SVCN-Topspieler Witalij Wilhelm: Zwischen Futsal, Fußball-Oberliga und dem ganz normalen Leben

Vitali Wilhelm ist ein klassischer Unterschied-Spieler für den Oberligisten SV Curslack-Neuengamme. Foto: Herzog

Vitali? Witali? Vitalij? Oder doch Witalij? Wie wird sein Vorname denn nun korrekt geschrieben? Da finden sich in den Online- und Printmedien der Hansestadt unterschiedlichste Schreibweisen – auch bei uns. Gegenüber BOLZJUNGS verriet Wilhelm, absoluter Leistungsträger beim Oberligisten SV Curslack-Neuengamme, nun: „Witalij“. Na da, haben wir ja endlich Gewissheit. Doch wir sprachen mit dem Allroundtalent an der Kugel nicht nur über die richtige Schreibweise seines Vornamens, sondern auch darüber, wie er den halbprofessionellen Oberliga-Fußball mit der Futsal-Regionalliga unter einen Hut bekommt und dabei das ganz normale Leben nicht in Vergessenheit gerät.

Der geborene Russe durchläuft die Jugendabteilungen der Heimatvereine

Das Licht der Welt erblickte der heute 26-Jährige in der russischen Millionenstadt Omsk. Als er ein Jahr alt war, verließ er 1993 gemeinsam mit seiner Familie Sibirien. Die neue Wahlheimat: Hamburg. Mit sechs Jahren schloss sich Wilhelm der Jugend des SV Nettelnburg/Allermöhe an, blieb dort bis zur C-Jugend. Er verließ den Henriette-Herz-Ring in Richtung Sander Tannen, kickte fortan für den Traditionsklub ASV Bergedorf 85. In der A-Jugend wagte er dann noch einmal den Schritt zum JFV Jungelstern Oststeinbek, um dort unter anderem mit Florian Ackermann (SC Vier- und Marschlande), Tammin Yousofzai (VfL Lohbrügge) und Seyhmus Atug (Altona 93)  in der Regionalliga spielen zu können. Seine erste Herrenstation im Sommer 2011 war der SVCN – für den er bis heute ohne Unterbrechung spielt. „Klar gab es den Gedanken, zu wechseln, da ich die ersten eineinhalb Jahre keine Rolle beim SVCN gespielt habe. Aber so leicht wollte ich nicht aufgeben und habe immer von Training zu Training Gas gegeben. Aufgeben kann jeder. Aber dranbleiben, das schaffen nur die Wenigsten“, spricht Wilhelm über seine schwierigen Anfänge. Doch in der Folge etablierte sich der damalige Youngster, dem in dieser Saison bislang fünf Tore gelangen, zur Stammkraft, vor allem dank einer stabilen Umgebung: „Für mich ist es wichtig, dass das Umfeld in Curslack sehr gut harmoniert und das Miteinander gegeben ist.“




Die HSV-Panthers mit SVCN-Akteur Witalij Wilhelm (obere Reihe, Dritter v.r.). Foto: HSV-Panthers

In den vergangenen Jahren setzte ihn sein langjähriger Ex-Trainer Torsten Henke auf den verschiedensten Positionen ein, auch Nachfolger Matthias Wulff, der seit Sommer im Amt ist, setzt dies fort. Doch den Spieler selbst stört das keinesfalls. „So wirklich habe ich keine Lieblingsposition. Ich versuche, auf jeder Position mein Bestes zu geben. Dort, wo das Team mich braucht, versuche ich auch hundert Prozent zu geben“, erklärt der 1,80-Meter-Mann, dessen Vorbild ein großer Star des FC Bayern München ist. Wilhelm augenzwinkernd: „David Alaba ist auch fast überall einsetzbar.“ Die Variabilität dürfte dem gebürtigen Russen auch bei seiner zweiten großen Leidenschaft, dem Futsal, enorm weiterhelfen. Aktuell absolviert der 26-Jährige seine zweite Saison als Futsaler, läuft für die „beste Futsal-Mannschaft Deutschlands“ auf, wie er selbst einordnet: die HSV-Panthers. Die Futsaler des Zweitliga-Klubs stehen in der Regionalliga aktuell ohne Punktverlust unangefochten auf dem ersten Platz. Dort kickt Wilhelm mit Akteuren wie Erdinc Örün (Oststeinbeker SV), Martin Schröder (FC Voran Ohe) oder auch Danijel Suntic (TuS Dassendorf) zusammen. „Ich habe viele Freunde, die dort spielen und man kennt sich ja auch vom Fußball“, so der Allrounder, der auch schon mit der Futsal-Nationalmannschaft in Kontakt stand: „Nationalspieler würde ich mich aber jetzt nicht nennen. Ich wurde zu drei Lehrgängen eingeladen, zu denen die 25 besten Spieler Deutschlands eingeladen werden. Aber am Ende hat es nicht gereicht, um auch an den Spielen teilzunehmen.“




Zeitlicher Engpass sorgt für Abwägungen: „Ich muss auch mal den Kürzeren ziehen.“

Witalij Wilhelm im Trikot des SVCN. Foto: Herzog

Auch ohne Nationalmannschaft hat Wilhelm genug Fußball um die Ohren. Beim SVCN trainiert er montags, dienstags und donnerstags, bei den HSV-Panthers freitags. Das Futsal-Training am Montag muss er sogar ausfallen lassen. „Beim Futsal schaffe ich es sehr selten, zum Training zu kommen. Samstags spielen wir meistens mit Curslack. Wenn nach der Partie noch Futsal ist, fahre ich sofort dorthin. Leider sind die Spiele allerdings oft zeitlich eng aneinander gesetzt, sodass ich beim Futsal auch mal den Kürzeren ziehen muss“, erklärt der Linksfuß, der sich trotz seiner zeitlichen Engpässe ein höheres Niveau sowie eine bundesweite Futsal-Liga wünscht – die logischerweise mit weiteren, zeitintensiveren Fahrten verbunden wäre. Wilhelm: „Mich reizt am Futsal die Technik und das schnelle Spiel. Ich finde aber, dass das Niveau in der Regionalliga einfach zu schwach ist. Es ist ja in der Überlegung, eine Bundesliga zu erstellen. Aber das wird auch noch eine Weile dauern.“

In seinem „normalen“ Leben absolvierte der 26-Jährige eine Ausbildung zum Speditionskaufmann. Seit dem 01. September vergangenen Jahres macht er allerdings eine neue Ausbildung, dieses Mal als Justizvollzugsbeamter. Egal wie zeitintensiv das alles zusammen auch ist, Gedanken daran, seine Karriere zu beenden, hegt Wilhelm nicht: „Ich würde so lange Fußball spielen, bis mein Körper mir sagt, dass es nicht mehr geht. Eigene Grenzen habe ich mir da keine gesetzt. Beim Futsal wird es natürlich eng, mit einem gewissen Alter noch in der Halle zu kicken. Ich lasse alles auf mich zukommen. Aber ich könnte mir schon vorstellen, irgendwann einmal im Jugendbereich tätig zu werden.“ Und vielleicht macht er seine künftigen Spieler ja dann auch zu Fußball- und Futsal-Allroundern. Wie das geht, kann Witalij Wilhelm ihnen schließlich bestens beibringen.