Von Bielefeld nach Dassendorf: Das Fußballjahr 2017 des Maximilian Dittrich 

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Lange überlegen musste er nicht. „Aufregend, durch den Wechsel und dass mein Leben sich enorm verändert hat. Spannend, dadurch, was in meinem Umfeld passiert ist. Erfolgreich, weil ich meine Ziele erreicht und sie sogar übertroffen habe“, resümiert Maximilian Dittrich sein Fußballjahr 2017.

Der 21-jährige Offensivspieler des Hamburger Oberliga-Serienmeisters TuS Dassendorf hat ein äußerst ereignisreiches Jahr hinter sich. Da wäre die Zeit bei Arminia Bielefeld II, die Rückkehr in die Heimat und der damit verbundene Wechsel nach Dassendorf sowie das mehr als erfolgreiche erste Halbjahr bei der TuS zu nennen.Doch wer denkt, dass sich Dittrich von dem Hype um seine Person, der in den letzten Wochen und Monaten entstanden ist, in irgendeiner Art und Weise anstecken lässt, der muss sich geschlagen geben. Bodenständig und mit einem klaren Kopf beleuchtet der Flügelflitzer seine ersten Monate in Dassendorf.

„Es war eine super Zeit für mich.“

Doch die Zeit in Bielefeld, die der ein oder andere Außenstehende als gescheitert betrachtet, da Dittrich den Sprung in die erste Mannschaft nicht geschafft hat, will der 1,87 Meter große Mittelfeldspieler nicht missen. „In den zwei Jahren in Bielefeld habe ich große Schritte in meiner Entwicklung gemacht. Gerade inder Athletik habe ich mich verbessert. Es waren super Möglichkeiten dort. Ich konnte jeden Tag etwas machen. Es war eine super Zeit für mich. Dementsprechend gab es keine negativen Sachen, auf die ich zurückblicken kann“, erklärt „Maxi“ zufrieden, der noch viele Kontakte nach Bielefeld pflegt. „Letzte Woche hatte mein Opa Geburtstag und der wohnt in der Nähe von Bielefeld. Da bin ich zwei Tage vorher hingefahren, um übers Wochenende bei meinen Jungs zu sein.“

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Dass es aber nicht zum großen Wurf und dem damit verbundenen Durchbruch zur Profimannschaft kam, lässt sich Maxi nicht einreden. „Ich selber mache mir da keine Vorwürfe. Ich habe immer alles gegeben und am Ende braucht man eben auch ein bisschen Glück. Aber man kann ja nie doof genug denken. Wäre man einmal weniger feiern gegangen an einem Freitag, wo man Sonntag ein Spiel hatte und dann hätte man 20 Prozent mehr gegeben, und ausgerechnet bei dem Spiel hätte ein Verantwortlicher zugeschaut. Man weiß es ja nie. Dennoch habe ich viel gemacht und diszipliniert gelebt“, blickt Dittrich zurück, dessen großer Traum es war, dem Profifußball in Bielefeld ganz nahe zukommen.

Doch zu mehr als ein, zwei Einheiten beim Perspektivtraining mit den Auswechselspielern der Profimannschaft aus der zweiten Bundesliga kam es nicht. So reifte der Entschluss, Bielefeld nach zwei Jahren wieder zu verlassen und zurück nach Hamburg zu gehen. „Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mir dachte, Bielefeld bringt nichts mehr. Das Perspektivtraining hat einen auch nicht mehr weiter gebracht. Das Ziel von der U23 war es, in die Regionalliga aufzusteigen. Doch da ist nichts draus geworden, weil wir nicht konstant genug waren. Und dann habe ich mir gesagt, Oberliga kann ich auch in Hamburg spielen und so kann ich auch meine Ausbildung nebenbei machen“, erklärt der Offensivspieler seine Rückkehr zurück nach Hamburg.

Dassendorf sticht Curslack aus

Dort hatte er dann die Qual der Wahl. Neben mehreren Angeboten aus der Oberliga stand der 21-Jährige auch mit zwei Vereinen aus der Regionalliga im Kontakt. „Ich hatte Anfragen aus Norderstedt und Lüneburg. Doch das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag stimmte dort nicht. Deswegen habe ich mich dann für einen ambitionierten Oberligaverein entschieden“, gibt der gebürtige Hamburger Einblicke in seine Vereinsauswahl. Dass es am Ende Dassendorf wurde, war nicht von Anfang an klar. Staffelkonkurrent SV Curslack-Neuengamme hatte großes Interesse an einer Verpflichtung. Die Gespräche mit den Offiziellen liefen bereits. Doch dann kam der Anruf aus Dassendorf. „Als Dassendorf sich gemeldet hat, dachte ich mir, dass es ja nichts kostet, sich auch das einmal anzuhören. Das hat sich dann alles so gut angehört und sie haben mich mit ihrem Konzept völlig überzeugt“, nennt Dittrich die Beweggründe für seinen Wechsel zur TuS.

