Von den Vierlanden in die Staaten: Das Ami-Märchen des jungen SVCN-Keepers Carlos Tofern

Der 20-jährige Vierländer Carlos Tofern im Trikot der University of Bridgeport. Foto: Privat

Seit der 10. Klasse schon träumte Carlos Tofern, ein Nachwuchs-Torwart aus den beschaulichen, ruhigen Vierlanden, von einem Fußballstipendium in den großen USA. „Ich habe damals von einem Bekannten von dieser Möglichkeit gehört. Zuerst wusste ich gar nicht, was das genau ist. Aber schon nach einer kurzen Recherche war mir klar, dass ich genau das machen will“, erzählt der ehemalige junge Schlussmann des Oberligisten SV Curslack-Neuengamme, der Anfang 2017 erfolgreich an die University of Baltimore im US-Bundesstaat Maryland vermittelt worden war. Der Traum vom Fußballstipendium, er schien real zu werden. Doch dann folgte im Mai der ganz große Schock. Tofern zog sich eine Hüftverletzung zu. Zwei Operationen im Juni (Hüftimpingement, d.h. die Passform von Gelenkkopf und -pfanne ist gestört) und September 2017 bedeuteten das bittere Aus. „Das war definitiv ein Schock für mich. Aber ich habe immer daran geglaubt, dass ich es schaffen kann und das hat mich zu der Zeit stark gemacht“, erklärt Tofern im Gespräch mit BOLZJUNGS. Und siehe da: Dieser eiserne Wille ist nur ein Jahr später belohnt worden. Seit August diesen Jahres lebt der heute 20-Jährige in den Staaten – das Ami-Märchen des jungen SVCN-Keepers Carlos Tofern.

Tofern: „Ohne ihn hätte ich diese Chance wohl nie wahrnehmen können.“

Carlos Tofern im Jersey der „UB“. Foto: Privat

Das Fußballspielen gelernt hat der Blondschopf direkt vor seiner Haustür beim SC Vier- und Marschlande. Erst in der C-Jugend zog es ihn in die höchste Hamburger Spielklasse zum SV Nettelnburg/Allermöhe, anschließend in die B-Jugend des SV Curslack-Neuengamme – und von dort aus wieder zurück zum „Heimatklub“ SCVM. Es folgte die Zeit, die ihn fußballerisch am meisten geprägt hat. Bei seinem Jugendverein SCVM durfte Tofern mit den Oberliga-Herren mittrainieren. Mit nur 16 Jahren. Sein damaliger Torwarttrainer: Andreas Poschmann. „Er hat mir das meiste beigebracht und ohne ihn hätte ich wohl nie diese Chance wahrnehmen können“, ist der 20-Jährige vollen Lobes für seinen damaligen Mentor. Auch von seinem Mitstreiter Kai Erschens konnte er sich einiges abgucken. In der A-Jugend zog es ihn dann aber doch noch einmal zum Nachbarn SVCN, wo ihm schließlich auch der Sprung in den Oberliga-Kader gelang. „Im nächsten Jahr wollte ich dann in die USA gehen“, sagt Tofern. Daraus wurde jedoch, wie anfangs beschrieben, nichts. So musste er sich zurück kämpfen – mit Erfolg.

Der Vierländer ließ eine Chancenauswertung bei einer Kölner Agentur machen und reiste nach dem positiven Feedback dieser nach Duisburg. Dort nahm er nach den bereits vorab absolvierten SAT- und Toefl-Tests (Englisch-Prüfungen) an einem zweitägigen „Showcase“ teil. Dort spielte der Keeper in zwei zusammengewürfelten Teams mit rund 70 Akteuren aus Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz um die Stipendienplätze. Im Zuge dieses Events kam Tofern auch erstmals mit dem Trainer der University of Bridgeport, Connecticut in Kontakt. Die Stadt mit 150.000 Einwohnern liegt eine Autostunde nordöstlich von New York – und ist seit August das Zuhause des 20-Jährigen. Tofern teilt sich mit einem Schweden, der auch in seiner Mannschaft spielt, sein Zimmer auf dem Campus. „Ich war bereits des Öfteren in New York, im Zuge von Auswärtsspielen bekam ich auch schon die Möglichkeit, Washington und das Weiße Haus zu sehen“, berichtet Tofern.

Nächstes Jahr Playoffs, langfristiges Ziel MLS? – „Klar ist der Traum da!“

Siegerfoto in der Kabine mit Carlos Tofern. Foto: Privat

Der Keeper steht für seine Universität in der „ECC“ (East Coast Conference) in der Division 2 zwischen den Pfosten. Die Liga sei auf dem Niveau der Hamburger Ober- bzw. Landesliga, die Gegner sind andere Unis aus der Region. Tofern konnte sich als Nummer eins durchsetzen. „Allerdings haben wir leider die Playoffs knapp verpasst durch ein 0:0 in der Verlängerung gegen unseren direkten Konkurrenten Queens“, ärgert er sich. Logischerweise ist sein Ziel für die kommende Spielzeit, „ganz klar die Playoffs zu erreichen! Ich will wissen, was für mich persönlich möglich ist und was ich erreichen kann.“ Wenn Tofern nicht gerade auf dem Platz steht, besucht er im Rahmen seines „Business Administration“-Studiums die Vorlesungen in den Hörsälen. Beendet der Vierländer seinen Bachelor, ist er insgesamt vier Jahre in den USA gewesen. „Ich weiß nicht, was danach passiert. Ich gucke, was die Zukunft bringt, aber irgendwann möchte ich wieder nach Deutschland zurück“, so Tofern, der seine heimischen Vierlanden vermisst.

Im Zuge der Feiertage ist er für insgesamt rund einen Monat bei seiner Familie. Der Schlussmann: „Ich bin glücklich, nun über Weihnachten wieder hier zu sein und alle wiederzusehen. Das ist meine Heimat.“ Er besuchte die Weihnachtsfeier seines Jugendklubs SC Vier- und Marschlande, pflegt weiterhin den Kontakt zu Freunden und Ex-Mitspielern wie Kai Erschens oder Christoph Hammel. Am 19. Januar geht’s zurück in die Staaten. Dort will Tofern dann ins Training zurückkehren. Ist die MLS (Major League Soccer), die höchste Spielklasse in den USA, das große Ziel? „Klar ist der Traum da. Aber ich weiß auch, dass es nicht einfach ist. Ich habe den Weg USA gewählt, weil ich wissen will, was in einem sehr professionellen Umfeld möglich ist. Ich arbeite drüben täglich hart und mache viele Extra-Einheiten“, so der 1,87-Meter-Keeper. Und wer weiß, vielleicht wird ja auch dieser Wunsch Wirklichkeit. Doch erst einmal durchlebt der Vierländer Carlos Tofern seinen großen Traum vom Fußballstipendium in den USA.