Wentorfs Bezirksliga-Bomber Mauersberger im Porträt: „Vor dem Tor bin ich eigentlich blind!“

Wentorfs Kapitän und Top-Torjäger Marc Mauersberger im Duell gegen Barsbüttel. Archivfoto: Herzog

Das Bezirksliga-Duell beim ASV Bergedorf 85 endete für Marc Mauersberger alles andere als positiv. Der Kapitän des SC Wentorf holte sich beim 3:1-Erfolg binnen einer Minute die Gelbe und anschließend die Gelb-Rote Karte (89.). Allerdings hätte der 1,90-Meter-Hühne auch ohne den Platzverweis gegen die „Elstern“ am Freitag gegen Wandsetal nicht auflaufen können. Mauersberger erlitt eine Bänderdehnung, sein linker Knöchel schwoll nach der Partie dick an. Und dennoch: Der Sturmtank brachte den SCW mit seinem Treffer zum 1:1 (14.) auf die Siegerstraße – es war bereits der 17. Torerfolg in seinem zwölften Saisoneinsatz für den Bezirksliga-Bomber!

Auf drei Jahre im Koggen-Nachwuchs folgt ein Auslandsjahr in den Staaten

Mauersberger im Hansa-Trikot (in der Mitte stehend). Foto: privat

„Ich bin ausgebildeter Verteidiger, eigentlich bin ich blind vor dem Tor“, sagt der 29-Jährige, der in den vergangenen Jahren zum Stürmer gereift ist, im Gespräch mit BOLZJUNGS. Seine breit gefächerten Qualitäten erlernte der gebürtige Rostocker beim FSV Bentwisch, ehe es ihn 2002 in die Jugend von Hansa Rostock zog. „Damals war ich ein großer Hansa-Fan“, erinnert er sich. Drei Jahre kickte Mauersberger für die Kogge, wie Hansa Rostock auch genannt wird. Von dort aus ging es im Zuge eines selbst organisierten Austauschjahres in die USA, wo der damals 17-Jährige für die Spokane Breakers (US-Bundesstatt Washington) auflief. Als es für ihn zurück nach Deutschland ging, schloss er sich seinem Jugendverein FSV Bentwisch an. Dort gelang Mauersberger aus der A-Jugend der direkte Sprung in die Herren-Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern. „Da habe ich mit 18 Jahren gleich miterlebt, wie es ist, wenn Leute auf das Geld angewiesen sind“, sagt der heute 29-Jährige – eine Erfahrung, die er nicht noch einmal erleben wollte.

Mauersberger (weiß) in den USA. Foto: privat

So zog es Mauersberger mit einigen Freunden in die Kreisklasse zum FC Förderkader Rene Schneider. „Wir haben dann sechs Jahre lang nur Aufstiege gefeiert – und das ohne Platz, ohne Kabinen. Wir wollten einfach Fußball spielen“, erklärt der Stürmer. Sie haben den Rostocker Stadtteilklub bis in die Verbandsliga hochgeschossen. 2015 zog Mauersberger nach Berlin. Gegen den Ball getreten hat er während seines zweieinhalbjährigen Aufenthalt in der Hauptstadt nicht. Als es ihn dann im August 2017 nach Hamburg zog, war ihm klar, dass er für immer hier bleiben werde. Der Bundesbeamte im Außendienst, der seine neue Heimat Nahe des City-Center Bergedorf fand, wollte Anschluss finden. „Ich habe über Google Maps geschaut, welche Vereine nah dran sind. Dann habe ich SVNA (SV Nettelnburg/Allermöhe, d. Red.) angeschrieben. Die hatten ihre Kaderplanung aber schon abgeschlossen. Danach habe ich Wentorf kontaktiert und es hat alles gepasst“, verrät Mauersberger, dem eine Sache in Anbetracht seiner Vergangenheit immens wichtig war. „Mir war wichtig, dass die Spieler nicht bezahlt werden. In diesen Ligen hat Geld gar nicht zu suchen. Kameradschaft ist viel geiler als Geld!“ Und die hat er beim SC Wentorf allemal.

Trainer Slavec Rogowski: „Er ist in Wentorf schon jetzt eine Ikone!“

Seit Sommer 2017 kickt Mauersberger nun bereits für den SCW. Die positive Entwicklung des derzeitigen Tabellenvierten startete aus seiner Sicht im folgenden Winter. „Da wurde sich von Altlasten getrennt. Die Hierarchie in der Mannschaft wurde neu strukturiert“, sagt der 29-Jährige. Viel junges Blut für die gealterte Equipe. Das stört den „Oldie“, der sich als interner dritter Trainer sieht, aber nicht. „Ich fühle mich selbst gar nicht so alt. Es macht mir großen Spaß. Ich sehe es als meine Aufgabe, den Jungs Tipps zu geben. Und wie ich es mitbekomme, nehmen das die Jungs gerne an.“ Als „Erfolg“ will er den derzeitigen Tabellenrang vier aber nicht beschreiben. „Die Mannschaft hat so viel Potenzial. Da ist diese Platzierung fast schon Pflicht.“

Trainer Slavec Rogowski (Foto) und Mauersberger verstehen sich blendend. Foto: Herzog

Mit seinen 17 Treffern hat Mauersberger natürlich sportlich einen großen Anteil an der bislang durchweg positiven Spielzeit des SCW. Doch für seinen Trainer Slavec Rogowski spielt seine sportliche Leistung „nur“ eine Nebenrolle. „Für uns ist er menschlich noch viel wichtiger als sportlich. Er bringt eine ungeheure positive Stimmung, aber gleichzeitig auch extreme Einsatzbereitschaft mit. Alle Spieler aus der Mannschaft können ihn als Vorbild nehmen, er ist immer für alle greif- und ansprechbar“, lobt der Coach seinen Kapitän, ehe er fortführt: „Auch für uns als Trainerteam ist er eine große Stütze. Er hinterfragt viel, möchte alles wissen und bringt sich immer auch in die Entwicklung des Teams ein.“

Neben dem Amt des Kapitäns ist Mauersberger logischerweise im Mannschaftsrat vertreten, hat zudem das Amt des Kassenwartes inne. „Wir nennen ihn intern nur noch ‚Money-Maui'“, sagt Rogowski lachend. Wann immer es zeitlich passt, schaut sich Mauersberger den Wentorfer Nachwuchs an. Eine weitere Tätigkeit des Rostockers: „Nach dem Training bleibt er auf dem Platz, um mit den jungen Spielern Technik- und Schusstraining zu machen. Er ist einfach unfassbar motiviert, die jungen Spieler weiterzuentwickeln“, so Rogowski, der abschließend noch einmal hervorheben möchte: „Er positioniert sich als Leader, aber nicht als Boss. Er ist schon jetzt eine Ikone hier!“ Und das sowohl auf, als auch neben dem Platz.