Tom Böttcher und Niklas Glasow: Das junge Torjäger-Duo des „kleinen“ Escheburger SV

Mit gerade einmal 21 Jahren ist Tom Böttcher Vize-Kapitän des Escheburger SV. Foto: Herzog

Im vergangenen Sommer kam es beim Escheburger SV nach dem klaren Abstieg als Tabellenletzter aus der Kreisliga 3 zu einem großen Umbruch. René Witmütz, der seinen Vorgänger Mario Meier bereits seit April unterstützt hatte, übernahm das Team zur Sommervorbereitung als Chefcoach. Der neue Übungsleiter betonte Mitte Mai gegenüber BOLZJUNGS: „Klar hätte ich mich über Kreisliga gefreut. Aber der Abstieg ist auf lange Sicht besser für den Aufstieg des Vereins.“ Witmütz strukturierte seinen Kader neu, setzte vor allem auf den Faktor Zuverlässigkeit. Zur Winterpause steht der ehemalige Jugendtrainer des SV Curslack-Neuengamme mit seinem ESV in der Kreisklasse auf einem soliden sechsten Tabellenplatz, der Blick geht nicht zuletzt wegen den neu geschaffenen optimalen Rahmenbedingungen mit dem Kunstrasenplatz am Stubbenberg auf lange Sicht nach oben. Einen immensen Anteil an dem derzeitigen Aufstreben des Dorfvereins haben auch Niklas Glasow und Tom Böttcher – sie stehen mit je 16 Treffern in 18 Partien auf Rang fünf der Kreisklasse 2-Schützenliste und bilden das junge Torjäger-Duo des „kleinen“ Escheburger SV.

Escheburger Eigengewächs Tom Böttcher bereits mit 21 Jahren Vize-Kapitän

ESV-Eigengewächs Tom Böttcher. Foto: Herzog

Tom Böttcher ist ein klassisches Eigengewächs des ESV, wohnt in unmittelbarer Nähe zum Sportplatz, kickte schon in der Grundschulzeit am Stubbenberg. Also wundert es nicht, dass er trotz seiner erst 21 Jahre nach John Koops bereits Vize-Kapitän des Teams ist. „Tom wurde mit seinen jungen Jahren gewählt, weil er menschlich sehr gerade ist und einen guten Charakter hat. Er kommt bei den Jungs sehr gut an und übernimmt seine Aufgaben zu hundert Prozent“, lobt Trainer Witmütz seinen Jungspund. Der „Vize“ selbst erklärt gegenüber BOLZJUNGS: „Ich war sehr überrascht über das Ergebnis. Dennoch bin ich sehr stolz und glücklich darüber, dieses Standing im Team zu haben und dass die Spieler mir das Vertrauen geschenkt haben. Da John (Koops, d. Red.) leider ab und an aufgrund seiner Arbeit verhindert ist, konnte ich als Kapitän schon einige Male diese Aufgabe übernehmen. Auch wenn mir manchmal noch die passenden Worte fehlen, habe ich schon öfters gehört, dass ich den Job ganz gut hinbekomme. Darüber freue ich mich sehr.“

Der 21-Jährige, der in seinen Zeiten beim Bezirksligist SC Vier- und Marschlande unter anderem im Jubiläumsspiel der Vierländer gegen die Bundesligaprofis Martin Harnik und Max Kruse auflaufen durfte, ist immens wichtig für den Klub, sorgte beispielsweise gegen den SVCN III mit einem Doppelpack quasi im Alleingang für den 2:1-Erfolg. Dass Böttcher noch in Schwarz-Gelb aufläuft, war im Sommer nicht unbedingt abzusehen. „Ich habe nach dem Abstieg mit dem Gedanken gespielt, den Verein zu verlassen und mich letztlich dennoch dazu entschieden, zu bleiben. Der Grund dafür waren Gespräche mit meinem Trainer René Witmütz. Er hat mir seine Ziele und Pläne erklärt und das alles hat mich sehr überzeugt“, so Böttcher.

