3:3 beim SCVM – Gottschlings Nerven strapaziert: „Wir haben gespielt, als wären alle besoffen gewesen.“

War überhaupt nicht zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft: OSV-Coach Simon Gottschling. Foto: Herzog

SC Vier- und Marschlande – Oststeinbeker SV 3:3 (2:1)
Bezirksliga Ost, 29. Spieltag (S0., 19.05.19, 15.00 Uhr)

„Also wer heute nicht heiß ist, dem kann ich auch nicht helfen!“, so Oststeinbeks Trainer Simon Gottschling vor der Partie in Fünfhausen gegen den SC Vier- und Marschlande. Doch heiß lief in erster Linie Gottschling selbst und das vor Wut. Seine Mannschaft rief im ersten Durchgang wenig vom eigentlichen Können ab. Patryk Marg fauchte Co-Trainer Alexander Kaya an, dass dieser doch Mal endlich „seinen Mund halten soll“. Die Stimmung also eher schlecht als gut, obwohl man immer noch die Meisterschaft hätte erreichen können. Die anwesenden Spieler des ASV Hamburg und deren Coach Mohet Wadhwa dürfte die miese Stimmung und das schwache Auftreten des OSV gefreut haben. Denn: Der ASV steht nach diesem 3:3 des OSV ein Spieltag vor dem Saisonende als Meister in der Bezirksliga Ost fest. 

SCVM beginnt stark und geht verdient in Führung

Tobias kehr bejubelt seinen Treffer zum 1:0. Foto: Herzog

Doch bis dieses 3:3 auch auf der Anzeigetafel stand, passierte einiges. Die erste Chance gehörte dabei den Hausherren: Tobias Kehr spielte auf Oliver Kunkel, der jedoch an OSV-Keeper Thorben Joost scheitert (17.). Nach gut einer halben Stunde trauten sich auch die Gäste in die Box und läuteten eine turbulente Viertelstunde ein. Allerdings zielte Maximilian Grünberg zu zentral auf SCVM-Schlussmann Nick Kiesling. Fünf Minuten später konterten die ‚Red Devils‘ die ‚Men in Black‘ eiskalt aus: Moritz Kühn bediente letztlich Kehr, der das Spielgerät nur noch über die Linie drücken musste (35.). Doch diese Freude hielt nicht lange. René Johannsen ging zu ungestüm im Strafraum zu Werke, sodass es nur Elfmeter geben konnte. Maximilian Kochsiek nahm sich der Sache an und verwandelte unhaltbar für Kiesling (38.). Doch noch bevor die Mannschaften in die Halbzeit durften, ertönte wieder die Torhymne der Gastgeber: Oliver Kunkel nickte das Leder in die Maschen (43.)

Der OSV prüfte auch in Durchgang zwei das Nervenkostüm seines Trainers Simon Gottschling. Immer wieder hörte man den Übungsleiter rufen „Man, man, man!“ und „Das kann doch nicht wahr sein“. In der 58. Minute war dann auch Gottschling mit seinem Latein am Ende. Denn wieder konterten die Vierländer die Oststeinbeker aus. Diesmal wurde der Ball nach einer Ecke schnell behauptet. Tim Stegmann drosch den Ball in die anderer Hälfte, Marc Oldag war schneller als der zuvor eingewechselte Esmin Sejdi und Angreifer Tobias Kehr war mittlerweile in Position gelaufen. Oldag legte clever quer und Kehr vollendete entgegengesetzt der Laufrichtung von Joost (58.). „Kann nicht angehen! Wieder ein Konter!“, hallte es über den Platz, ehe sich Gottschling auf die Bank setzte, um den Gegentreffer zu verdauen und schließlich verstummte. Doch irgendwie schien dies der der Moment zu sein, den die Gäste benötigten.

OSV weiter schwach – trotzdem gelingt der späte Ausgleichstreffer

Als Spion auf dem Platz: Mohet Wadhwa und sein ASV Hamburg treffen am kommenden Wochenende auf den SCVM. Foto: Herzog

Dave Fehlandt grätschte hart aber fair gegen Alexander Sievers. Der SCVM stellte kurz das Spielen ein und sah wie Nicklas Frers Youssef Sbou am zweiten Pfosten bediente – der Anschlusstreffer war gefallen (69). Zehn Minuten vor dem Ende verschätzte sich Tim Stegmann und Sbou traf erneut. Doch in den Jubel ertönte der Pfiff von Schiedsrichter Torbjörn Niedorf (Eintracht Norderstedt) – Abseits! (80.). Einen hatten die Gäste aber noch: Torwart Joost beförderte einen langen Ball in den Strafraum des SCVM. Die Verteidiger waren allesamt schlafmützig, sodass Patryk Marg den Ball auf den langen Pfosten spitzelte, wo Verteidiger Revin Köksal per Kopf den 3:3-Ausgleich netzte (89.).

Der Abpfiff ertönte nach ein wenig Nachspielzeit und Alexander Kaya blickte sofort zur Seite, wo ihm jemand ein Zeichen gab: Trotz des Remis heißt es auch für den Oststeinbeker SV „Aufstieg in die Landesliga“, da sie der nach der Quotientenregel der beste Tabellenzweite der vier Bezirksliga-Staffeln sind – egal was am abschließenden Spieltag am kommenden Wochenende passiert. Doch einer mochte sich irgendwie noch nicht wirklich freuen. „Wir haben gespielt, als wären alle besoffen gewesen. Ich muss mich gleich erstmal vergewissern, ob wir nun wirklich aufgestiegen sind. Man muss natürlich zufrieden sein über den Punkt, aber es war grausam – ein Sommerkick. Es war einfach keine Einstellung da, das war tot. Jeder muss sich an die eigene Nase fassen und richtig Gas geben. Heute werde ich mich nicht mehr freuen, dafür sitzt der Stachel zu tief“, so der sichtlich angefressene und enttäuschte OSV-Trainer Gottschling nach dem Abpfiff. Gemischte Gefühle waren es auf der anderen Seite. „Das war ein bisschen ärgerlich zum Ende hin. Wir dürfen ja nicht vergessen, gegen wen wir hier gespielt haben. Das Plus war vielleicht auch der Rasenplatz heute und schade, dass wir so viel Verletzungspech hatten in dieser Saison und uns immer wieder wichtige Stützen weggebrochen sind. Zu was wir in der Lage wären, hat man heute gesehen. Bis auf Wentorf sind wir sehr zufrieden mit der Rückrunde“, analysierte SCVM-Co-Trainer Sven Fischer, der den abwesenden Olaf Poschmann an der Linie vertrat.

SCVM: Kiesling; Johannsen, Stegmann, Busch; Sievers (75. Schneider), Bultmann, Oldag, Kühn, P. Wegner (90.+2 Tofern); Kehr, Kunkel (90. Cicek)
OSV: Joost; Marg, Fehlandt, Köksal, Youness Sbou; M. Sbou (55. Frers), Voigt (55. Sejdi), Youssef Sbou, Grünberg; Yazici (62. Örün), Kochsiek

Eine Bildergalerie von Maurice Herzog: