5:1 gegen den SV Börnsen! TSV Glinde besiegt den Angstgegner dank eines klar verfolgten Matchplans

Glindes Fabian Frank (4. v. r.) und Doppeltorschütze Shawn Scheele (2. v. r.) feiern den Treffer zum 5:1-Endstand. Foto: Zerbian

TSV Glinde – SV Börnsen 5:1 (3:0)
Bezirksliga Ost, 3. Spieltag (So., 11.08.19, 15.30 Uhr)

Angstgegner SV Börnsen! 1:5, 0:4, 0:5 – so lauten die drei vergangenen Ergebnisse aus Sicht des TSV Glinde gegen den Staffelkonkurrenten SVB in der Bezirksliga Ost. Insgesamt gelang dem TSV in den zurückliegenden acht Duellen mit den Börnsenern nur ein Sieg – dieser ist auf den 18. März 2017 datiert. Diesem einen Erfolg stehen sechs Niederlagen und ein Remis gegenüber – bei einem Torverhältnis von 5:23! Böse Zungen könnten meinen, dass das die Bilanz des HSV gegen den FC Bayern München sei. Doch zurück ins Hier und Jetzt! Am Sonntagnachmittag (11.08.19) setzte der TSV dieser Negativserie ein Ende und baute seinen erfolgreichen Saisonstart auf drei Siege aus drei Spielen aus – und das auf eine eindrucksvolle Art und Weise!

Gegen den hochgehandelten SV Börnsen um den langjährigen Oberliga-Spieler Patrik Papke siegte der TSV klar mit 5:1! Dabei verfolgten die Hausherren einen klaren Plan. Der sonst als Abwehrspieler aufgebotene Fabian Frank bildete im 4-2-3-1-System die einzige Spitze – und dieser Plan ging voll auf! Bereits nach zwölf Minuten drosch Farhad Ali das Spielgerät aus etwa 27 Metern zur 1:0-Führung in die linke Ecke – nach Kopfballablage des 1,94-Meter-Hünen Frank! „Durchgesetzt hat diesen Plan schlussendlich mein Co-Trainer Kevin Karras mit der Ansage, körperliche Präsenz zu zeigen und dass die Jungs die Bälle erst festmachen und dann ablegen sollen. Das ist dann natürlich optimal aufgegangen“, sagte Chefcoach Sören Deutsch nach der Partie strahlend. Dieser Plan hatte auch Konsequenzen beim SVB: Der erst als zentraler Mittelfeldspieler aufgebotene Papke wurde in die Innenverteidigung beordert, dafür rutsche Christopher Kleinert eine Position nach vorne. So fehlte den Gästen die Offensivqualität von Papke im Spiel nach vorne. Das machte sich bemerkbar. Acht Zeigerumdrehungen nach dem 1:0 kombinierten sich die Hausherren über die drei auffälligsten Glinder Frank, Bo Gehrke und Christian Albus in der gegnerischen Hälfte vor das Tor, wo Kapitän Albus zum 2:0 vollendete (20.). „Wir spielen endlich richtigen Fußball. Das freut mich ungemein“, kommentierte Deutsch an der Seitenlinie. Kurz nach dem zweiten Treffer musste der Schütze des ersten Tores, Farhad Ali, nach einem Schlag aufs linke Knie verletztungsbedingt ausgewechselt werden – für ihn kam Dustin Siegmund (23.). Unmittelbar vor dem Pausenpfiff belohnten sich die Hausherren für diesen engagierten Auftritt und erhöhten durch einen Kopfballtreffer von Shawn Scheele nach einem Freistoß von Marcel de Almeida auf 3:0 (45.). Von den Gästen war bis dato überhaupt nichts zu sehen.