Wo soll die Reise für den Torjäger noch hingehen? „Ich hoffe, dass wir in den kommenden Partien noch eine Schippe drauflegen und weiterhin so hart arbeiten wie bisher“, erklärt Böttcher, ehe er angesichts der 16 Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter TuS Dassendorf II ein aktuell noch ambitioniertes Ziel formuliert: „Ich denke, dass wir das Potenzial und den Willen haben, den direkten Wiederaufstieg zu schaffen. Dafür müssen wir weiterhin alle an einem Strang ziehen.“ Persönlich will der Spielmacher auf lange Sicht eine oder zwei Ligen höher – am liebsten mit dem ESV. „Ich persönlich würde gerne irgendwann bis in die Bezirksliga aufsteigen. Aber viel wichtiger ist, dass ich dem ESV weiterhin treu bleibe, da mein Vater (Fußball-Abteilungsleiter Martin Böttcher, d. Red.) auch sehr viel für den Verein getan hat. Neun Jahre habe ich in der Jugend auf der roten, staubigen Asche gespielt. Nun haben wir eine perfekte Sportanlage, ich selbst komme aus Escheburg und wohne dort seit 21 Jahren. Somit habe ich eine starke Verbindung zu diesem Klub.“

Trainer Witmütz über Niklas Glasow: „Ein Stürmer mit unkonventioneller Spielweise.“

Niklas Glasow (r.) im Trikot des SCVM. Archivfoto: Herzog

Böttchers Offensivkollege Niklas Glasow, der zuletzt für den Bezirksligisten SC Vier- und Marschlande aufgelaufen war und im Anschluss aufgrund einer komplizierten Nierenerkrankung eine Auszeit einlegen musste, kann derweil auf eine langjährige Erfahrung in der Beziehung zu Trainer Witmütz zurückgreifen. „Glasow ist einfach eine Type, ein geiler Spieler. Ich kenne ihn ja noch aus den Zeiten in der Jugend des SV Curslack-Neuengamme. Mit seiner unkonventionellen Spielweise ist er ein Zugewinn für jede Mannschaft und ein absoluter Teamplayer – so wie nahezu alle Spieler, die den Neuaufbau mit gestaltet haben und mit gestalten“, betont Coach Witmütz. Das langjährige enge Verhältnis zu seinem jetzigen Herrentrainer gibt dem Youngster nach seiner Pause das nötige Selbstbewusstsein: „Ich bin froh, dass ich wieder Fußball spielen kann“, so Glasow. In dieser Spielzeit traf der Schlacks für den ESV unter anderem doppelt beim Oststeinbeker SV II und sicherte so den 2:1-Erfolg. Auch gegen den FC Bergedorf 85 II (Endstand 4:3) und den ETSV Hamburg II (Endstand 5:1) netzte Glasow doppelt, beim 9:1-Kantersieg gegen Bergedorf-West schnürte er sogar einen Dreierpack.

Für den Wechsel nach Escheburg war – wie könnte es anders sein – neben Trainer Witmütz vor allem Böttcher verantwortlich. „Tom hatte mich schon vor einem Jahr angeschrieben gehabt, da war es aber aus den angesprochenen gesundheitlichen Gründen noch nicht möglich für mich, wieder mit dem Fußball anzufangen. Nun hatte er mich im Sommer erneut kontaktiert, René ebenfalls. Ihn kenne ich ja noch aus früheren Zeiten. Die Gelegenheit bei Escheburg war nach zwei Jahren Zwangspause daher ganz gut“, bereut Glasow seinen Wechsel nicht.

Für Trainer Witmütz sind seine jungen Torjäger nicht nur auf dem Feld wichtig: „Sie übernehmen viele Aufgaben, sind auch bei den Feiern immer vorne mit dabei und immer die Letzten, die aufhören zu feiern.“ Kurzum: „Die Beiden sind tragende Säulen in der Mannschaft! Ich hoffe, dass sie noch etwas länger bleiben werden. Wenn sich für die Jungs aber etwas ergibt und Escheburg durch ihre Leistung ein anderes Gesicht bekommen hat, macht es mich als Trainer natürlich froh, wenn sich meine Spieler woanders bzw. höher reinspielen.“ Und das dürfte angesichts der zahlreichen Treffer nur eine Frage der Zeit sein.

Das Team des ESV für die Saison 2018/19 mit Niklas Glasow (3.v.r. oben) und Tom Böttcher (4.v.l. unten). Foto: ESV