Sportlich Top, Verhalten Flop: Der Oststeinbeker SV bringt sich selbst um den verdienten Lohn

Ein Kommentar von Simon Jötten und Liam Schardt

Es ist eine verdammt schwierige Lage, in der sich der Oststeinbeker SV derzeit befindet. Da ist dieses sportlich hochveranlagte Team, bestückt mit etlichen höherklassig erfahrenen Spielern. Stürmer Adrian Voigt, Spielmacher Marcel Meyer oder auch die dribbelnden Sbou-Brüder Youssef, Youness und Morad, um nur eine Handvoll zu nennen. Sie sind an guten Tagen in der Lage, jeden Gegner zu schlagen. Sie mischen mit ihrer flinken, kraftvollen und leidenschaftlichen Art Fußball zu spielen die Bezirksliga mächtig auf – und das wohlgemerkt als Aufsteiger. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt am Meessen. Sportlich Top, Verhalten Flop.

Der Oststeinbeker SV bringt sich selbst um den verdienten Lohn. Immer wieder machte das Team von Trainer Simon Gottschling in den vergangenen Wochen und Monaten durch Negativ-Schlagzeilen von sich reden. Undiszipliniertheiten. Emotionale Ausbrüche. Platzverweise. Verhandlungen. Die Aktionen hatten breit gefächerte Diskussionen zur Folge und bescheren dem OSV letztlich einen schlechten Ruf im Hamburger Amateurfußball. Die bisherige Pokalsaison ist der beste Beweis dafür, dass die Medaille bei den Stormanern nur auf einer Seite glänzt. Sowohl gegen den Meiendorfer SV als auch den ASV Hamburg und zuletzt am vergangenen Freitagabend gegen den SV Altengamme haben die Oststeinbeker sportlich für große Furore gesorgt. Besonders die Erfolge gegen den Oberligisten MSV und der deutliche, überzeugende Coup gegen den Staffelkonkurrenten und Mitaufstiegskandidaten aus der Bezirksliga Ost sind da in Gedanken geblieben.

Doch die beeindruckenden Siege bringen allesamt einen faden Beigeschmack mit sich: Zu den fußballromantischen Gedanken gesellen sich solche über unschöne Aktionen, die schlichtweg nicht auf Amateurfußballplätze gehören. Da stellt sich die Frage nach dem Warum? Warum schneiden sich diese mehr als begnadeten Fußballer regelmäßig selbst in den Finger? Eigentlich liefert das Team von Coach Gottschling beinahe im Wochentakt genügend Beweise, warum man bei dieser Mannschaft ausschließlich über das Sportliche berichten sollte. Traumtore, Kantersiege und sportliche Machtdemonstrationen. Doch darüber wird nur solange gesprochen und geschrieben, bis der OSV sich mal wieder selbst in die negativen Schlagzeilen bringt. Natürlich gehören zu jeder Auseinandersetzung immer zwei Parteien und jeder hat eine andere Auffassung von den Vorfällen. Doch wieso ist immer der Oststeinbeker SV beteiligt? Diese Frage müssen die Verantwortlichen des Vereins vom Meessen in diesen Tagen über sich ergehen lassen.

Und die ersten Auswirkungen wurden nun sichtbar. Nach der Niederlage gegen Altengamme, nach der nicht über das Sportliche sondern vielmehr die vier Platzverweise und ausgiebigen Diskussionen in den sozialen Netzwerken, vor allem unter unserem Facebook-Post zum Duell mit dem SVA, gesprochen worden ist, trat Liga-Obmann und Pressesprecher Mathias Reß per sofort von allen Ämtern zurück. Beginnt nun das vermeintlich stabile Gerüst der Oststeinbeker zu wackeln – oder gar auseinander zu brechen? In der Vergangenheit wurden die Offiziellen nicht müde zu betonen, dass es sich bei dem Team um eine eingeschworene Einheit handele und alles im Lot sei.

Doch gehen diese Vorfälle so spurlos an den OSV-Kickern und -Verantwortlichen vorbei? Eines ist klar: Es wäre schade, wenn sich diese Mannschaft, für die die Bezirksliga Ost aus sportlicher Sicht nur eine Durchgangsstation sein wird, selbst im Weg steht und sich durch ihr Verhalten ihre sportlichen Ziele selbst kaputt machen würde. Denn dass die Mannschaft vom OSV für jeden Gegner ein echter Brocken ist, steht zweifelsohne fest. Doch die Gottschling-Equipe muss auf ihrem weiteren Weg einen Widersacher bezwingen: und zwar sich selbst. Damit in Zukunft beim OSV ausschließlich nur noch über das Sportliche zu sprechen ist, sie ihren Ruf wieder zurechtrücken und ihre zahlreichen Kritiker verstummen lassen.