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Ausschlaggebend war am Ende die erhöhte Herausforderung, sich beim Serienmeister durchzusetzen. „In Dassendorf habe ich von mehreren Leuten gehört, dass es nicht einfach wird. Viele hatten Zweifel daran, ob ich überhaupt spielen werde. Aber solche Situationen mag ich, um die Leute eines besseren zu belehren“, erläutert „Dasses“ Außenspieler mit der Nummer 11, der trotz der starken Konkurrenz von Anfang an wusste, was er will. „Ich wollte auf meine Spielzeiten kommen und nicht am Ende auf der Bank sitzen und mir selber sagen, wäre ich doch bloß zu Curslack gegangen. Ich wollte meine Scorerpunkte machen und der Mannschaft weiterhelfen, sodass man am Ende sagen kann, dass es ein guter Transfer war, der uns weiterhilft.“

Nun sind 19 Spiele in der Oberliga absolviert, in denen Maximilan Dittrich seinen Teil zur erfolgreichen Hinrunde beitragen konnte und es lässt sich jetzt schon sagen: Das war ein guter Transfer – ein sehr guter sogar. In 19 Partien stand Dittrich 17 Mal in der Startelf und konnte dabei 14 Tore erzielen. „Ich habe mir ja meine Ziele gesetzt und gesagt, dass ich einige Tore machen will. Dass es jetzt so gut läuft, hätte ich am Anfang natürlich nicht gedacht“, freut sich der Torjäger.

 „Dassendorf ist wie eine große Familie.“

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Doch nicht nur sportlich, sondern auch menschlich, läuft es in Dassendorf. „In den Mannschaften, in denen ich bisher gespielt habe, gab es Grüppchenbildungen. Doch in Dassendorf ist das wie eine große Familie. Jeder hilft jedem und es gibt keinen, mit dem ich mich nicht verstehe“, schwärmt Dittrich, der besonders zu einem Spieler eine spezielle Beziehung pflegt. „Bei den Laufeinheiten laufen wir zusammen und unterhalten uns über alte Zeiten und Geschichten aus seiner Profilaufbahn. Doch nebenbei ist er auch einer, der mir nach den Spielen Ratschläge gibt und mir sagt, was ich gut mache. Aber auch, was ich verbessern kann. Das von einem ehemaligen Profi zu hören, pusht einen natürlich und gibt mir Rückhalt“, erläutert Maxi die Beziehung zu Marcel von Walsleben-Schied.

Diesen Rückhalt erhält er nun auch wieder von seiner Familie und seinen Freunden. Das war in Bielefelder Zeiten noch anders. „In Bielefeld haben mich meine Freunde in den zwei Jahren fünf, sechs Mal besucht. Hier in Dassendorf stehen die Jungs bei jeder Partie am Spielfeldrand. Wenn du mit denen nach dem Spiel gemütlich ein Bierchen trinken und über das Spiel philosophieren kannst, ist das natürlich schon cool. Ich habe jetzt einen geregelten Tagesablauf. Das ist ein gutes Gefühl“, freut sich Dittrich über die Nähe zu seinen Freunden.

Nach seiner Rückkehr in die Hansestadt und dem Start seiner beruflichen Ausbildung hat sich für Maximilian Dittrich auch der Wert des Fußballs geändert. „Mein Leben hat sich wirklich um 180 Grad gedreht. Ich musste mich am Anfang auch erstmal daran gewöhnen und hatte auch Angst, dass meine Leistung darunter leidet. In Bielefeld hatte ich zehn bis zwölf Stunden Schlaf und war jeden morgen fit. Jetzt stehe ich morgens um fünf Uhr auf und arbeite acht Stunden, bevor es zum Training geht. Mittlerweile ist der Fußball ein Ausgleich, auf den ich mich nach der Arbeit richtig freue“, gibt Maxi Einblicke in seinen Tagesablauf.

„Wenn ein Angebot kommt, was man nicht ausschlagen kann, muss ich mir Gedanken machen.“

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Ob sich dieser im kommenden Jahr wieder ändert, ist aus heutiger Sicht noch nicht abzusehen. „Momentan haben sich schon zwei Regionalligisten bei mir gemeldet. Das steht aber aktuell nicht zur Debatte. Ich möchte erst einmal meine Ausbildung beenden. Nur wenn ein Angebot kommt, was man definitiv nicht ausschlagen kann, muss ich mir Gedanken darüber machen. Doch dazu ist es bisher nicht gekommen“, betont Dittrich, der sich für die Rückrunde mit seinem Verein ehrgeizige Ziele setzt. „Ich möchte auf jeden Fall so weiter machen wie bisher und nicht nachlassen. Insgesamt möchte ich am Ende der Saison schon um die 25 Tore auf dem Konto haben. Des Weiteren ist die Meisterschaft unser klares Ziel. Ich würde mich aber auch riesig freuen, wenn wir in meinem ersten Jahr in Dassendorf den Pokal gewinnen können und uns für den DFB-Pokal qualifizieren.“

Trotz dieses beeindruckenden Jahres hat Maximilian Dittrich noch nicht genug und will sich weiter verbessern und den nächsten Schritt machen. „Ich bin sportlich sehr motiviert und habe das Thema Profifußball noch nicht abgeschlossen. Ich gehe meinen Weg weiter und was kommt, das kommt“, gibt Dittrich abschließend zu Protokoll – und das wieder, ohne lange zu überlegen.