Ohes Trainer Rainer Seibert im Interview: „Luxusprobleme“ am Amselstieg

Für Rainer Seibert und seinen FC Voran Ohe läuft es in der Landesliga derzeit optimal. Foto: Herzog

Am Freitag erspielte sich der Landesligist FC Voran Ohe gegen Inter 2000 einen starken 5:1-Sieg. Nach dem 4:0 in Rahlstedt am vergangenen Wochenende und dem 2:1-Auswärtserfolg war es für das Team vom Amselstieg der dritte Sieg aus sechs Partien (zudem zwei Unentschieden und eine Pleite). Viele Experten hatten den Ohern aufgrund der zahlreichen Abgänge von Leistungsträgern wie Torwart Leo Hebbeler, Youngster Johann von Knebel, Adrian Voigt, René Seibert sowie Kim Liebermann und Kevin Dülsen eine schwierige Spielzeit prophezeit.

Doch die Offiziellen um den neuen Ligamanager Daniel Schmitt haben in Sachen Neuzugänge hervorragende Arbeit geleistet, wie sich in den vergangenen Partien zeigte. Es konnten unter anderem Munib SaqibVasileios Raptis (beide FC Bergedorf 85), Yannik Andersson (SC Condor), Martin Schröder (Niendorfer TSV) sowie kurz vor Ende der Transferperiode auch noch Bergedorfs Tarec Blohm und Ilja Gassmann aus Göttingen verpflichtet werden. Auf Trainer Rainer Seibert wartet in der nächsten Zeit eine Art „Luxusproblem“, das der 54-Jährige allerdings sehr gerne in Kauf nimmt. Ein erstes kleines Resümee zum Saisonstart sowie zur personellen Lage gibt’s im Interview im Anschluss an das 5:1 gegen Inter 2000:

BOLZJUNGS: Glückwunsch zum Sieg, Herr Seibert. Was sagen Sie zur Leistung ihrer Mannschaft?
Rainer Seibert: Wir wussten, dass Inter 2000 viel über den Mittelstürmer gehen wird und dass sie einen starken Außenspieler haben. Wir haben versucht, diese Akteure zu verteidigen. Was mich sehr freut ist, dass wir die Räume schön eng gemacht haben. Die beiden Sechser Marco Pflug und Munib Saqib, der immer stärker wird, haben das richtig gut gemacht. Wir haben gut gearbeitet und die Zweikämpfe gewonnen. Ab und zu hat mir die rechte Seite noch nicht so gefallen. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau. Was wir erneut gut gemacht haben ist, dass wir uns die Chancen erarbeitet haben und von Außen in die Box gekommen sind. Das ist das absolut Positive.
BOLZJUNGS: Und nun fallen auch die Tore?!
Seibert: Ja, das stimmt. Neun Tore in zwei Spielen. Zudem ist Marco Braesen wieder in einer super Form. Man darf nicht vergessen, dass er sich nach einer schweren Verletzung zurückgekämpft hat.
BOLZJUNGS: Heute gegen Inter fehlten noch einige Akteure. Trotzdem hat es so gut geklappt.
Seibert: Bald müssen wir einen Antrag stellen, mit 15 Spieler zu spielen. (lacht) Wer da noch alles fehlt, das ist schon noch einmal eine enorme Qualität.
BOLZJUNGS: Und nun habt ihr mit Tarec Blohm und Ilja Gassmann nochmal zwei Spieler verpflichtet.
Seibert: Wir haben uns nicht in der Quantität, sondern in der Qualität verstärkt. Wenn man beispielsweise so einen Mann wie Tarec Blohm bekommen kann, schlägt man da natürlich zu. Der hat seine Sache im Spiel gegen Inter auch schon sehr gut gemacht. Im Training hatte Tarec ebenfalls gute Ansätze gezeigt.
BOLZJUNGS: Voran Ohe war schon immer für einen großen Kader bekannt. Werden dir in den nächsten Wochen dann alle Spieler, also auch Urlauber und Verletzte, zur Verfügung stehen?
Seibert: Martin Schröder wird nach seinem Urlaub nächste Woche wieder einsteigen. Auch mein Kapitän Daniel Walek ist noch im Urlaub. Sebastian Kaufmann und Oskar Sulinski kommen jetzt zurück. Und dann habe ich alle Mann an Bord. Ich muss die Stimmung hochhalten, das wird meine Aufgabe sein. Es ist klar, dass wir in den nächsten Spielen ein Luxusproblem haben werden.

Seibert: „Es ist klar, dass wir in den nächsten Spielen ein Luxusproblem haben werden.“

BOLZJUNGS: Und das, obwohl ihr diverse Abgänge zu verzeichnen hattet (s. oben). Nach diesen hat ja keiner von Euch so wirklich etwas erwartet.
Seibert: Wir haben nichts zu verlieren. Ich glaube, dass wir nicht schlechter geworden sind, qualitativ sind wir vielleicht noch stärker als vergangene Saison. Spieler wie Raptis werden immer besser. Alle Neuzugänge, die da sind, sind bombig eingeschlagen, womit nicht zu rechnen war. Es passt schon alles. Ich muss den Ball jetzt aber trotzdem flach halten.
BOLZJUNGS: Auch auf der Torhüterposition hast du ein Luxusproblem: Wird Michel Thomä dein Stammkeeper bleiben?
Seibert: Ich hatte den beiden Keepern vor der Saison angeboten, sich abzuwechseln. Das wollten beide nicht. Und so musste ich dann eine Entscheidung fällen, tat dies zusammen mit meinem Torwarttrainer. Das war nur eine Nasenspitze Unterschied. Ich persönlich kann nicht damit leben, dass einer von Beiden 30 Spiele macht. Ich würde am Liebsten haben, dass sie sich abwechseln. Aber wie gesagt, das wollen sie nicht. Sie unterstützen sich gegenseitig. Dies beschreibt die ganze Situation in Ohe bestens.
BOLZJUNGS: Wie erklärst du es dir, dass egal welcher Neuzugang spielt, es immer passt?
Seibert: Es ist diese Mentalität in Ohe. Hier zählen zuerst die Menschlichkeit und der Charakter. Hier wird zwar gefeiert, aber auch hart gearbeitet. Zu Beginn hatte zum Beispiel Nico Sandig ganz schlechte Karten, da er auf der Mannschaftsfeier mein Bier ausgetrunken hat. (lacht) Der gefällt mir, ist mittlerweile einer meiner wichtigsten Spieler. Denn auch wenn er auf der Bank sitzt, hilft er ungemein.
BOLZJUNGS: Wohin geht die Reise in Ohe in dieser Spielzeit?
Seibert: Wir wollen besser arbeiten, als in den letzten Jahren. Es wird durch Menschen wie Daniel Schmitt oder auch Hanno Stengel immer professioneller. Solche heftigen Umbrüche sollen nicht mehr passieren, wir wollen die Spieler langfristig binden. Es kann in der Tabelle schnell nach oben und nach unten gehen.
BOLZJUNGS: Da bist du ja wie gewohnt wieder sehr zurückhaltend – und das nach solch einer Leistung.
Seibert: Ich kann aktuell nur den Saisonstart bewerten. Der ist natürlich viel besser als der vergangene. Wenn es so weitergeht wie heute, dann ist auch der Klassenerhalt problemlos möglich. Vielleicht ist ja sogar ein einstelliger Tabellenplatz möglich. (lacht)
BOLZJUNGS: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Seibert.

Ein Galerie-Ausschnitt der Abgänge des FC Voran Ohe von Maurice Herzog: