Oststeinbeker SV: Mit Liegestützen in Runde vier des ODDSET-Pokals

Jubelt er auch gegen den SV Altengamme mit seinen bekannten Liegestützen? OSV-Offensivspieler Youssef Sbou. Foto: Herzog

ASV Hamburg – Oststeinbeker SV 0:4 (0:1)
ODDSET-Pokal, 3. Runde (Di., 28.08.18, 19.30 Uhr)

Einen Tag vor dem Spiel sagte der Keeper des ASV Hamburg, Shahin Ahmadi, zu seinem guten Freund, Youssef Sbou, dass er momentan nicht so fit sei und kein Tor gegen ihn erzielen würde. „Das war die Antwort darauf“, erzählte der erwähnte Youssef Sbou nach dem deutlichen 4:0-Erfolg seines Oststeinbeker SV gegen den Staffelkonkurrenten aus der Bezirksliga Ost im Duell der vierten Runde des ODDSET-Pokals. Welche Antwort Sbou damit meinte, war sein Treffer zum 1:0 des OSV gegen den ASV in Minute 23. Nach einer Flanke von dem starken Maximilian Grünberg wollte ASV-Innenverteidiger Viktor Streib den Ball mit der Brust annehmen, legte ihn aber unabsichtlich Sbou in den Lauf, der das Spielgerät nur noch ins Tor bugsieren musste. Das feierte Sbou mit einem Liegestütz-Jubel, um dem befreundeten Keeper zu beweisen, wie fit er wirklich ist.

Die Rudelbildung nachdem Oststeinbeks Youness Sbou (Nr. 21) zu Boden gegangen ist. Foto: Herzog

Im weiteren Verlauf ereignete sich ein einseitiges Spiel zugunsten der Gäste. Neben den sportlichen Ereignissen muss an dieser Stelle auch die zunehmend hitzige Atmosphäre, die nach Spielende ihren bitteren Höhepunkt fand, erwähnt werden. Fünf Minuten nach der Oststeinbeker Führung wollte der OSV einen ganz normalen Freistoß ausführen. Doch bevor der erwartete Ball in den Strafraum kam, gerieten Serhat Cayir (ASV Hamburg) und Youness Sbou (Oststeinbeker SV) aneinander. Es folgte eine zweiminütige Rudelbildung. Dieser Vorfall, den Schiedsrichter Tino Hartwig (FC Preußen Hamburg) mit der Gelben Karte für Cayir bewertete, bildete den Startschuss für eine Partie, die fortan mit vielen Diskussionen, Fouls und Reibereien gespickt war.

Herbers starke Einzelaktion öffnet dem OSV die Tür zu Runde vier

Die etwa 250 Zuschauer an der Snitgerreihe bekamen kein hochklassiges Fußballspiel zu sehen. Das lag zum Einen an den vielen Unterbrechungen, aber auch an dem Auftritt der Gastgeber. Der ansonsten so spielstarke ASV Hamburg kam in den gesamten 90 Minuten lediglich zu drei Halbchancen. Von der Spielstärke des Tabellenführers der Bezirksliga Ost war nichts zu sehen. Das nutzten die Gäste eiskalt aus. In Halbzeit zwei erhöhte der dominierende und überzeugende OSV durch eine starke Einzelaktion von Deniz Herber auf 2:0 (56.). In der Folge drückten die Oststeinbeker weiter auf das Gaspedal und gaben den Hausherren kaum Luft zum atmen. Nach einem starken Pass von Patryk Marg, der kurz vor Schluss verletzungsbedingt den Platz verlassen und mit Tränen in den Augen vom Krankenwagen vom Platz transportiert werden musste (An dieser Stelle: Gute Besserung vom BOLZJUNGS-Team!), schloss Adrian Voigt mit einem präzisen Schuss zum 3:0 ab (70.). Diesen Treffer feierten die OSV-Spieler mit den anwesenden Oststeinbeker Fans.

