Trotz Tabellenführung und Sieg in Niendorf: Ostermann verlässt Dassendorf zum Saisonende

TuS-Trainer Elard Ostermann. Archivfoto: Herzog

Niendorfer TSV – TuS Dassendorf 0:2 (0:0)
Oberliga Hamburg, 17. Spieltag (So., 18.11.18, 14.00 Uhr)

Erst gestern gewann der Oberliga-Serienmeister TuS Dassendorf um Coach Elard Ostermann beim Niendorfer TSV mit 2:0 und grüßt durch den fünften Sieg in Serie in der Tabelle weiterhin von ganz oben. Doch nur einen Tag später folgt nun der Trainer-Hammer: Ostermann und der Verein vom Wendelweg gehen ab dem 01. Juli 2019 getrennte Wege! Das gab die TuS heute Morgen in Form einer Pressemitteilung bekannt. „Wie alle Vereine müssen auch wir die Planung der kommenden Saison so langsam im Blickfeld haben. Im ersten Quartal 2019 – und womöglich noch darüber hinaus – kann Elard keine Entscheidung pro TuS fällen. Somit müssen wir uns nun mit einer anderen Lösung befassen und im Sommer auseinandergehen“, erklärt TuS-Sportchef Jan Schönteich in der Mitteilung des Klubs. Weiter heißt es: „Auch angesichts der tollen sportlichen Entwicklung bedaure ich das sehr. Andererseits verstehe ich Elards Ambitionen vollkommen.“

Der Hintergrund der Entscheidung: Ostermann absolviert derzeit seinen Fußballlehrer in Köln, den Großteil der Trainingseinheiten übernimmt „Co“ Mirko Petersen. „Einhergehend sind seine sportlichen Ambitionen über den kommenden Sommer hinaus kurz- und mittelfristig nicht abzustecken“, erklärt Ligamanager Alexander Knull. Der Trainer selbst erstickt mögliche aufkommende Gedanken an folgenden Misserfolg im Keim: „Mein Fokus liegt derzeit auf der Ausbildung zum Fußballlehrer. Ich kann einfach nicht abschätzen, welche Perspektiven sich hieraus für mich ergeben werden. Somit kann ich der TuS zeitnah einfach keine Zusage geben. Sehr schade, weil wir sportlich voll im Soll liegen und tolle Aussichten auf große Erfolge haben. Unsere sportlichen Ziele sehe ich durch diese frühzeitige Verkündung keinesfalls in Gefahr.“ Derselben Meinung ist auch Sportchef Schönteich: „Wir werden in jedem Fall im Guten auseinander gehen. Zum Zeitpunkt von Elards Verpflichtung war es unwahrscheinlich, dass seine Bewerbung zur Ausbildung zum Fußballlehrer Erfolg haben würde. So ist es manchmal im Leben. Schade!
Wir alle sind guter Dinge, dass wir gemeinsam diese Saison erfolgreich zu Ende spielen werden.“

Ostermann spricht vom verdienten Sieg – NTSV-Trainer Farhadi sauer auf Referee

Gewohnt ruhig und sachlich analysierte der scheidende Dassendorfer Übungsleiter das Gesehene: „Über 90 Minuten war das ein verdienter Sieg. In der ersten Hälfte haben wir die Effektivität vermissen lassen. Das Tor ist dann aufgrund des enormen Drucks gefallen.“ Dass die TuS mit einem Dreier und der Tabellenführung im Gepäck die weite Heimreise antreten konnte, daran hatte auch Schiedsrichter Jorrit Eckstein-Staben (SC Wentorf) einen großen Anteil.

NTSV-Trainer Ali-Reza Farhadi haderte mit der Schiedsrichterleistung. Archivfoto: Herzog

Beim Stand von 0:0 brachte Dassendorfs Sven Möller vor 132 Zuschauern in Minute 82 einen langen Freistoß in den Strafraum. Sein Mitspieler Kristof Kurczynski schubste NTSV-Sechser Marvin Karow für alle sichtbar im Strafraum – die Aktion blieb allerdings ungeahndet. Von Kurczynskis Kopf landete der Ball beim eingewechselten Samuel Louca (s. Foto), der aus rund zehn Metern trocken zur späten 1:0-Führung für die TuS verwandelte. Es war zwar die einzige Fehlentscheidung des ansonsten guten Referees – allerdings eine mit gravierenden Folgen. „Jorrit ist einfach kein Oberliga-Schiedsrichter“, stellte Ali-Reza Farhadi, Trainer des NTSV, seine Sichtweise weiter klar.

Oberliga-Duell auf hohem Niveau – Maximilian Dittrich mit schönem Sololauf zum 2:0

TuS-Torschütze Samuel Louca kommt ins Spiel. Foto: BOLZJUNGS

Aus Niendorfer Sicht war es ein bitterer Schlussakkord einer gut anzusehenden Oberligapartie zweier technisch und taktisch hochwertigen Teams. Die besten Chancen in Abschnitt eins hatten dabei Möller für Dassendorf (9.) und Oliver Doege per Kopfball auf der Gegenseite (14.). Nach der Pause drängten die Gäste vom Wendelweg mit zunehmender Zeit auf den brustlösenden Treffer. Doch ehe Louca für das späte 1:0 sorgte, vergaben zuvor seine Mitspieler Mattia Maggio (65.), Möller (71.) und Jeremy Karikari (77.). In der Nachspielzeit sorgte Dassendorfs Flügelstürmer Maximilian Dittrich mit einem Alleingang durch die komplette Niendorfer Spielhälfte und dem anschließenden flachen Linksschuss für den 2:0-Endstand.  Auf die Frage, ob und wie Ostermann den Schubser seines Spielers Kurczynski vor dem 1:0 gesehen habe, antwortete der angehende Fußballlehrer gekonnt ausweichend: „Ich freue mich über das Tor. Alles andere hat der Schiedsrichter zu entscheiden.“ Zudem darf sich der Dassendorfer Übungsleiter gemeinsam mit seinem Trainerstab und den Spielern über nun 585 Minuten ohne Gegentor freuen.

Dass die Gastgeber ebenfalls eine ansehnliche Leistung abriefen und den Serienmeister vor große Probleme gestellt haben (Farhadi: „Wir haben nichts gravierendes falsch gemacht.“) wird für den Niendorfer Trainer zur Nebensache. „Wenn hier ein vernünftiger Schiedsrichter gewesen wäre, wäre das Spiel Unentschieden ausgegangen“, schloss Farhadi seine Analyse.

NTSV: Kindler; Agdan (90. Jodeit), Benn, Krüger, Brückner; Karow (84. Utcke), Doege; Wilhelm, Ercetin, Boettcher; Merkle (84. Thiessen)
TuS: Braun; Lenz, Aust, Karikari; Dettmann, Hinze (65. Louca); Dittrich (90.+2 Saqib), Möller, Maggio, Carolus; Kurczynski (90. Suntic)