„Wir sind wieder da!“ – BU lässt Vicky dank 2:1 im Niemandsland der Tabelle

Die BU-Akteure bedanken sich bei ihren trommelnden und singenden Fans. Foto: BOLZJUNGS

Barmbek-Uhlenhorst – SC Victoria Hamburg 2:1 (1:1)
Oberliga Hamburg, 8. Spieltag (Fr., 14.09.18, 19.30 Uhr)

Die Zuschauer, die sich erst kurz vor Anpfiff an das Stadion an der Dieselstraße begaben, bekamen die ersten Minuten des Oberliga-Traditionsduells zwischen Barmbek-Uhlenhorst und dem SC Victoria Hamburg nicht zu sehen. Eine rund 200 Meter lange Schlange hatte sich vor dem Kassenhäuschen gebildet (s. Foto). Mitte der zweiten Hälfte dann die Durchsage: 541 Zuschauer. Eine tolle Kulisse mit singenden und trommelnden Fans für ein ausgeglichenes Spiel, das dank eines Elfmeters in der Schlussphase in BU seinen Sieger fand – die Gastgeber siegten mit 2:1.

Die Schlange vor dem Eingang am BU-Stadion. Foto: BOLZJUNGS

In der ersten Viertelstunde gab es auf beiden Seiten gute Gelegenheiten. Für BU scheiterten Ian Prescott Claus per Freistoß (3.) und Nico Schluchtmann (12.). Zwischenzeitlich kamen Vicis Julian Schmid (6.) und Jan Kämpfer (8.) zu den ersten Chancen auf der Gegenseite. In Minute 14 dann der große Schock für Vicky! Es war auch das Duell zwischen zwei der besten Oberliga-Torjägern. BUs Claus erzielte vor dem Duell sechs Treffer und stand damit auf Rang drei der Liste, Victorias Dennis Bergmann folgte mit einem Tor weniger einen Platz dahinter. Doch Vickys Top-Torjäger musste mit Schmerzen am rechten Fuß den Platz früh verlassen. Vier Minuten nach der ersten Behandlung gab es die Gewissheit – es geht nicht weiter. Für ihn brachte SCV-Trainer Jean-Pierre Richter den 21-jährigen Bibie Njie – eine Einwechslung, die im Laufe der Partie belohnt werden sollte.

Aber erst einmal jubelten sie auf der anderen Seite. Eine große Lücke in der Abwehrzentrale nutzte BU-Spielmacher Adil Odabas. Er steckte den Ball auf Abdel Hathat durch, der aus zwölf Metern abschloss und zur 1:0-Führung traf (20.). Vicky-Schlussmann Dennis Lohmann sah dabei, ebenso wie seine Vorderleute, nicht gut aus – das war auch Coach Richter klar. „Das ist zu 70% unser Tor gewesen“, grummelte er an der Seitenlinie, lobte sein Team aber nach dem Schlusspfiff für die auf den Rückstand folgende Spielphase: „Das 0:1 hat die Mannschaft mit einer guten Körpersprache und guten Laufbereitschaft aufgefangen.“ Kurz vor der Pause egalisierten die Gäste und belohnten sich für eben dieses Zurückkommen – wenn auch nur dank einer katastrophalen Fehlerkette in der BU-Defensive. Der 19-jährige Yusuf Musbau, abseits dieser Szene der beste Mann auf dem Platz, legte in Bedrängnis quer auf Ronny Buchholz, der den Ball ebenfalls nicht klärte. Es folgte eine vermeidbare Ecke, die Vickys Andre Monteiro Branco reinbrachte und der eingewechselte Njie per Kopf zum Ausgleich verwandelte (42.). „Das war wieder ein Todesgeschenk von uns“, bewertete BU-Trainer Marco Stier die Szene. Ein ausgeglichenes Resultat in einer ausgeglichenen Partie.

Hätte Dennis Bergmann Vicky im Spielverlauf zum Sieg verhelfen können? Archivbild: Herzog

Abschnitt zwei gestaltete sich ruhig, bis zu einer Situation, die nicht gänzlich aufzuklären war. Vickys Len Strömer steckte schön auf den Torschützen Njie durch, BU-Keeper Oliver Gaedtke kam herangestürmt, Njie kam nicht mehr an den Ball und flog zu Boden. Große Beschwerden des wohl gefoulten Spielers blieben aus, ein Kontakt war definitiv da. „Auf der anderen Seite kann man Elfmeter zeigen“, sagte sogar BU-Coach Stier nach dem Schlusspfiff. Sei es drum, Schiedsrichter Murat Yilmaz (FC Türkiye) ließ die Pfeife stumm. Auf eine Claus-Chance, die Victorias Lohmann stark parierte (77.), folgte ein unnötiges Einsteigen von Vickys Alexander Borck, der BU-Stürmer Tim Jeske in die Hacken gelaufen war – Strafstoß! „In einer Schlussphase noch so einen Elfmeter zu verursachen, das ist dann der Negativhöhepunkt, den wir uns selbst setzen. Da haben sich die Jungs selbst geschadet“, so Vickys Trainer Richter. BU-Goalgetter Claus ließ sich nicht zweimal bitten und vollendete unter die Latte zum 2:1-Endstand, den die Heimfans mit den Worten „Derbysieger, Derbysieger, Hey, Hey!“ lautstark feierten. BU-Trainer Stier: „Ich war mir total sicher, dass Ian ihn rein macht. Er knallt die Dinger im Training unter die Latte und war schon im ganzen Spiel gefrustet, weil er unbedingt einen machen wollte. Er hat einfach die Gier, ein Tor zu machen.“ Und diese Gier bescherte BU letztlich den 2:1-Erfolg über Vicky, dank dessen Stier nach dem Duell stolz sagen kann: „Wir sind wieder da, wo wir hingehören – in der oberen Tabellenhälfte.“ Vicky dagegen steht mit 12 Punkten aus acht Spielen auf Rang acht und damit erst einmal im Niemandsland der Oberliga-Tabelle – und kann an diesem Wochenende noch von zwei Teams überholt werden.

BU: Gaedtke; Schluchtmann, Buchholz, Musbau, Umurhan; Odabas, Hosseini; Hathat (79. Heuermann), Eggers (64. Jeske), Mandel (79. Pfeifer); Claus
Victoria: Lohmann; Schuhmann, Siemsen, Komlan Manasse; M. Bergmann, Ernst; Schmid, Monteiro Branco, Kämpfer (59. Borck); Strömer (74. von Appen), D. Bergmann (19. Njie)