TSV Glinde II: Die Überraschung in der Kreisliga 3 – „Damit hatte nun wirklich niemand gerechnet“

Der Blick geht nach vorne: Kapitän Hendrik Gerloff und seine Mannschaft des TSV Glinde II sind das aktuelle Überraschungsteam der Kreisliga 3. Foto: Herzog

Die Aussichten waren düster. Zwar hatte die zweite Herren des TSV Glinde in der vergangenen Saison mit dem Erreichen des elften Platzes den Klassenerhalt in der Kreisliga 3 perfekt gemacht, doch der Spielbetrieb für die anstehende Spielzeit war nicht gesichert. „Die größte Frage war ja, ob wir überhaupt eine Mannschaft zusammen bekommen“, erklärt Hendrik Gerloff, der Kapitän der Glinder Zweitvertretung. Durch kurzfristige Abgänge wies der Kader ummittelbar vor dem Vorbereitungsstart noch große Lücken auf. Doch durch Kontakte von den Spielern wurden einige Neuzugänge verpflichtet. So wie beispielsweise Rückkehrer Rouven Meyer (SV Hamwarde) oder auch Alexander Rarrek, der sich aus der ersten Herren des TSV dem Team von Trainer Wolfgang Spethmann angeschlossen hatte.

So stand vor dem ersten Pflichtspiel fest: In Glinde wird weiterhin auch eine zweite Herren am Spielbetrieb teilnehmen können. „Zwar haben wir in der Vorbereitung keine guten Ergebnisse erzielt, dennoch war da schon zu sehen, dass sich etwas entwickelt“, sagt Trainer Spethmann gegenüber BOLZJUNGS. Diese spielerische Entwicklung hat sich nun auch in den Ergebnissen bemerkbar gemacht. Nach dem elften Spieltag stehen die „TSV Glinde II Amateure“, so wie sich das Team selbst auf ihrer Facebook-Seite nennt, mit 24 von möglichen 33 Punkten völlig überraschend auf dem zweiten Tabellenplatz und ist aktuell die Überraschungsmannschaft der Staffel. „Damit hatte nun wirklich niemand aus der Truppe gerechnet“, gibt Gerloff zu, um anschließend zu sagen, dass „aktuell über das Thema Aufstieg innerhalb der Mannschaft geflachst wird“.

Spethmanns Fünf-Jahres-Plan – Gerloff: „Wir wissen, dass es momentan alles passt.“

Wolfgang Spethmann ist seit mehr als zwei Jahren Trainer der zweiten Herren des TSV Glinde. Foto: TSV

Doch in Glinde haben sie trotz des sehr erfolgreichen Saisonstarts und erst einer Niederlage aus elf Partien (0:1 beim Tabellenführer MSV Hamburg, d. Red.) nicht die Realität aus den Augen verloren. „Wir wissen, dass es momentan alles passt. Dennoch überdrehen wir nicht und unterschätzen keinen Gegner. Außerdem ist es viel zu früh, um zu sagen, dass es eine super Saison ist. Wir sammeln weiterhin Punkte gegen den Abstieg“, unterstreicht der Kapitän Gerloff, denn das Saisonziel war, „nicht abzusteigen“. Nachdem Wolfgang Spethmann den TSV zur Saison 2016/17 übernommen hatte, und nach einem zehnten Platz in seiner ersten Spielzeit eine Saison später den elften Platz erreichte, trägt die Arbeit langsam Früchte. „Ich habe bei meinem Start in Glinde gesagt, dass ich in den kommenden fünf Jahren die zweite Herren in die Bezirksliga führen möchte. Wir sind im dritten Jahr und wollen einen guten Platz erreichen, den es im vierten Jahr zu bestätigen gilt. Im fünften Jahr, also übernächste Saison, wollen wir dann schauen, dass wir von Anfang an die Top drei angehen können“, blickt der Coach voraus.

Doch was in Zukunft kommt, interessiert sie aktuell noch nicht. Vielmehr liegt die Konzentration darauf, den mehr als gelungenen Saisonstart zu vergolden. „Wir haben noch vier Spiele in der Hinrunde und wollen die 30-Punkte-Marke knacken“, betont Hendrik Gerloff. Nur zum Vergleich: In der vergangenen Saison hatte der TSV Glinde II nach 30 Spielen 32 Punkte, im Jahr davor waren es 35. Und wenn dieses kleine Ziel erreicht ist, wohin soll die Reise dann gehen? „Es wäre schon top, wenn wir uns in der oberen Tabellenhälfte festsetzen können“, sagt der Mannschaftsführer. Sein Trainer korrigiert ihn dabei etwas. „Wenn wir bis zum Winter 32 oder mehr Punkte haben, werden wir uns unterhalten, was wir wollen. Ein guter einstelliger Tabellenplatz ist möglich“, gibt Spethmann zu Protokoll.

Defensivstabilität und der absolute Wille sind die Erfolgsfaktoren

Dass sie bei der zweiten Herren des TSV von solchen ambitionierten Zielen sprechen können, hat mehrere Gründe. Während in den vergangenen Jahren vor allem in der Defensive viel Luft nach oben war, stellen die Glinder aktuell mit zwölf Gegentreffern aus elf Spielen die zweitbeste Verteidigung der Liga. „Wir haben die Fehler abgestellt und mehr Ruhe auf dem Platz. So kann sich jeder auf sich konzentrieren“, erklärt der Übungsleiter. Für seinen Kapitän ist neben der neu gewonnenen Defensivstabilität vor allem ein Faktor entscheidend: der unbedingte Wille. „Jeder gibt im Training einhundert Prozent, jeder wirft sich in die Zweikämpfe und jeder möchte spielen. Wir haben dieses Jahr eine enorme Qualität, die wir auch von der Bank bringen können. Die Jungs sind alle fokussiert und ehrgeizig“, erklärt Gerloff. „Trotz der unklaren Situation im Sommer haben wir nie den Spaß verloren. Wir sind alle locker drauf und es wird viel geflachst. Doch wenn es darauf ankommt, ist jeder zu einhundert Prozent da“, betont der Kapitän.

So hat sich der erfolgreiche Saisonstart auch auf das Auftreten der Mannschaft übertragen. „In den vergangenen Jahren waren wir von Anfang an im Abstiegskampf. Da hatten wir kein Selbstvertrauen. Da sind die Gegner mit breiter Brust nach Glinde gekommen. Aber in dieser Saison kommen sie mit Respekt hierher und wir laufen mit viel Selbstvertrauen auf den Platz“, beschreibt der 24-Jährige die aktuelle Situation. Man darf gespannt sein, mit wie viel Respekt die TSG Bergedorf am Sonntag an die „Glinder Anfield Road“ reist. Denn dann ist der Tabellenzehnte zu Gast in Glinde. Der Anstoß erfolgt um 13 Uhr.