Von Lohbrügge über Reinbek nach Bergedorf: Jürgen und Patrick Paap gibt es nur im Doppelpack

Cheftrainer Patrick Paap (re.) leitet mit seinem Vater und Co-Trainer Jürgen Paap die sportlichen Geschicke beim ASV Bergedorf 85. Foto: Herzog

Fußballverrückt, Fußballbesessen, ohne Fußball geht es nicht: Es gibt viele Ausdrucksweisen, die man üblicherweise verwendet, um jemanden zu beschreiben, der eine ganz enge Verbindung zum Fußball hat. Dazu gehören nicht nur in unserem Verbreitungsgebiet zahlreiche Menschen, sondern in der ganzen Bundesrepublik und auf der gesamten Welt sind es viele, viele Menschen, die fußballverrückt und fußballbesessen sind. Zwei Personen, auf die diese Bezeichnungen ohne Frage zu einhundert Prozent zutreffen, sind Jürgen und Patrick Paap.

Co-Trainer Jürgen Paap. Foto: Herzog

Diese beiden Namen sind im Hamburger Osten so ziemlich jedem bekannt, der es mit dem Fußball – in diesem Fall dem Amateurfußball – zu tun hat. Jürgen, 55 Jahre, und Patrick, 26 Jahre, sind im Hamburger Amateurfußball schon jahrelang zu Hause. „Das hat alles beim VfL Lohbrügge in der G-Jugend angefangen“, erinnert sich Paap Senior, der seinen Filius damals als Jugendtrainer unter seinen Fittichen hatte. Nach dem VfL folgte die SpVgg Billstedt-Horn, wo Jürgen als Trainer und Patrick als Spieler Erfahrungen sammelten, ehe Jürgen Paap eine für ihn untypische Pause vom Fußball einlegte. Zum ersten Mal machte Paap Junior Erfahrungen ohne seinen Vater. Angekommen in der A-Jugend der TSV Reinbek war es auch gleich schon wieder beendet. In seinem ersten Spiel für den neuen Verein riss sich Patrick Paap das Kreuzband. „Da Patrick sich zu diesem Zeitpunkt gerade in seiner Ausbildung befand, war es mit dem aktiven Fußball zu Ende. Wir haben ihn mit Krücken zur Berufsschule gefahren“, erinnert sich sein Vater zurück.

Jürgen Paap: „Irgendwann kam dann der Moment, wo wir gesagt haben, dass wir das gemeinsam machen.“

Dieses Ende der Spielerkarriere war gleichzeitig der Start in die Trainerlaufbahn – und der Beginn von Vater und Sohn an der Seitenlinie. „Der damalige Trainer bei der TSV hatte aufgehört und er hatte Patrick gefragt, ob er sich das zu trauen würde. Da er noch sehr jung war, habe ich ihn unterstützt“, erklärt Jürgen Paap. „Irgendwann“, erinnert sich Paap Senior, „kam dann der Moment, wo wir gesagt haben, dass wir das gemeinsam machen.“ Nach der Zeit bei der TSV Reinbek folgte die Station beim ETSV Hamburg, ehe Jörg Franke die beiden Paaps zur Saison 2016/17 an die Sander Tannen zum ASV Bergedorf 85 lotste. Als gleichberechtigte Co-Trainer unterstützten Jürgen und Patrick Paap ihren „Chef“ Jörg Franke. „Wir waren zusammen Essen und haben von der ersten Minute an gemerkt, dass das passt“, erzählt Jürgen Paap.

Cheftrainer Patrick Paap. Foto: Herzog

Nachdem Franke zu dieser Saison seinen Trainerposten auf eigenen Wunsch abgeben wollte und in die Position des Sportlichen Leiters wechselte, ergab sich ein Novum für Vater und Sohn. Zum ersten Mal wurden die Beiden in ihrer gleichberechtigten Funktion getrennt. Zur Saison 2018/19 wurde Patrick Paap neuer Cheftrainer beim Bezirksliga-Aufsteiger und sein Vater assistiert ihm als sein „Co“. „Für viele ist es vielleicht ungewohnt, für mich war es auch ungewohnt als Cheftrainer seinen Vater als Co-Trainer unter sich zu haben, doch wir machen und besprechen alles zusammen“, betont Patrick Paap. Genauso sieht es auch der Vater. „Durch die neuen Positionen hat sich nichts geändert. Wir treffen uns donnerstags vor jedem Training zum Essen und schnacken alles zusammen durch“, erklärt Jürgen Paap, um zu betonen: „Ich arbeite sehr gerne mit Patrick zusammen.“

Patrick Paap: „Wenn wir uns zu Hause treffen, geht es fünf Minuten um Privates und dann nur um Fußball.“

Kaum vorstellbar also, dass es im Hause Paap andere Themen als den Fußball gibt. „Entweder treffen wir uns auf dem Fußballplatz oder wenn wir uns zu Hause sehen, geht es fünf Minuten um Privates und dann nur um Fußball“, bestätigt Patrick Paap, um zu betonen, dass es „sieben Tage in der Woche nur um Fußball geht.“ Da passt es auch ins Bild, dass Vater und Sohn, wenn sie gerade einmal Pause beim ASV Bergedorf 85 haben, sich dann trotzdem mit dem Fußball beschäftigen. So waren Jürgen und Patrick Paap sowohl bei dem Testspiel zwischen der TuS Dassendorf und dem Hamburger SV als auch bei der Erstrundenpartie im DFB-Pokal zwischen der TuS und dem MSV Duisburg als Stadionsprecher tätig. „Fußball ist Fußball und wenn man solche Spiele sehen kann, nutzt man es einfach“, begründet Paap Junior.

Und dass Vater und Sohn sich nicht nur gemeinsam gut verstehen, sondern auch bei anderen gut ankommen, bestätigt derjenige, der sie zum ASV Bergedorf 85 geholt hat. „Ich bin von Beiden sehr angetan. Sie sind sehr engagiert und arbeiten fleißig. Zudem haben sie Beide Ahnung vom Fußball und wissen, was sie machen. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und menschlich passt es top“, beschreibt Jörg Franke. Einen Anteil daran hat auch Ute Paap. Die Ehefrau und Mutter ist stets beim Fußball dabei und unterstützt ihre Männer. „Sie ist die Mutter der Mannschaft und hat speziell für die Spielerfrauen ein offenes Ohr. Für die Mannschaft kocht sie im Winter Tee und im Sommer hat sie Traubenzucker dabei“, erzählt Jürgen Paap. „Ich glaube, anders würde es auch nicht klappen, beziehungsweise eng zu Hause zwischen meinem Vater und ihr werden, wenn sie keinen Fußball mögen würde“, ergänzt der Sohnemann mit einem Grinsen. Frei nach dem Motto: Fußballverrückt, Fußballbesessen und ohne Fußball geht es nicht.