Sven Möller entscheidet intensives Derby gegen den SVCN und sichert der TuS die Tabellenführung

Der Mannschaftskreis der TuS Dassendorf nach dem 1:0-Sieg gegen den SV Curslack-Neuengamme. Foto: BOLZJUNGS

TuS Dassendorf – SV Curslack-Neuengamme 1:0 (0:0)
Oberliga Hamburg, 16. Spieltag (Sa., 10.11.18, 14.00 Uhr)

Da standen sie Arm in Arm auf dem Rasenplatz am Wendelweg und bildeten einen großen Kreis. Einige Sekunden vergingen, bis vereinzelte Namen fielen. Doch niemand hatte eine richtige Absicht, in die Mitte zu treten. Wer würde denn nun im traditionellen Mannschaftskreis einige Worte an die Mannschaft richten? Dann löste sich Sven Möller aus dem Kreis heraus und schritt in die Mitte, faltete seine Hände und ergriff das Wort. „Ja Männer, für mich war das ja ein besonderes Spiel, weil ich ja von da komme. Mit dem Tor ist das natürlich etwas richtig geiles gewesen“, sagte Möller in Richtung seiner umstehenden Teamkollegen und Verantwortlichen. Danach brandete großer Jubel auf und es wurde gesungen. „Derbysieger, Derbysieger“-Gesänge machten den Anfang, ehe auch die eroberte Tabellenführung mit „Spitzenreiter, Spitzenreiter Hey Hey“ honoriert wurde.

Soeben hatte die TuS Dassendorf in der Oberliga-Partie vor 224 Zuschauern am heimischen Wendelweg den SV Curslack-Neuengamme in einem intensiven und emotionalen Derby mit 1:0 besiegt und somit zum ersten Mal in dieser Saison die Tabellenführung erobert – zumindest bis morgen Nachmittag. Die Tür zu Platz eins war schon beim Spielstand von 0:0 geöffnet worden. Doch als sich Mattia Maggio in der 73. Minute stark gegen Patrick Papke, der zu diesem Zeitpunkt mit Knieproblemen zu kämpfen hatte, durchsetzte, den Ball gekonnt zu Sven Möller in den Rückraum legte und dieser das Spielgerät zum umjubelten 1:0-Siegtreffer ins lange Eck beförderte, war die Tür durchbrochen und die Tabellenführung eingetütet. „Wir sind da, wo wir uns gerne sehen – zumindest bis morgen. Hoffentlich noch etwas länger“, sagte TuS-Sportchef Jan Schönteich auf der anschließenden Pressekonferenz.

Ostermann zieht ein Zwischenfazit – Matthias Wulff ist trotz der Niederlage zufrieden

Doch für diesen Sieg mussten die Dassendorfer eine Menge investieren. Die Gäste zeigten in der ersten Halbzeit eine starke Leistung und stellten die Gastgeber mit ihrem hohen Offensivpressing vor Probleme. Das wurde auch von der TuS honoriert. „Nicht ganz so glücklich waren wir mit dem Verlauf der ersten Halbzeit. Curslack hat die Initiative ergriffen, das gut umgesetzt und uns unter Druck gesetzt. Damit sind wir nicht so ganz klar gekommen. Da fehlte uns die Frische, die Spielfreude und die letzte Laufbereitschaft“, sagte TuS-Coach Elard Ostermann. Doch dass die Dassendorfer den Platz am Ende dann doch als Sieger verließen, war ein Beweis der enormen Qualität. „In der zweiten Halbzeit haben wir dann einen etwas anderen Auftritt gesehen und dann auch, wenn auch knapp und glücklich, nicht ganz unverdient das Spiel für uns entscheiden. Wir sind glücklich über den Sieg und dass wir auch so ein enges Spiel und so ein Kampfspiel mal für uns entschieden haben. Es zählen nicht immer nur glanzvolle Siege, sondern auch mal schmutzige Siege. Das war heute einer. Das hätte auch in die andere Richtung gehen. So sind wir umso glücklicher“, resümierte Elard Ostermann zufrieden, der vor seinem Statement zum Spiel noch eine andere Botschaft los werden wollte. „Etwas was mit dem Spiel direkt nicht zu tun hat und was ich einfach los werden möchte: Nach dem letzten Vorrunden-Heimspiel, was wir hier heute absolviert haben, ist es, glaube ich, auch Zeit, ein kleines Zwischenfazit zu ziehen. Ich möchte einfach Danke sagen an mein Trainerteam mit Sandro Ahrens, Mirko Petersen und auch Jan Schönteich, die die letzten vier, fünf Monaten mich tatkräftig unterstützt haben in dieser Funktion, dass ich da die Ausbildung mitmache und sie großen Anteil daran haben, dass wir jetzt an der Tabellenspitze stehen, die wir am liebsten nicht mehr abgeben würden.“