„Wir haben 60 brillante Minuten gezeigt. Viel besser kann man es in der Bezirksliga nicht spielen.“

Das änderte sich im zweiten Abschnitt zunächst auch nicht. Die Deutsch-Equipe dominierte das Geschehen nach Belieben und traf direkt nach dem Wiederanpfiff durch Albus zweiten Treffer zum 4:0 (46.). Zuvor gewann Siegmund den Ball und steckte auf den zweifachen Torschützen durch – so wie vom Glinder Trainerteam gewünscht. Kurze Zeit später hatte Siegmund den fünften Treffer auf dem Fuß, scheiterte mit einem direkt getretenen Freistoß aber am Lattenkreuz des SVB-Gehäuses (50.). Nachdem Vincent Bakker und Albus weitere Gelegenheiten verpassten (55., 60.), kamen die Gäste in der 61. Minute durch einen Kopfball von Marcel Hamester zu ihrer ersten Torchance – doch TSV-Keeper Mirko Brandt war zur Stelle. Diese Gelegenheit schien die Börnsener etwas aufzuwecken. So hatte Christopher Kleinert per Distanzschuss, den Brandt glänzend parierte, die Chance auf den Ehrentreffer (71.). Dieser fiel dann zehn Minuten vor dem Abpfiff, nachdem Hamester eine Flanke von Kleinert per Kopf verwertete (80.). Doch das letzte Wort hatten an diesem Nachmittag die Glinder: Nach einem Eckball von Siegmund nickte Scheele mit seinem zweiten Torerfolg zum 5:1-Endstand ein (85.). So feierte der TSV anschließend den ersten Erfolg nach 876 Tagen gegen den Angstgegner aus Börnsen. „Ich bin hochzufrieden. Wir haben 60 brillante Minuten gezeigt. Viel besser kann man es in der Bezirksliga nicht spielen. Dazu gegen unseren absoluten Angstgegner – das freut uns umso mehr“, schwärmte Übungsleiter Deutsch, der sich über den mehr als gelungenen Saisonstart freute. „Neun Punkte nach drei Spielen – wie geil ist das denn? Sensationell! Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich gerne nach fünf Spielen eine zweistellige Punktezahl hätte. Danach sehen wir weiter“, sagte Deutsch freudestrahlend.

Von Freude war auf der Gegenseite nichts zu sehen. SVB-Trainer Dennis Tesch versammelte seine Schützlinge nach dem Abpfiff auf dem angrenzenden Rasenplatz noch rund zehn Minuten und predigte ihnen, was ihm in den vorangegangenen 90 Minuten nicht gefiel. „Eigentlich haben wir alles falsch gemacht, was zum Fußball gehört. Wir sind hochgradig enttäuscht und müssen diese Niederlage erst mal sacken lassen“, kommentierte Tesch sichtlich enttäuscht, ehe er sich auf den geglückten Matchplan des Gegners bezog. „Es hätte Möglichkeiten gegeben, diesen Plan zu durchkreuzen. Hätten wir unser Spiel durchgezogen, wäre der Plan der Glinder nicht aufgegangen“, sagte Tesch, der auf Nachfrage aber auch nicht wusste, wieso seine Mannschaft zu keiner Zeit wirklich zu ihrem Spiel fand. „Darüber schlafe ich mal eine Nacht“, so der Coach mit einem gequälten Schmunzeln, ehe er den Blick auf die kommende Woche legte. „Wir müssen wieder in die Spur kommen. Wir haben am Dienstag ein Testspiel und da darf sich jeder präsentieren und wer Bock hat, uns am Samstag gegen den ETSV Hamburg aus der Scheiße zu ziehen, der darf sich am Dienstag bei Wilhelmsburg präsentieren“, schloss Tesch. „Der Kopf hemmt aktuell die Füße. Wenn du die Schritte nicht machst, die wir hätten machen müssen, wird es schwer und dann dürfen wir uns nicht beschweren, dass wir so deutlich verlieren“, ergänzte Papke, der abschließend das Spiel in einem Satz treffend zusammenfasste: „Glindes Plan ist aufgegangen, wir haben uns doof angestellt!“

TSV: Brandt; Appel, Scheele, de Almeida, Behnken; Jakob (46. Dora), Bakker; Gehrke, Ali (23. Siegmund), Albus (75. Gieseke); Frank
SVB:
Stephan; Rutkowski (60. Späth), Pinnow, Kleinert, Ketschojan (23. Lüdemann); Rössing, Papke, Wolter, Tamm (73. Meyer); Steffens, Hamester

Eine Bildergalerie von Wilfried Zerbian: