die Kicker wartete.

BSV: Grünert; Akca, P. Nestorovic, Davidoff (19. Kama), Grosche-Müller (60. Wietzke); Tschichholz (71. Krienke), Schröder; Sütcü, Kirdi, Uzun; Tekin
SCW: Runge; Braun, Ziems, Floredo, Lohdamm; Suck (41. Drews), Dreeßen (60. Dehn), Fröck, Ebel; Bergmann (81. Stegen), Mauersberger