Von der Landesliga in die Regionalliga: Johann von Knebel hat den großen Schritt erfolgreich gemeistert

Johann von Knebel (li.) erzielte in dieser Aktion gegen den VfL Oldenburg sein erstes Regionalliga-Tor für Eintracht Norderstedt. Foto: noveski.com

Als Rainer Seibert am 30. April diesen Jahres den schreibenden Redakteur über den anstehenden Wechsel seines damaligen Spielers Johann von Knebel zum Regionalligisten FC Eintracht Norderstedt informierte, war nicht nur der Redakteur selbst überrascht, sondern auch die Leserschaft aus unserem Verbreitungsgebiet nach der Veröffentlichung dieses Wechsels. Ein 20-Jähriger wagt nach nur einer Saison Landesliga beim FC Voran Ohe den Schritt in die Regionalliga, ohne dabei Erfahrungen in der Oberliga gesammelt zu haben? Das kann nur schief gehen, dachten sich damals sicher einige. Doch 241 Tage nach der Bekanntgabe dieses Wechsels sind diese Zweifler eines besseren belehrt worden.

Johann von Knebel (li.) im Trikot seines ehemaligen Vereins FC Voran Ohe (hier gegen Louis Mandel, Rahlstedter SC). Foto: Herzog

Johann Magnus Kilian Ludwig von Knebel Doeberitz, so der vollständige Name des heute 21-Jährigen, hat den Sprung von der Landesliga in die vierthöchste Spielklasse schneller gemeistert als gedacht. In 22 Punktspielen stand von Knebel 16 Mal auf dem Platz, dabei neunmal von Anfang und fünfmal über die volle Distanz. Der Youngster steuerte ein Tor und vier Vorlagen bei. „Wenn man sich meine bisherige Spielzeit ansieht, kann ich glaube ich zufrieden sein. Jetzt gilt es, das zu bestätigen und die Leistungen konstant abzurufen“, bestätigt der Mittelfeldspieler den positiven Eindruck im Gespräch mit BOLZJUNGS. Dass von Knebel diesen Schritt ohne große Anlaufzeit gemeistert hat, überrascht vor allem, weil er nur ein Jahr in der Landesliga Erfahrungen gesammelt hat und die Oberliga übersprungen hat. Ob das ein Problem sei? „Nein, keineswegs“, lautet die Antwort von dem in Hamburg-Barmbek lebenden von Knebel.

Johann von Knebel: „Die Spiele und das Training sind wesentlich schneller und intensiver.“

Der Sportmanagement-Student ist vom Umfeld und der Mannschaft seiner neuen sportlichen Heimat vollends angetan. „Ich wurde super aufgenommen. Von Anfang an habe ich viele Tipps bekommen und auch viel positives Feedback erhalten, sowohl vom Trainerteam als auch von meinen Mitspielern“, erzählt von Knebel, um anzufügen: „Natürlich ist das Drumherum in Norderstedt etwas anders zu betrachten, da es natürlich noch etwas professioneller zur Sache geht. Allerdings ist auch hier das Umfeld sehr familiär und wir harmonieren als Team sehr gut.“ Mit den Umstellungen im Vergleich zur Landesliga ist von Knebel ebenso gut klar gekommen. „Die Spiele und das Training sind an sich natürlich wesentlich schneller und intensiver, aber das habe ich so auch erwartet“, sagt der Mittelfeldspieler.

Johann von Knebel hat die Ruhe am Ball – hier gegen Holstein Kiel II. Foto: noveski.com

Familiär war sein Umfeld auch schon bei seinen vorherigen Stationen in der Jugend des ETSV Hamburg, wo er auch seine erste Herrensaison absolvierte, ehe er für ein Jahr zum FCVO in die Landesliga wechselte. „Johann kam aus der Bezirksliga zu uns und war von Anfang an körperlich sehr stark. Doch er hatte keinen Stammplatz bei uns, da wir im Mittelfeld gut besetzt waren. Zudem hatte er Pech, dass er mit einer Handverletzung ausgefallen war. Seine Stärken im Eins-gegen-eins waren von Anfang an sichtbar und er war immer sehr präsent. Allerdings hat sich Johann zu spät vom Ball getrennt“, erinnert sich Ohe-Trainer Rainer Seibert an den Youngster, ehe er ins Schwärmen gerät. „In den letzten acht Spielen, die er für uns gemacht hat, war er für uns unentbehrlich. Von seinem Charakter her ist er vorbildlich. Seit seinem Wechsel war er zwei, dreimal bei uns und er ist nach wie vor sehr bescheiden. Johann weiß, wo er her kommt“, lobt Seibert seinen ehemaligen Schützling, der noch Kontakte nach Ohe pflegt. „Ich versuche so oft es geht vorbeizuschauen und stehe natürlich noch mit einigen Jungs in Kontakt“, betont von Knebel.

