Von Billstedt über Altengamme nach München: Vorwärts-Wacker schlägt den SVA mit 5:2

Das Team des SC Vorwärts-Wacker 04 Billstedt feiert mit dem vierfachen Torschützen Emran Ates (Nr.11). Foto: Herzog

SV Altengamme – SC Vorwärts-Wacker 04 Billstedt 2:5 (2:2)
Landesliga Hansa, 11. Spieltag (Di., 09.10.18, 19.30 Uhr)

Immer wieder rief er rein „Lasst erst den Ball klatschen und spielt dann nach München“. Nach einigen Wiederholungen dieser Anweisung von Trainer Hamid Derakhshan fragten sich einige Anhänger unter den insgesamt 128 Zuschauern am Gammer Weg beim Nachholspiel des 11. Spieltags zwischen dem SV Altengamme und dem SC Vorwärts-Wacker 04 Billstedt, was der Coach der Gäste denn mit seiner Anweisung meinen könnte. „Das ist eine taktische Marschroute. Die Jungs wissen was damit gemeint ist. Ich werde es aber jetzt nicht alle anderen wissen lassen“, erklärte der Trainer des SC Vorwärts-Wacker mit einem Grinsen im Gesicht.

Stets engagiert und lautstark an der Seitenlinie: Wacker-Trainer Hamid Derakhshan. Foto: Herzog

Und die Marschroute „München“ hatte Erfolg. „Diese Taktik war heute super wichtig und hat in der ersten Halbzeit zu den beiden Treffern geführt“, erklärte Derakhshan zufrieden. Zufrieden konnte der Übungsleiter auch mit dem Ergebnis sein. Seine Mannschaft konnte den Kunstrasenplatz in Altengamme am gestrigen Abend nach einem 5:2 als Sieger verlassen. „Wir haben uns in den vergangenen Wochen gesteigert. Und heute haben wir uns in der zweiten Halbzeit belohnt und völlig verdient gewonnen“, bilanzierte der Coach. Doch dieser deutliche Sieg der Gäste war in der ersten Hälfte nicht unbedingt abzusehen. Zwar gingen die Billstedter früh durch Emrah Ates – der sich im weiteren Verlauf zum Mann des Abends entwickelte – in Führung (5.). Doch die Hausherren kamen schnell zurück. Nach einem direkt verwandelten Freistoß aus gut 25 Metern von Jannis Reinhardt (11.) drehte Sandro Schraub in der 29. Minute mit seinem sechsten Saisontreffer das Spiel zum 2:1.

Mann des Spiels: Wackers Emrah Ates erzielt vier Tore

Und Schraub war es auch, der 60 Sekunden später erneut traf und den vermeintlichen Doppelschlag innerhalb von zwei Minuten ermöglichte. Doch der gute Schiedsrichter Emil Larsen Reicherz (TuRa Harksheide) entschied auf Abseits. Statt dem dritten Altengammer Treffer fiel der 2:2-Ausgleich. Nach einem schönen Pass von Sid Ziskin erzielte Ates seinen zweiten Treffer (31.). Mit diesem Ergebnis ging es auch in die Pause, da SVA-Stürmer Schraub sechs Minuten vor der Halbzeit am linken Innenpfosten scheiterte (39.). Nach der Pause ging es in einem unterhaltsamen Landesliga-Spiel weiter mit viel Tempo nach vorne. Beide Mannschaften spielten auf dem kleinen Kunstrasenplatz mit viel Druck nach vorne. So fiel der erste Treffer im zweiten Durchgang schon nach drei Minuten.

Bejubelte seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 2:1: Sandro Schraub. Foto: Herzog

Und so langsam war klar, wer an diesem Abend der Matchwinner sein wird. Emrah Ates erzielte mit einem Schuss aus etwa 18 Metern seinen dritten Treffer und stellte somit die Gäste-Führung wieder her (48.). Diese gaben die druckvollen Gäste im weiteren Spielverlauf auch nicht mehr her. Nach einer ausgelassenen SVA-Chance durch Schraub (60.) erhöhten die Gäste auf 4:2 (62.). Und es war ja mittlerweile schon klar, wer den Treffer erzielte: Emrah Ates machte seinen Viererpack perfekt. „Ich hatte lange nicht mehr getroffen. Heute lag mir das alles auf dem Fuß und das musste mal raus“, gab der Mann des Spiels mit einem zurückhaltenden Strahlen zu Protokoll.

Erst Alpen, dann Schraub: Zwei Platzverweise für den SVA

In Folge schwächten sich die Gastgeber selbst. Nach einem harten Einsteigen von Philip Alpen an Hüseyin Karaca sah der Altengammer vom Referee die Rote Karte (64.). Die Verzweiflung des SVA war zu spüren. „Was sollen wir machen?“, fragte etwa Kapitän Dominik Scheu seinen Trainer Jörn Geffert (65.). Doch augenscheinlich hatte der Trainer auch nicht mehr die richtigen Mittel griffbereit. So musste in der 74. Minute der nächste Altengammer vom Platz. Der bereits gelb verwarnte Sandro Schraub wurde nach einem vermeintlich harmlosen Einsteigen mit Gelb-Rot vorzeitig in die Kabine geschickt. Als „lächerlich“ empfand Coach Geffert den Platzverweis für seinen auffälligen Stürmer. Die dezimierten Hausherren mussten vier Minuten vor dem Ende noch mit ansehen, wie sie das fünfte Gegentor bekamen. Etwa Emrah Ates zum fünften? Nein, dieses Mal war es Hüseyin Karaca, der mit einem Distanzschuss ins lange Eck den 5:2-Endstand herstellte (86.).

Hatte vor allem in der zweiten Halbzeit ordentlich was zu hadern: SVA-Coach Jörn Geffert. Foto: Herzog

„Wir haben den Kampf hier angenommen. Das ist nicht selbstverständlich, weil wir eine junge Mannschaft haben, die eigentlich über das Fußballerische kommt“, betonte Wacker-Trainer Derakhshan, um anschließend in die Analyse zu gehen. „In den ersten 15 bis 20 Minuten hatten wir unsere Probleme. Die Altengammer waren sehr präsent. Doch nach einer Umstellung hat das gut geklappt. Dass das so schnell geklappt hat, habe ich aber nicht gedacht. Ich bin sehr stolz auf die Jungs“, resümierte Derakhshan. Sein Gegenüber sah trotz zweier Platzverweise und der deutlichen Niederlage keinen Grund für eine Brandrede. „Das war ein tolles Spiel mit zwei tollen Mannschaftsleistungen“, sagte Jörn Geffert. Doch der Grund für die Niederlage lag für den Coach auf der Hand. „Mit dem schnellen 3:2 für Wacker nach der Halbzeit, was eigentlich wir erzielen wollten, ist das Spiel gekippt. In Folge mussten wir uns mit Dingen aufhalten, die wir nicht können“, erklärte der Coach und sprach am Ende von einer „verdienten Niederlage.“

SVA: Golinske; Behr, Scheu, Schulz (70. Glitza); Voß, Czech (57. Reimers); Herzberg, Reinhardt (77. Obrembalska), Alpen; Schraub, Heitmann
VW: El Kahil; Ha. Karaca (84. Andric), Bogunovic, Dülsen, Crentsil; Sarikaya; Ziskin, Ghubasaryan (67. Yalcin), Hü. Karaca (90. Adjei-Bediako), Ileri; Ates