Timo Lenz: Von der Kreisliga zum Stammspieler und Torjäger in der Oberliga

Momentan hat Timo Lenz allen Grund zu Freude. Hier jubelt er über seinen Treffer zum 1:0 beim SC Victoria Hamburg. Foto: Bode

Die ersten Wochen liefen nicht so wie gewollt. Doch Zweifel kamen bei ihm nie auf. „Ich hatte erwartet, dass ich öfters von Anfang an spiele, als es in der ersten Saison der Fall war. Das war aber kein Rückschlag für mich, denn ich habe immer an meine Chance geglaubt“, sagt Timo Lenz im Gespräch mit BOLZJUNGS. Der Stürmer wagte zur Saison 2017/18 den Schritt aus der Kreis- in die Oberliga. Anstatt der Lauenburger SV, bei der er als Fünfjähriger eingetreten war und für die er bis auf ein Jahr Abstinenz (ein halbes Jahr FC Lauenburg, ein halbes Jahr SGA Boizenburg) immer spielte, hieß es ab dem 1. Juli 2017 SV Curslack-Neuengamme. Oberliga statt Kreisliga. Doch Lenz, der mit dem heutigen Tag nun seit 475 Tagen für die Vierländer auf Torejagd geht und sich in seiner zweiten Spielzeit beim SVCN befindet, bereut diesen Schritt keineswegs.

„Die anderen Spieler dachten natürlich schon, da kommt jetzt ein Spieler aus der Kreisliga, der ja eh nichts kann. Da musste ich mich am Anfang erst einmal beweisen. Doch ich wurde sehr schnell akzeptiert und komme bis heute sehr gut mit den Leuten klar“, blickt der 24-Jährige, der mit einer Empfehlung von 37 Treffern (Saison 2016/17) aus der Kreisliga 3 kam, zurück. Zwar kam Lenz in seiner ersten Spielzeit unter dem ehemaligen SVCN-Trainer Torsten Henke zwar zu 29 Einsätzen in der Liga, doch nur drei Partien spielte er über die volle Distanz. „Ich brauchte mehr Zeit, um mich einzugewöhnen, als ich selber erwartet hatte“, gesteht Lenz ein. Doch der Offensivspieler gab trotz nur 349 gespielten Minuten in der Hinrunde nicht auf. „Ab der Winterpause konnte ich mich zeigen und habe in der Rückrunde dann auch mehr gespielt“, so Lenz.

Lenz: „So konnte ich mit Vollgas in die Vorbereitung unter dem neuen Trainer gehen.“

In der Rückserie kam der Stürmer in allen 17 Partien zum Einsatz, sammelte 846 Oberligaminuten und erzielte seine ersten Treffer in Hamburgs Beletage. Fünf Treffer gelangen ihm insgesamt, darunter ein Doppelpack. Und diesen Lauf setzte er in der aktuellen Spielzeit fort. „Das hat sich ab der Winterpause der vergangenen Saison angedeutet. Seitdem hatte ich mich an die Mannschaft gewöhnt. So konnte ich mit Vollgas in die Vorbereitung unter dem neuen Trainer gehen“, erklärt Lenz, der von einigen Mitspielern „Schlenzer“ genannt wird und sich vor allem mit Stjepan Radic, Witalij Wilhelm und Sebastian Spiewak besonders gut versteht.

Verstehen sich auch außerhalb des Platzes gut: Stjepan Radic (r.) und Timo Lenz. Foto: Bode

Nach zwölf Spieltagen blickt Lenz auf eine Statistik zurück, die sich sehen lassen kann. Von zwölf möglichen stand Lenz in elf Partien in der Startelf, sieben davon absolvierte er über die kompletten 90 Minuten. So hat der Stürmer in dieser Spielzeit die fünftmeisten Einsatzminuten aus dem aktuellen Kader auf dem Buckel. Hinzu kommen vier Tore und fünf Vorlagen. Damit ist Lenz neben Witalij Wilhelm der erfolgreichste Torschütze des SVCN. „Mit dieser Entwicklung bin ich zufrieden. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich alle Spiele von Anfang an spiele. Es könnten aber noch mehr Tore sein“, sagt der Torjäger mit einem Grinsen im Gesicht. Damit hat sich Lenz im Team von Trainer Matthias Wulff festgespielt.

 

Wulff: „Es ist großartig, einen Typen wie Timo im Team zu haben.“

„Timo ist in der Saison 2017/2018 nach Curslack gekommen und hatte anfangs eine schwere Zeit am Gramkowweg. Er musste sich im ersten Halbjahr an viele neue Herausforderungen gewöhnen: Höheres Spieltempo, neue taktische Aspekte und natürlich die geforderte Handlungsschnelligkeit. Zur Halbserie war nicht klar, ob er sich hier durchsetzen kann und in welche Richtung sein Weg führen wird“, blickt SVCN-Coach Matthias Wulff zurück. „Aber genau an diesem Punkt hat Timo einen entscheidenden Vorteil gegenüber vielen anderen jungen Spielern: Er hat ein Kämpferherz und die Bereitschaft, in jeder Trainingseinheit ans Limit zu gehen, dazuzulernen und sich so ständig weiter zu entwickeln. Gepaart mit seiner gelassenen Herangehensweise und natürlich dem nötigen Talent ist das ganz sicher der entscheidende Faktor für seine positive Entwicklung“, erklärt der Übungsleiter, um anschließend zu betonen: „Es ist großartig, einen Typen wie Timo im Team zu haben und wir freuen uns sehr auf seine weitere Entwicklung bei uns.“

Doch dass Lenz, der von der ersten Minute an die Unterstützung von Freunden und Familie gespürt hatte, diesen Schritt gemeistert hat, ist nicht selbstverständlich. Sein ehemaliger Mannschaftskollege Maximilian Kochsiek wagte vor dieser Saison denselben Schritt, doch Kochsiek beendete nach nur knapp sieben Wochen das Kapitel SVCN wieder und kehrte zum Oststeinbeker SV zurück. „Ich hatte mehrere gute Gespräche mit Maxi und wir haben im Training vieles zusammen gemacht. Er hat die Strecke wohl unterschätzt und seine Chance nicht gesehen“, kommentiert Lenz, der seine Chance hingegen nie aus den Augen verloren hatte – und nun nach mehr strebt. „Ich möchte so viele Tore und Scorerpunkte erzielen, wie möglich“, betont „Schlenzer“, der mit seinem SVCN „einen einstelligen Tabellenplatz“ erreichen möchte. Die nächste Möglichkeit für weitere Tore ergibt sich für Lenz bereits heute Abend beim Auswärtsspiel seiner Curslacker beim TuS Osdorf (19.30 Uhr, Blomkamp). Auch da wird Timo Lenz mit großer Wahrscheinlichkeit wieder von Anfang an auf dem Platz stehen.