Die OSV-Spieler feiern den dritten Treffer ausgelassen mit ihren Fans. Foto: Herzog

Den sportlichen Schlusspunkt setzte Rückkehrer Maximilian Kochsiek. Vier Minuten vor Abpfiff verwertete der Stürmer einen Nachschuss zum 4:0. Vorausgegangen war ein kluger Pass von Marcel Meyer auf den eingewechselten Nicklas Frers, der im ersten Versuch noch an ASV-Keeper Shahin Ahmadi scheiterte. Zuvor kam es zu einer Kuriosität: Kurz bevor Emmanuel Gyasi auf Seiten des ASV Hamburg eingewechselt werden sollte (74.), nahm Gyasi aus Sicht des Unparteiischen den Ball innerhalb des Spielfeldes an. Dafür sah die Nummer 13 des ASV die Gelbe Karte (73.) – obwohl er noch nicht auf dem Platz war. Fünf Minuten später, nachdem Gyasi dann eingewechselt wurde, bekam er für sein erstes Foulspiel ebenfalls die Gelbe Karte. Da er aber bereits verwarnt war, sah Gyasi innerhalb von fünf Minuten die Gelb-Rote Karte (79.). Sinnbildlich für den Auftritt des ASV.

Nach dem Abpfiff schienen beide Teams friedlich auseinander gegangen zu sein. Der ASV verließ sofort nach Abpfiff den Platz in Richtung Kabinen. Der OSV weilte noch eine Weile auf dem Kunstrasen. Einer kurzen Besprechung mit Trainer Simon Gottschling folgte eine ausgelassene Feier mit den Fans. Doch nachdem bereits der Großteil der Fans die Sportanlage verlassen hatte und die Spieler bereits geduscht und umgezogen waren, kam es unmittelbar vor der Sportanlage auf dem Parkplatz zu lautstarken Wortgefechten und Tumulten von Spielern und einigen Anhängern. Die Polizei war als reine Vorsichtsmaßnahme bereits alarmiert worden und mit einigen Streifenwagen vor Ort, verließ aber schon vor den Wortgefechten die Anlage – da sich die Gemüter eigentlich wieder beruhigt hatten. Sportlich gesehen war es für den ASV ein bitterer Abend. So hatte es sich Coach Mohet Wadhwa, der zu Oststeinbeker Oberliga-Zeiten als Co-Trainer unter Stefan Kohfahl am Messen aktiv war, nicht vorgestellt. Doch der OSV hat sich abseits des Feldes mal wieder (nachdem bereits die erste Pokalrunde gegen den Meiendorfer SV nicht ohne Folgen blieb) nicht von seiner besten Seite gezeigt.

Mohet Wadhwa: „Der OSV sollte sich schämen, so eine Truppe zu haben.“

Stimmen der Trainer zum Spiel:
Mohet Wadhwa (Trainer ASV Hamburg) zur Deutlichkeit des Ergebnisses: „Ich fand Oststeinbek jetzt nicht deutlich besser, sie waren einfach nur cleverer. Sie haben genau das gemacht, wovor ich meine Mannschaft gewarnt habe: Provozieren, theatralisch sein und den Spielfluss kaputt machen. Oststeinbek hat das in der ersten Halbzeit gut gemacht. Sie haben uns nicht spielen lassen, sind uns früh angelaufen und das hat uns natürlich überhaupt nicht geschmeckt. Oststeinbek hat das fußballerisch gut gemacht und ist verdient weiter gekommen. Wir haben uns den Schneid abkaufen lassen. Ich bin froh, dass es nur ein Pokalspiel war. In den Punktspielen müssen wir uns anders präsentieren und das werden wir auch.“

Mohet Wadhwa (Trainer ASV Hamburg) zum Duell mit seinem ehemaligen Verein: „Ich selber bin mit zu vielen Emotionen an die Sache herangegangen. Der Oststeinbeker SV, mein Ex-Verein. Ich habe zu viel Wind um dieses Spiel gemacht. Auch im Trainingsbetrieb. Das was Oststeinbek heute gemacht hat, wollte ich eigentlich haben: viel Tempo und aggressiv sein. Das haben wir nicht umgemünzt bekommen. Ich hätte auch einen Plan B haben müssen. Doch dieser Plan B ist nicht aufgegangen. Wenn der Plan B nicht aufgeht, haben wir in der zweiten Halbzeit aufgemacht.“