Bei der TuS Dassendorf hatten sie also allen Grund zu Freude. Doch auch Ostermanns Gegenüber sah keinen Anlass zur schlechten Stimmung. „Erst einmal natürlich Glückwunsch an die TuS Dassendorf und Glückwunsch zur Tabellenführung. Wir sind hier sehr, sehr gut ins Spiel reingekommen und haben uns vorgenommen, von Anfang an extrem mutig und aggressiv zu Werke zu gehen. Das ist uns gerade in der ersten Halbzeit extrem gut gelungen. Da waren wir sehr griffig und absolut drin in jeder Aktion. Wir haben in der ersten Halbzeit ein kleines Übergewicht bekommen und hätten es da vielleicht verdient gehabt, mit einer Führung in die Halbzeit zu gehen. Das ist uns leider nicht gelungen“, resümierte SVCN-Trainer Matthias Wulff, um final zu betonen: „Alles in allem bin ich mit dem Auftritt und der Leistung meiner Mannschaft absolut zufrieden. Es ist natürlich trotzdem schade, dass ich hier Dassendorf zum Sieg beglückwünschen muss, das hätte ich gerne anders gemacht.“

Marcel von Walsleben-Schied wird ausgewechselt und sieht die Gelb-Rote Karte

Diese Harmonie auf der anschließenden Pressekonferenz war in den vorangegangenen 90 Minuten nicht immer zu sehen. Auf dem Feld ging es von der ersten Minute an zur Sache und eine gewisse Derby-Atmosphäre war über die vollen 90 Minuten zu spüren. Nach jedem Foulspiel kamen Kommentare von den Spielern und den Trainerbänken. So sah auch TuS-Keeper Christian Gruhne wegen Meckerns die Gelbe Karte (40.). Doch trotz zahlreicher Fouls, Diskussionen und Wortgefechten war es alles in allem ein faires Derby. Nur einer hatte sich nicht im Griff. Nachdem Marcel von Walsleben-Schied in der 79. Minute das vermeintliche 2:0 erzielte, welches Schiedsrichter Luca Jürgensen (FC Eintracht Norderstedt) nach einigen Momenten und nach einer Rücksprache mit seinem Assistenten zurücknahm, und eine Minute später ausgewechselt wurde, trat er vor Frust ein Hütchen aus der Coachingzone auf den Platz. Dafür bekam der bereits mit Gelb verwarnte Stürmer, der das Feld schon verlassen hatte, die Gelb-Rote Karte (80.). Doch auch von dieser Aktion ließen sich die Dassendorfer nicht aus dem Konzept bringen und brachten den Sieg über die Zeit – und somit auch die erste Tabellenführung unter Dach und Fach.

TuS: Gruhne; Lenz, Karikari, Carolus; Dettmann, Aust (46. Hinze); Nägele (62. Kurczynski), Möller, Dittrich; von Walsleben-Schied (80. Büchler), Maggio
SVCN: Babuschkin; Brudler, Spiewak, Papke, Keklikci (74. Keklikci); Wilhelm, Bannasch; Witmütz (66. Mokhlis), Radic, Bober (66. Kerschke); Lenz