SC Wentorf II: Kötter beendet Traineramt, Weng nun alleiniger Chefcoach – vier Akteure gehen

Andreas Weng (l.) zusammen mit Martin Kötter, der aus zeitlichen Gründen sein Traineramt beim SC Wentorf II niederlegt. Foto: privat

Im Sommer ging es für die Zweitvertretung des SC Wentorf aus der Kreisliga 4 zurück in die „heimische“ Staffel 3. Derbys gegen den SV Börnsen II, den TuS Aumühle-Wohltorf oder die TSV Reinbek statt Duelle mit Altenwerder, Veddel United oder den SV Wilhelmsburg. Dem gleichberechtigten Trainer-Duo Martin Kötter und Andreas Weng, das die „Zweite“ im vergangenen Jahr in der Staffel 4 auf den siebten Rang geführt hatte, war im Zuge des Ligawechsels klar: „Die 3“ ist eine Herausforderung, die sie beim SCW aber gerne annehmen. Und der Start in die laufende Spielzeit konnte sich sehen lassen. Auf das 1:1 gegen den Titelkandidaten FSV Geesthacht folgten der Dreier beim starken BFSV Atlantik 97 und der 2:1-Derbysieg gegen Börnsen II. Erst am siebten Spieltag mussten die Wentorfer mit dem 1:4 bei Billstedt-Horn die erste Pleite hinnehmen. In der Folge ging es bei Wentorfs 2. Herren ergebnistechnisch bergab – bis zum letzten Duell vor der Winterpause auf dem heimischen Kunstrasenplatz gegen den TSV Glinde II, wo sich das Team nach zuvor neun Spielen in Folge ohne Dreier einen 4:0-Kantersieg erspielte – es war das letzte Duell unter der offiziellen Leitung des Duos Kötter/Weng. Denn die eine Hälfte des Trainergespanns, Martin Kötter, beendet sein Engagement an der Seitenlinie zur Winterpause auf eigenen Wunsch.

Weng übernimmt alleinige Verantwortung: „Es ändert sich nicht viel für mich.“

Der Grund: Kötter möchte wieder mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. „Ich hätte am liebsten mit Andy (Andreas Weng, d. Red.) in Wentorf weiter gemacht, möchte allerdings meiner Frau mit den zwei Kindern den Rücken stärken und da hat die Familie Vorrang“, erklärt Kötter auf BOLZJUNGS-Nachfrage, der seinen Partner vor geraumer Zeit darüber informierte. „Vor zwei Monaten hat Martin mich zu sich nach Hause eingeladen und mir seine Entscheidung mitgeteilt“, berichtet Weng gegenüber BOLZJUNGS, der den Schritt seines Trainerkollegen nachvollziehen kann: „Seine familiäre Entscheidung versteht jeder Mensch. Es ist eine logische Konsequenz, dass er nicht mehr so viel Zeit investieren konnte.“ Kötter werde, so Weng, allerdings auch weiterhin ab und zu an der Seitenlinie bei Wentorfer Partien zu sehen sein. „Er ist jetzt nicht ganz von der Bildfläche verschwunden.“

Der neue alleinige „Chef“ Weng ist derweil ein absoluter „Wentorfer Jung“, wie er sich selbst beschreibt, wuchs dort auf, durchlief als Aktiver viele Jahre die Jugendabteilung der Gelb-Schwarzen. Bis 2010 kickte Weng für seinen Jugendklub, machte dann einen kurzen Ausflug ins Nachbardorf zum SV Börnsen, gefolgt von einem Jahr Pause – ehe es ihn zurück zum Heimat- und Herzensklub zog. Vor eineinhalb Jahren stieg Weng dann vom Spieler zum Spielertrainer, kurz darauf zum festen Coach auf. „Wir Beide (Kötter und Weng, d. Red.) waren vom ersten Tag an gleichgestellt. Ich hatte in der Vergangenheit bereits das Training sehr intensiv gestaltet – natürlich immer mit Martin im Austausch. Keiner hatte das alleinige letzte Wort. Daher ändert sich jetzt für mich nicht viel“, erklärt der 32-Jährige, der überhaupt nur aufgrund seines ehemaligen Partners Kötters beim SC Wentorf aktiv ist. Weng: „Martin hatte mich damals kontaktiert und wir hatten früher zusammen bei Wentorf gekickt. Ich weilte allerdings zu der Zeit aus beruflichen Gründen in Kanada, kam eigentlich nur kurz hierher zurück, bin dann aber beruflich bedingt doch länger geblieben. Dann ergab es sich nach einiger Zeit, dass ich als gleichberechtigter Trainer einsteige. Als Co-Trainer hätte ich das nie gemacht.“