Mohet Wadhwa (Trainer ASV Hamburg) zu den Provokationen und Vorfällen rund um die Partie: „Die Provokationen gingen alle von Oststeinbek aus. Egal ob es im oder nach dem Spiel war. Mein Spieler Serhat Cayir wurde bespuckt. Egal wer spuckt, zu spucken ist das billigste, was es für mich gibt. Du kannst jeden beleidigen aber zu spucken, das ist die Thematik. Warum beschwert sich denn jeder über Oststeinbek? Ich bin selber Ur-Oststeinbeker und habe alles selber miterlebt. Doch so habe ich Oststeinbek nie erlebt. Der OSV sollte sich schämen, so eine Truppe zu haben. Fußballerisch haben sie so eine geile Mannschaft, doch sich jedes Mal abzusetzen, ist absolut peinlich. Obwohl sie eine geile Fangemeinschaft haben, eine geile Anlage, eine super Mannschaft und einen guten Trainer, doch sowas asoziales. Das ist echt schade und tut mir leid. Und wenn es deren Devise ist, so ein Fußballspiel gewinnen zu wollen, dann kommen sie damit nicht weit. 90 Minuten lang war ich ruhig und habe alles über mich ergehen lassen, doch irgendwann ist der Punkt erreicht und der ist gerade gekommen, als ich das hier eben gesehen habe, nachdem wir erneut und immer wieder provoziert wurden. So wird das in Oststeinbek keinen Erfolg haben. Jetzt weiß ich auch, was die anderen Trainer über Oststeinbek meinten. Ich habe mich im Vorfeld über den OSV informiert. Doch so wie sie hier aufgetreten sind, hätte ich das niemals erwartet. Mich persönlich macht das traurig. In der Oberliga-Zeit stand Oststeinbek für einen geilen Fußball. Sportlich haben sie richtig geile Kicker, doch was sie sich hier geleistet haben, ist echt peinlich.“

Simon Gottschling: „Uns muss in Hamburg erst einmal jemand schlagen.“

Simon Gottschling (Trainer Oststeinbeker SV) zum Spiel gegen den ASV Hamburg: „Vor dem Spiel war mir bewusst, wenn alles passt und die Spieler abrufen, was wir uns vorgenommen haben, dass wir einen klaren Sieg landen werden. So dominant hätte ich das nicht erwartet. In der ersten Halbzeit waren es für mich 90 Prozent Ballbesitz, zweite Halbzeit 70 bis 75 Prozent. In allen Belangen war es von den Jungs eine Meisterleistung. Das war herausragend und hat gezeigt, dass wir gegen Truppen, wo es Mann gegen Mann geht, da sind. Uns muss in Hamburg erst einmal jemand schlagen. Ganz einfach. Das war einfach überragend und ich bin sehr glücklich.“

Simon Gottschling (Trainer Oststeinbeker SV) zur Verletzung von Patryk Marg: „Ein Opfer mussten wir mit Patryk Marg bringen. Das ist natürlich ganz, ganz bitter und das auch so kurz vor Schluss. Dass er sich so opfert und da so in den Zweikampf reingeht, da sieht man, wie die Truppe gestrickt ist. Wir müssen sehen, dass es nicht so brutal ist. Das sieht aber leider nicht so gut aus. Ich denke, dass es was mit dem Innenband oder Meniskus ist.“

Simon Gottschling (Trainer Oststeinbeker SV) zu den Provokationen und Vorfällen rund um die Partie:  „Die Geschichte ist meiner Meinung nach die ganze Zeit vom ASV Hamburg ausgegangen und auch von draußen wurde viel Politik gemacht. Der Schiedsrichter hätte früher ein Zeichen setzen müssen. Hat er aber nicht gemacht und somit viel laufen lassen. Letztendlich kann ich nicht sagen, dass von unserer Seite irgendwas gewesen ist. Wir wurden zwei, drei Mal angespuckt.“

Simon Gottschling (Trainer Oststeinbeker SV) über seinen Wunschgegner für die vierte Runde: „Das ist mir egal. Ich habe zu den Jungs gesagt, dass es wichtig ist, diese Runde nochmal zu bestätigen und zu zeigen, dass Meiendorf keine Eintagsfliege war – auch wenn wir sie zweimal geschlagen haben.“

ASV: Ahmadi; Appiah, Streib, Atai, Iddrisu; Cayir (74. Gyasi), Fernandes Arguelho, Szymborski (57. Akyildiz), Al Radi; Farahi, Aschenbrenner (83. Zargaran)
OSV: Joost; Grünberg, Marg, Köksal, Youness Sbou; Fehlandt, Morad Sbou; Voigt (81. Frers), Herber (77. Kochsiek); Youssef Sbou (84. Qasem); Ma. Meyer

Eine Bildergalerie zur Partie von Maurice Herzog: