TuS Hamburg vor Abgabe der Roten Laterne – dann folgt der Spielabbruch

Geschockte Gesichter in Wentorf nach dem verletzungsbedingten Spielabbruch. Hier SCW-Verteidiger Nico Ziems. Archivfoto: Herzog

SC Wentorf – TuS Hamburg abgebrochen (Halbzeit 0:1, Abbruch bei 1:1)
Bezirksliga Ost, 11. Spieltag (Fr., 05.10.18, 19.30 Uhr)

Benny Küster hatte sich einen Plan überlegt, wie er seinen TuS Hamburg im Duell beim SC Wentorf vom letzten Tabellenrang hievt. Die Idee des Trainers klingt simpel wie sinnvoll: Erstmals in dieser Spielzeit lief der Ost-Bezirksligist mit einer Fünferkette auf, positionierte elf Mann in der eigenen Hälfte und lauerte auf Konter. „Das hat gut funktioniert“, sagte Küster, der eine deutliche Leistungssteigerung zum schwachen 3:8 gegen den SC Vier- und Marschlande eine Woche zuvor gesehen hatte: „Gegen SCVM bekamen wir nach ein, zwei Minuten Angst. Dieses Mal standen wir viel stabiler und strukturierter.“ Das sollte sich vor allem in Durchgang eins auszahlen. Dass es am Ende vor 53 Zuschauern (wohl) nicht zu Punkten reichte, lag dabei nicht an der eigenen Leistung. Vielmehr geriet das fußballerische letztlich leider zur Nebensache.

Der TuS reiste mit lediglich 12 Mann nach Wentorf. Küster musste auf zahlreiche Dauerverletzte sowie gleich sieben junge Leute, die bis abends im Einzelhandel tätig sind, verzichten. Es ging sogar so weit, dass mit David Swatek ein Trainer auflaufen und mit Nihat Karakaya ein Akteur aus der Zweiten ausgeliehen werden musste. „Das alles hat Wentorf aber irgendwie vor Schwierigkeiten gestellt“, freute sich der TuS-Trainer. Noch nichtmal eine Minute war gespielt, da sorgte Soultane Tanko für die erste Torannäherung. Auch 20 Zeigerumdrehungen später war es Tanko, dessen Chance aber vom Wentorfer Verteidiger Jurij Braun vereitelt werden konnte. „TuS stand mit der Fünferkette brutal stark. Unser Spiel ist es eigentlich, mit unseren schnellen Spielern die offenen Räume zu nutzen, die wurden uns aber nicht gegeben“, lobte SCW-Trainer Slavec Rogowski den Gegner für die Leistung in Abschnitt eins.

Außenseiter geht in Führung – es folgt eine deutliche Leistungssteigerung des SCW

Der Halbzeitstand in Wentorf. Foto: TuS

Erst mit der dritten Gelegenheit vollendeten die Gäste. Nach einem Absprachefehler der SCW-Innenverteidigung Nico Ziems und Martin Floredo bekam der dahinter positionierte Moritz Kahl den Ball und brauchte nur noch aus einem Meter einschieben (37.). Führung für den Außenseiter! „Das war zu dem Zeitpunkt auch verdient“, befand Küster. Kurz vor der Pause verpasste Aushilfsspieler Swatek es, auf 2:0 zu erhöhen (40.). „Es hätte zur Pause durchaus auch 2:0 oder 3:0 stehen können“, so der TuS-Coach, der im gleichen Atemzug dann aber zugab: „Wentorf war für ihre Verhältnisse in der ersten Hälfte schwach, nach dem Wiederanpfiff haben sie uns aber extrem unter Druck gesetzt.“ Für die deutliche Leistungssteigerung nach der Halbzeit belohnten sich die Gastgeber prompt. Der starke Jonas Ebel zog von links in die Mitte, fasste sich ein Herz und knallte den Ball aus 20 Metern unter die Latte (51.). „Ein Sonntagsschuss!“, befand TuS Hamburgs Trainer Küster, der fünf Minuten später schlimmes zu sehen bekam. Die Wentorfer wurden immer stärker, schoben ihre Ausrichtung noch weiter nach vorne. „Wir wollten mit schnellem Passspiel durch die enge Defensive. Das hat brutal gut funktioniert“, empfand SCW-Trainer Rogowski.

Verletzungsbedingter Spielabbruch nach gut einer Stunde

Nach 60 gespielten Minuten kam es in der TuS-Spielhälfte zu einem „harmlosen, unglücklichen Zweikampf“ (Küster) zwischen Wentorfs Yannick Drews und Gästespieler Ivan Bajlovic. Drews prallte mit der Schulter an die Schläfe von Bajlovic, der zu Boden ging. Der TuS-Abwehrspieler war zwei, drei Minuten bewusstlos, hatte seine Zunge verschluckt. Einige Helfer, darunter auch Wentorfs Trainer Rogowski, versuchten, erste Hilfe zu leisten, bekamen die Zunge nach gut zwei Minuten aus dem Hals. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte Rogowski geschockt. Der Spieler wurde mit Notarzt und Krankenwagen abtransportiert. Die BOLZJUNGS wünschen gute Besserung! „Die Jungs hatten alle weiche Knie“, erklärte Küster. Die Mannschaft fühlte sich nicht bereit, weiterzuspielen. Es folgte nach einer zwölfminütigen Unterbrechung der Spielabbruch und glücklicherweise noch am späten Abend eine erste Entwarnung durch Trainer Küster: „Die erste Diagnose aus dem Krankenhaus besagt, dass es zum Glück wohl nur eine Gehirnerschütterung ist.“ An diesem Freitagabend ist trotz der sportlich heiklen Situation des TuS der Fußball zur Nebensache geworden.

Wie es weiter geht, ist derzeit noch offen. Wentorfs Rogowski betonte aber: „Jetzt muss der Verband entscheiden. Ich schätze, das Spiel wird wiederholt. Ich würde es sportlich total daneben finden, wenn wir das Spiel 3:0 für uns gewertet bekommen, nur weil der Gegner nicht mehr weiterspielen wollte.“

SCW: Runge; Braun, Ziems, Floredo, Lohdamm; Drews, Fröck, Dehn, Ebel; Mauersberger; Stegen
TuS: Neuhaus; Lilje, Bajlovic, Dreyer, Schulz, Günther; Kahl, Redzepi, Reif, Tanko; Swatek