Sechs Tore und drei Platzverweise: Derby satt zwischen dem VfL Lohbrügge und dem FC Bergedorf 85

Bergedorfs Doppeltorschütze Arnold Lechler (li.) im Duell mit Lohbrügges Anto Zivkovic (re.). Foto: Herzog

VfL Lohbrügge – FC Bergedorf 85 3:3 (0:2)
Landesliga Hansa, 23. Spieltag (Sa., 24.03.18, 14.00 Uhr)

„Dass es zur Halbzeit aus unserer Sicht nur 0:2 steht, ist für uns mehr als glücklich gewesen. Normalerweise muss Bergedorf hier mit 4:0 führen“, erklärte Mato Mitrovic ganz nüchtern. Dem Trainer des Landesligisten VfL Lohbrügge wusste in der ersten Halbzeit nicht, wie ihm geschah. Im Derby gegen den FC Bergedorf 85, welches am Ende vor rund 200 Zuschauern auf dem Kunstrasenplatz am Binnenfeldredder 3:3 endete, wurde seine Mannschaft im ersten Durchgang quasi überlaufen. „Bergedorf war viel griffiger und immer schneller am Ball. Sie haben ein Feuerwerk abgebrannt. Wir haben nur reagiert. Das war viel zu wenig von uns“, analysierte Mitrovic.

Dass die Lohbrügger dennoch einen Punkt am heimischen Binnenfeldredder behalten durften, lag an der zwischenzeitlichen doppelten Überzahl in der zweiten Halbzeit. Nachdem die Gäste durch Arnold Lechler (2.) und Dimitrij Rikspun (20.) zur Pause mit 2:0 führten, versäumten sie es durch zahlreiche weitere Gelegenheiten, die aber mehrmals glänzend von VfL-Schlussmann Björn Garvs pariert wurden, ihre Führung auszubauen. „Wir haben bärenstark begonnen und müssen nach 35 Minuten mit 5:0 führen. Und das ist nicht übertrieben“, trauerte FCB-Coach Dennis Kreutzer den vergebenen Torchancen hinterher.

Domagoj Bozic (2. von re.) bekommt von Schiedsrichter Luca Jürgensen die Rote Karte. Foto: Herzog

Dabei konnte ihnen Domagoj Bozic nicht mehr helfen. Der Mittelfeldspieler flog nach einem Duell im Mittelfeld mit Anto Zivkovic, bei dem er den Lohbrügger hart am Fuß traf, vom Platz (31.). „Aus meiner Sicht ist die Rote Karte zu hart. Eine Gelbe Karte plus Ansage vom Schiedsrichter hätte gereicht“, kommentierte Kreutzer die Situation.

Arnold Lechler erhöht trotz Unterzahl, dann fliegt der nächste Bergedorfer vom Platz

Zu Beginn des zweiten Abschnitts brachte Mitrovic mit Pascal Bäker für Javad Gurbanian einen weiteren Stürmer. Die verstärkte Offensive machte sich dann auch schnell bemerkbar. Agit Aydin verkürzte auf 1:2 (54.). Doch wer jetzt dachte, dass sich die Bergedorfer geschlagen geben, sah sich eines Besseren belehrt. Erneut war es Lechler, der trotz Unterzahl, den alten Zwei-Tore-Abstand wiederherstellte (62.).

Trotzdem brachte die komfortable 3:1-Führung keine Ruhe in ein intensives und hektisches Derby. Drei Zeigerumdrehungen nach Lechlers zweitem Treffer musste der nächste Bergedorfer Spieler frühzeitig den Platz verlassen. Der bereits mit gelb vorbelastete Isaac Hoffmann wurde von Schiedsrichter Luca Jürgensen (Eintracht Norderstedt) des Feldes verwiesen. Nun hatten die Gastgeber viel Platz und Räume und kamen per Doppelschlag zum Ausgleich. Erst verwertete Verteidiger Jonas Holz einen Eckball von Duro Arlovic (68.), ehe zwei Minuten später ein Eigentor von Fatih Okur den 3:3-Ausgleichstreffer bedeutete.

Der Moment der puren Freude: Agit Aydin freut sich über den Ausgleichstreffer zum 3:3. Foto Herzog

In der Schlussphase hatten beide Teams jeweils noch eine Möglichkeit, das Spiel für sich zu entscheiden. Doch weder Almir Fisekovic auf Seiten des VfL (79.), noch Munib Saqib für den FCB in der Nachspielzeit konnten ihre Chancen verwerten. In dieser Nachspielzeit stand Justin Loesche schon gar nicht mehr auf dem Platz, nachdem der Lohbrügger nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte gesehen hatte (87.). Nach hitzigen 95 Minuten stand es am Ende 3:3.

Mitrovic bemängelt die Defensive – Kreutzer: „In solchen Ausmaßen habe ich das selten erlebt.“

„Nach diesem Spielverlauf können wir sehr gut mit dem Punkt leben. Unser derzeitiges Problem ist einfach, dass wir zwar in jedem Spiel drei Tore schießen, aber dennoch viel zu viele Gegentore kassieren und somit trotzdem kein Spiel gewinnen. Es kann nicht sein, dass wir in jedem Spiel vier, fünf Tore erzielen müssen, um als Sieger vom Platz zu gehen“, monierte Mitrovic.

Hektik, Zweikämpfe und jede Menge Diskussionen: Die Derby-Atmosphäre war die gesamten 90 Minuten lang zu spüren. Foto: Herzog

Sein Gegenüber hatte eine andere Sichtweise. „Natürlich nehmen wir diesen einen Punkt gerne mit. Aber ich muss deutlich sagen, dass wir zwei Punkte verloren haben“, betonte Kreutzer, bei dessen Fazit auch das Schiedsrichtergespann eine Rolle spielte. „Das Gespann hatte sehr viel Einfluss auf das Spielgeschehen. In solchen Ausmaßen habe ich das selten erlebt. Bei 50/50-Entscheidungen wurde immer pro Lohbrügge gepfiffen“, ärgerte sich der Coach. Dennoch wollte er nicht alles am Referee festmachen. „Den einzigen Vorwurf, den ich meiner Mannschaft machen kann, ist, dass sie in einer hektischen zweiten Halbzeit nicht clever genug gespielt haben. Dennoch haben wir einen starken Auftritt hingelegt“, erklärte der Bergedorfer Übungsleiter abschließend.

VfL: Garvs; Fisekovic, Erkan, Holz; Ahmad Hafiz (69. Lösche), Zivkovic, Arlovic, Maskaljevic, Gurbanian (46. Bäker); Aydin (83. Betzin), Kobas
FCB: Zdasjuk; Okur, Nkengni, Hoffmann, Lübcke; Rikspun, Bozic, Yazici (90.+3 Strauß), Dogan (76. Saqib); Lechler (90.+1 Sedique), Blohm