Urteil mit Überraschungspotenzial

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Dieser Vorfall sorgte für viel Aufregung im Hamburger Amateurfußball. Am 13. Spieltag (Fr., 20.10.17) wurde die Kreisliga-Partie zwischen dem Oststeinbeker SV und dem SV Hamwarde beim Stand von 3:0 für die Gastgeber aufgrund einer Schlägerei im Kabinengang in der Halbzeitpause abgebrochen. Die Spieler Deniz Herber und Hamza Mokeddem (OSV) sowie Hauke Dähn und Rene Pinnow auf Seiten der Hamwarder waren die ersten Spieler, die den Kabinengang erreichten. Dort kam es zu einem lauten Tumult inklusive Handgemenge, bei dem Herber angeblich einen Faustschlag an Pinnow verteilte. Nachdem sich die Rudelbildung nach circa zwei Minuten beruhigt hatte, weigerten sich die Hamwarder Spieler, die Partie fortzusetzen.

Nun trafen sich beide Parteien vor dem Sportgericht des Hamburger-Fußball-Verbandes wieder. Dieser mit Spannung erwartete Termin hatte einiges an Überraschungspotenzial zu bieten. Dass das Spiel mit drei Punkten und 3:0-Toren für den OSV gewertet würden werde, war zu erwarten, da das Spiel auf „Verweigerung“ vom SV Hamwarde abgebrochen wurde. Doch, dass die Oststeinbeker Spieler Deniz Herber und Hamza Mokeddem ohne Strafen davon kommen, da das Sportgericht die Verfahren gegen die beiden einstellte, war nicht zu erwarten. „Allerdings behalten wir uns vor, bei neuen Ergebnissen der Polizei das Verfahren gegen die beiden Spieler wieder neu aufzurollen“, gab der erste Vorsitzende des Sportgerichts, Christian Koops, abschließend zu Protokoll. Da ein Spieler vom SVH Strafanzeige gestellt hatte, ermittelt parallel die Polizei. Des Weiteren muss der SV Hamwarde 150€ Strafe wegen Spielabbruchs und 37€ Verfahrenskosten zahlen.

Vorangegangen waren Statements der Vereinsoffiziellen Michael Baaß (OSV-Ligaobmann) und Matthias Bartsch (1. Vorsitzender des SVH), Zeugenaussagen von Spielern beider Mannschaften und Zuschauern vom OSV sowie ein kurzer Beitrag vom Schiedsrichter-Assistenten Christopher Kahl. „Wir sind nicht hier, um Oststeinbek die Punkte zu klauen. Wenn es um Körperverletzung geht, muss das geklärt werden. Das ist der Punkt“, betonte Matthias Bartsch vor der Urteilsverkündung. Michael Baaß rief hingegen zur allgemeine Zurückhaltung auf:„Ich finde diese ganze Sache einfach nur ätzend. So etwas brauchen wir nicht. Wir sollten die Ermittlungen der Polizei erst einmal abwarten.“ Während der Verhandlung gab ein Wort das andere. Beide Seiten widersprachen sich. Es stand Aussage gegen Aussage. Die „angeklagten“ Spieler wiesen jede Schuld von sich.

Nach der Urteilsverkündung hatten sie auf Seiten der Hamwarder aber keinen Grund zur Zurückhaltung mehr. „Widersprüchlicher auf Seiten des OSV ging es gar nicht. Es geht mir nicht um das Sportliche, das möchte ich betonen. Ich bin enttäuscht, dass die betroffenen Personen nicht dazu stehen, was sie getan haben. Wenn es um Körperverletzung geht, müssen die Personen zur Rechenschaft gezogen werden“, erklärte ein sichtlich schockierter Erdinc Özer, Trainer des SV Hamwarde, der die Ausmaße der Entscheidung hinterfragte. „Was bedeutet das nun für andere Mannschaften? Dass solche Vorfälle nicht bestraft werden?“ Auf Seiten des OSV freuten sie sich hingegen über das Urteil und die Punkte.

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