TuS Dassendorf schießt HSV III ab und holt historischen sechsten Meistertitel

Die TuS Dassendorf ist zum sechsten Mal Hamburger Oberliga-Meister - davon holten sie fünf Titel in Folge. Foto: Herzog

TuS Dassendorf – Hamburger SV III 7:2 (3:2)
Oberliga, 31. Spieltag (Fr., 27.04.18, 18.45 Uhr)

„Was wir hier heute liegen lassen, geht auf keine Kuhhaut. Und hinten haben wir heute Tag der offen Tür“, kommentierte die eine Hälfte des Trainer-Duos der TuS Dassendorf, Peter Martens, eine der zahlreichen vergebenen Torchancen in der Oberliga-Partie gegen den Hamburger SV III. Dieser Satz des Trainers fasste das Spiel passend zusammen. Am Ende siegte die TuS gegen die Rothosen mit 7:2 und sicherte sich somit die fünfte Meisterschaft in Serie – so früh wie noch nie in der Vereinsgeschichte.

Doch bevor die Mannschaft, Fans und Verantwortlichen feiern durften, standen 90 Minuten Fußball an. Mit der ersten Chance für die Hausherren erzielte Sven Möller durch einen sehenswerten Distanzschuss die 1:0-Führung (9.). Wer jetzt dachte, dass es seinen gewohnten Lauf nimmt, sah sich getäuscht. Der Tabellenvorletzte antwortete schon 60 Sekunden später: Damian Ilic spielte Stürmer Manuel Brendel an, der den Ball aus kurzer Distanz ins lange Eck beförderte. In dieser Szene sah die TuS-Defensive nicht gut aus.

HSV III-Keeper Yannick Heuer (grün) pariert gegen Sven Möller (weiß). Foto: Herzog

In der Folge drückte der Hamburger Serienmeister vor insgesamt 362 Zuschauern auf die erneute Führung. Doch zu Anfang war noch etwas Sand im TuS-Getriebe. „Wir brauchen mehr Bewegung, Männer“, forderte Torschütze Sven Möller. Dieser Aufruf schien zu fruchten. Innenverteidiger Jeremy Karikari erzielte die erneute Führung (22.). Sein Distanzschuss feuerte er aus selbiger Position ab, aus der es zuvor Möller beim Führungstreffer getan hatte. Fortan lieferten die Dassendorfer ein Offensivspektakel ab. Marcel von Walsleben-Schied hatte binnen 120 Sekunden zwei dicke Tormöglichkeiten. Doch HSV III-Keeper Yannick Heuer erwischte, trotz der vielen Gegentreffer, einen hervorragenden Tag und konnte die beiden Chancen glänzend parieren (35., 36.).

TuS vergibt Chancen am Fließband – HSV III gleicht aus

So kam es wie es kommen musste und die Gäste glichen erneut aus. Einen Abstoß von Heuer konnten Joe Warmbier und TuS-Schlussmann Christian Gruhne nicht klären. So stand Manuel Brendel alleine vor dem Tor und musste nur noch einschieben (37.). Das TuS-Trainerduo Thomas Hoffmann und Peter Martens war an der Seitenlinie der Verzweiflung nahe. „Ein langer Ball reicht, um uns auszuhebeln“, meckerte Martens.

Fünf Minuten vor der Halbzeit spielte Pascal Nägele Kristof Kurczynski frei, dessen Flanke Sven Möller nicht im Tor unterbringen konnte. Heuer war erneut glänzend zur Stelle (40.). 120 Sekunden später hatte von Walsleben-Schied nach Vorlage von Nägele eine weitere hundertprozentige Torchance. Doch auch diese konnte der Rothosen-Keeper parieren. „Die macht er normalerweise im Schlaf“ (TuS-Sportchef Jan Schönteich) oder „Hier muss es längst 7:2 stehen“ (Martens) hießen die Reaktionen von der Bank.

Vorlagengeber Pascal Nägele macht es selber und erzielt die Halbzeitführung

Quasi mit dem Pausenpfiff gelang den Gastgebern dann doch noch der Führungstreffer. Nachdem Nägele zuvor vier Großchancen vorbereitete, die seine Teamkollegen allesamt nicht verwerten konnten, sorgte der Mittelfeldspieler selbst für die 3:2-Führung (44.). Nach einem Zuspiel von Henrik Dettmann beförderte Nägele das Spielgerät aus rund 20 Metern ins linke untere Eck.

Marcel von Walsleben-Schied schiebt zum 6:2 ein. Foto: Herzog

Im zweiten Durchgang verbesserte sich die Chancenverwertung der Gastgeber etwas, wobei sie weiterhin zahlreiche „dicke Dinger“ liegen ließen. Nach einem weiten Einwurf von Nägele verlängerte Möller den Ball zu von Walsleben-Schied, der aus kurzer Distanz einnickte und nach mehreren vergebenen Chancen sein erstes Tor an diesem Tag erzielte (52.). Nun merkte man den Gästen an, dass sie nach einer engagierten und kämpferisch starken ersten Hälfte etwas nachließen. Nach drei hochkarätigen Torchancen von Möller (2x) und Nägele, war es „Mölli“ der das Ergebnis weiter in die Höhe schraubte. Eine Kopfballabwehr vom HSV nahm Dassendorfs Nummer 7 mit der Brust an und vollendete mit dem linken Fuß ins rechte Eck (70.). Zwei Minuten später erzielte Marcel von Walsleben-Schied mit seinem zweiten Treffer das 6:2. „Das hätte eigentlich schon das 14:2 sein müssen“, schmunzelte Trainer Peter Martens. Den Schlusspunkt setze Finn Thomas, als er den Ball nach einem Doppelpass mit dem eingewechselten Lennart Müller zum 7:2-Endstand in die Maschen drosch (80.).