Nun hat Weng also die alleinige Machtposition inne. Doch viel ändern möchte er nicht. „Den eingeschlagenen Weg von uns sehen wir als den Richtigen an. Wir haben 30 Mann auf dem Zettel, eine A-Jugend, die im Sommer dazu kommt und von der bereits einige bei uns mittrainieren. Diesen Weg des Vereins nach dem Motto ‚Jugend forscht‘ wollen auch wir mit- und weitergehen. Als Gesamtverein wollen wir noch enger zusammenrücken, als es bereits der Fall ist“, gibt Weng einen Einblick in die Zukunftspläne. Doch erst einmal muss der Klassenerhalt fix gemacht werden. Sechs Punkte trennen die Wentorfer von den Abstiegsrängen – für Weng, der laut eigenen Angaben jeden kommenden Gegner mindestens zweimal begutachtet, kein Grund zur Sorge: „In der Kreisliga 3 werden defensive Fehler einfach mehr bestraft. Wir haben das Pech, dass diverse Leistungsträger wie Kapitän Mathias Heinrich, Marco Theetz, Gunnar Jeglin oder auch Torben Jeglin oft verletzungsbedingt nicht zur Verfügung standen. Wir hatten so ein bisschen zu knabbern an der Saison bisher. Der Blick geht allerdings eher nach oben als nach unten, da viele der verletzten Stammspieler zurückkommen. Unser Ziel ist weiterhin der einstellige Tabellenplatz. Wir wissen um das Risiko nach unten, wollen uns damit aber nicht beschäftigen. Wir sind davon überzeugt, dass wir von der Qualität her besser sind, als es unsere Position momentan zeigt.“

Vier Akteure verlassen den SCW II – Suche nach Co-Trainer in den letzten Zügen

Auch Keeper Nino Liedtke verlässt den Kreisligisten SC Wentorf II. Foto: Herzog

Neben Trainer Kötter verlassen auch die Spieler Torwart Nino Liedtke (private Gründe), Peter Wiegand (VfL Grünhof-Tesperhude, Kreisklasse B), Jan Kiesow und Hendrik Hopstock (beide SV Börnsen II, Kreisliga 3) Wentorfs Zweite. „Sie waren Leistungsträger bei uns. Fakt ist aber auch, dass wir sie adäquat ersetzen werden“, prophezeit Weng, der sich bei der Suche nach einem „Co“ laut eigenen Angaben in vielversprechenden Gesprächen befindet: „Es gibt zwei Kandidaten für den Posten. Eine finale Entscheidung wird Anfang Januar gefällt.“

Derweil wird sich Kötter, der auch schon für Wentorfs Zweite unter anderem gegen Düneberg II, Atlantik 97 oder Willinghusen aufgelaufen war, wieder mehr seiner Karriere als rein aktiver Spieler widmen. Ihn zieht es zum VfL Lohbrügge III (Kreisklasse 1), wo sein Freund Marcel Graudegus das Traineramt bekleidet. „Ich habe die Chance, mich fitzuhalten, da es direkt bei mir vor der Haustür und die Trainingszeit entsprechend später ist. Wenn ich on top dann auch mal spielen kann, ist das natürlich geil. Aber insgesamt habe ich dann nicht mehr den Druck, den ich als Cheftrainer verspüre, falls wegen der Kinder mal eine Einheit für mich ausfällt“, erklärt die scheidende Wentorfer Trainerhälfte Kötter abschließend.