Dirk Heyne: „Er ist den vergangenen Spielen ein absoluter Leistungsträger für uns gewesen.“

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Christopher Leitlof, der von Knebel in der Jugend des ETSV Hamburg ab der C-Jugend trainiert und in die Herren geführt hat. „Johann war schon immer extrem ballsicher, doch in der Jugend hatte er das Problem, dass andere körperlich weiter waren. Das konnte er aber aufholen und seine Ballsicherheit hat er behalten. So hat er den Sprung schlussendlich dann geschafft“, erklärt Leitlof, der sich über die Entwicklung seines ehemaligen Spielers sehr freut. „Dass er nun bei Eintracht Norderstedt in der Regionalliga spielt, ist eine echt coole Geschichte für ihn und darüber freue ich mich sehr“, betont der ETSV-Coach, der von Knebel bei seinem ersten Regionalliga-Spiel beim BSV Schwarz-Weiß Rehden zusammen mit  Tobias Czech vom SV Altengamme begleitet hatte und somit die ersten Regionalliga-Minuten seines ehemaligen Schützlings verfolgen durfte. „Dass Chris (Christopher Leitlof, d. Red.) und Tobi (Tobias Czech, d. Red.) extra nach Rehden gekommen sind, war eine Riesenüberraschung und hat mich sehr gefreut“, erinnert sich von Knebel, der sich an sein erstes Spiel für „EN“ selbstverständlich bestens erinnert. „Vor dem Spiel war ich natürlich ein bisschen aufgeregt, aber während der Partie ist das dann sofort verflogen. Nach dem Spiel war ich zum einen natürlich enttäuscht über die Niederlage, aber auch stolz, meinen ersten Einsatz in der Regionalliga bekommen zu haben“, erläutert von Knebel, für den sein erstes Spiel zusammen mit seinem ersten Tor gegen den VfL Oldenburg (s. Titelbild) die beiden Highlights aus seiner bisherigen Zeit bei Eintracht Norderstedt sind.

Hoch hinaus geht es für Johann von Knebel in diesem Duell mit Wolfsburgs Iba May. Foto: EN

Dass nach diesem ersten Einsatz bis heute 15 weitere dazu gekommen sind, liegt derweil an Johann von Knebel selbst. „Johann hat das nicht mit dem Mund gemacht, sondern mit Leistung. Er hat nie lamentiert oder große Sprüche gebracht, sondern immer Gas gegeben“, erklärt Dirk Heyne, Trainer des FC Eintracht Norderstedt. Auch der erfahrene Übungsleiter war von der schnellen Entwicklung seines Neuzugangs überrascht. „Wir haben ihm das definitiv zugetraut, sonst hätten wir ihn nicht verpflichtet. Dass er sich aber so schnell daran gewöhnt und auch ein wichtiger Spieler geworden ist, war uns für selbst überraschend“, erklärt Heyne, um zu betonen: „Johann ist ja nicht ein Spieler, der einfach so dabei ist. Er ist den vergangenen Spielen ein absoluter Leistungsträger für uns gewesen. Das kann man nicht anders sagen und das ist sehr positiv.“ Von Knebel hat es seinem Coach besonders mit einem „Charakterzug“ angetan. „Uns hat es sehr imponiert, wie er seinen Körper im Training einsetzt und wie er gedanklich sofort nach vorne denkt. Johann nimmt die Bälle nach vorne mit und nicht nach hinten. Bei ihm geht kein Ball verloren. Er holt sich den Ball wieder zurück, wenn er ihn verloren hat“, erklärt Heyne, um abschließend die von Ohe-Trainer Seibert angesprochene Bescheidenheit zu bestätigen. „Es gibt ja manche 20-Jährige, die machen ein paar Spiele und denken, sie können die Welt einreißen. Johann verliert nicht die Bodenhaftung“, lobt „EN“-Trainer Heyne seinen Schützling abschließend.

Und die von Heyne angesprochene Bodenhaftung zeigt von Knebel auch, wenn er nach seinen Zielen für die Zukunft gefragt wird. „Grundsätzlich will ich einfach weiterhin meine Einsätze bekommen und mich weiter im Team und in der Liga etablieren. Mit anderen Möglichkeiten habe ich mich bisher überhaupt nicht beschäftigt“, betont der Youngster. Und wer weiß, welche Überraschung ansteht, wenn beim nächsten Mal das Telefon klingelt und es erneut um die Personalie Johann Magnus Kilian Ludwig von Knebel Doeberitz geht.