„Erfolg macht SECHSY“ – Dassendorfer präsentieren ihre Meistershirts

In Anlehnung an den sechsten Titel: Der Slogan „Erfolg macht SECHSY“ steht auf den Meistershirts. Foto: Herzog

In den letzten zehn Minuten passierte nicht mehr viel, außer, dass Thomas seine Chance auf einen Doppelpack liegen ließ (83.). So wurden auf der TuS-Bank die Meistershirts mit dem Slogan „Erfolg macht SECHSY“ ausgepackt und das Bier hervorgeholt. Der Rest war dann eine ausgiebige und feuchtfröhliche Meistersause mit Feuerwerk und lautstarken Gesängen.

Die ersten Glückwünsche zur historischen sechsten Meisterschaft – davon fünf Titel in Serie -, was bisher noch kein Verein in Hamburg jemals schaffen konnte, bekamen die Dassendorfer von den Spielern und Trainern des HSV. „Letztendlich war es glücklich, dass Dassendorf uns am Leben gelassen hat und es nur mit 3:2 in die Halbzeit ging. In der zweiten Hälfte hat uns unser Torwart vor einem deutlich höheren Ergebnis bewahrt. Dassendorf ist der ganz klare Sieger und noch einmal mein Glückwunsch zur Meisterschaft“, zeigte sich HSV III-Trainer Marcus Rabenhorst als fairer Verlierer.

Hoffmann lobt die Siegermentalität, meint aber: „Die Mannschaft spielt nicht am Limit.“

Auf der anderen Seite war die Freude natürlich riesengroß. „Ganz viele Spieler sind schon seit drei, vier Jahren dabei und die haben es einfach drauf. Die haben so eine enorme Siegermentalität, die wollen jedes Spiel gewinnen. Das war dieses Jahr der Hammer und das habe ich bisher nur ganz, ganz selten erlebt“, schwärmte Thomas Hoffmann, die eine Hälfte des Trainer-Duos. „Wir versuchen, allen Spielern eine Chance zu geben und geben ihnen das Gefühl, dass jeder Einzelne wichtig ist und das ist auch so. Natürlich will jeder immer spielen, aber hier gibt es niemanden der angepisst ist, wenn er nicht spielt. Die Jungs stellen die Mannschaft in den Vordergrund und sich persönlich hinten an. Das ist natürlich Granate“, betonte Hoffmann die Geschlossenheit und den Zusammenhalt als Erfolgsfaktor, ehe der Trainer die besondere Art und Weise der insgesamt sechsten Meisterschaft hervorhebt. „Die Dominanz in dieser Saison ist einzigartig. Wenn du nur ein Spiel verlierst und sonst alles gewinnst, ist das überragend. Das ist der Top-Augenblick um zu sagen, wir hören auf. Viel besser geht es gar nicht“, erklärte der Übungsleiter, der nach dieser Saison zusammen mit Peter Martens die TuS Dassendorf verlassen wird.

Dennoch ist „Hoffi“ davon überzeugt, dass es noch besser werden kann. „Ich muss sagen, die Mannschaft spielt nicht am Limit. Und ich kann mir vorstellen, dass sie im nächsten Jahr noch stärker werden. Unter dem neuen Trainer müssen sich alle neu beweisen und es kommen ein paar Neuzugänge hinzu. Wenn das passt, können sie noch stärker werden“, betont der Coach abschließend, ehe er sich mit einem Bier in der Hand in Richtung Meisterfeier machte.

HSV-Anhänger stören die Meistersause – Polizei muss anrücken

Einen Wermutstropfen an diesem historischen Abend gab es leider trotzdem. Einige Anhänger des HSV III störten die Meisterfeier. Beim Verlassen des Platzes am Wendelweg kam es zu Auseinandersetzungen mit TuS-Fans und zu Randalen, bei denen Gegenstände wie Stühle oder Mülleimer zerstört worden und Aschenbecher geflogen sind. Daraufhin alarmierten die TuS-Verantwortlichen die Polizei, die mit sechs Streifenwagen anrückte.

TuS: Gruhne; Warmbier, Karikari, Lenz (68. Ladendorf); Dettmann, Möller; Thomas, Nägele, Kurczynski, Steinfeldt (61. Dittrich); von Walsleben-Schied (72. Müller)
HSV III: Heuer; Henkis, Ulbricht, Wacker, Mann, Michalowski (53. K. Augustinovic); Yasar (77. Krasniqi), Sampaney, M. Augustinovic (70. Ostermann), Ilic; Brendel

Einige Impressionen von Maurice Herzog: