5:1 gegen den SVCN: VfL Lohbrügge setzt ein klares Ausrufezeichen – tritt aber auf die Euphoriebremse

VfL-Neuzugang Mo Labiadh (weiß) setzt sich gegen die SVCN-Defensive durch und verwandelt gegen Torwart Jacob Gelzer zum 1:0. Foto: Herzog

SV Curslack-Neuengamme – VfL Lohbrügge 1:5 (1:3)
Testspiel, (Di., 02.07.19, 19.00 Uhr)

Es lief die 85. Spielminute, als Curslacks Neuzugang Benjamin Bambur beim Stand von 1:5 noch mal eine Chance bekam, den Ball im VfL-Kasten unterzubringen. Allerdings sollte es an diesem Tag einfach nicht sein – Bambur blieb im Testspiel seines SV Curslack-Neuengamme gegen den VfL Lohbrügge ein Treffer verwehrt. Der Ball rollte nicht nur am tüchtigen VfL-Schlussmann Alen Brandic vorbei, sondern auch am Tor. Es blieb also bei einem Treffer der Gastgeber und fünf Einschüssen des Landesligisten. Das Testspiel war also längst entschieden. Deutlich entschieden? Nein, nur auf der Anzeigetafel. Denn die Mannschaft vom Trainer-Duo Sven Schneppel und Elvis Nikolic, der urlaubsbedingt verhindert war, überzeugte durch gnadenlose Effektivität vor dem Tor, während der SVCN noch im typischen Vorbereitungsmodus war: Teilweise zu behäbig, in Durchgang eins sehr jung aufgestellt und vor dem Tor nicht kaltschnäuzig genug. Am Ende wussten beide Trainer, die 90 Minuten richtig einzuordnen und schlugen in die Kerbe „Vorbereitung“.

VfL Lohbrügge eiskalt, Feintuning beim SVCN fehlt noch

Doppeltorschütze Anto Zivkovic (weiß) im Zweikampf mit Till Witmütz. Foto: Herzog

Dass sich die Teams noch in der jungen Vorbereitung auf die kommende Spielzeit befinden, machte sich besonders in der ersten Halbzeit bemerkbar. Der Oberligist, mit einigen neuen Gesichtern, wirkte noch nicht perfekt aufeinander abgestimmt. Gleich drei Mal vertändelten sie im Aufbauspiel den Ball gegen den schon recht gut funktionierenden Hansa-Landesligisten. Neuzugang Mo Labiadh (9.) und Kapitän Anto Zivkovic (21., 27.) waren in der ersten Halbzeit die Nutznießer und konnten den 19-jährigen neuen Keeper Jacob Gelzer bezwingen. Die Chancenverwertung der Gäste lag bei nahezu einhundert Prozent. „Die Tore haben wir gut vorbereitet. Tim Schmidt, Stjepan Radic und Till Witmütz haben den Ball vertändelt, das waren Geschenke. Im Defensivverhalten haben wir einige Schwachstellen gehabt. Wir haben einiges gesehen, woran wir arbeiten können. Das ist positiv“, erklärte SVCN-Coach Matthias Wulff. Auf der Gegenseite machte es Mert Akkus besser und fügte sich schon ansehnlich ins Lohbrügger Spiel ein und auch die Brkic-Brüder Nebojsa und Stjepan wussten zu gefallen. Dennoch kamen die Gastgeber im ersten Durchgang noch zum Anschlusstreffer: Marco Schubring erzielte das 1:3 aus Sicht des Oberligisten (30.).

Zu einer Aufholjagd sollte es aber nicht mehr kommen. Viele Auswechselungen verhinderten einen Spielfluss und abgesehen davon präsentierten sich die Lohbrügger in einem guten Zustand. Alles einstudiert und vorher erprobt, erklärte Schneppel später: „Wir haben einiges ausprobiert im Training und heute umgesetzt. Mit dem Ball und gegen den Ball – das hat auch schon gut funktioniert.“ Gut funktioniert hat vor allem Agatino Indulto: Der zentrale Mittelfeldspieler war gefühlt überall zugegen und machte ein sehr gutes Spiel. Der 21-Jährige war Dreh- und Angelpunkt im VfL-Spiel. Die Curslacker vergaben in Halbzeit zwei hingegen zu viele Hochkaräter, die Gäste blieben im Gegensatz weiterhin eiskalt. Pascal Bäker konnte sich ebenso wie Duro Maskaljevic in die Torschützenliste eintragen (60., 64.). Letzterer traf also gegen seinen Ex-Club (Wulff: „Ich hätte ihn gerne behalten.“) und war der lachende Dritte, als sich Schlussmann Gianluca Babuschkin und Witmütz nicht einig waren und am Ball vorbeiliefen. Zum Spielende drückten die Hausherren nochmals, scheiterten jedoch an Brandic (72., 75.) und der agile Neuzugang Moritz Kühn verzog aus vier Metern über das Tor (87.). 

Beide Trainer unisono: „Wir haben noch einiges zu tun!“

War zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft, wusste diese aber richtig einzuordnen: Sven Schneppel. Foto: Herzog

Nach dem Abpfiff war Wulff trotz des deutlichen Ergebnisses mit der Leistung und der bisherigen Vorbereitung sichtlich einverstanden. „Für uns war es ein guter Test, Lohrügge ist stark. Aber genau solch einen Gegner wollten wir. Ein gebrauchter Tag was den Endstand angeht, vielleicht zum richtigen Moment. Wir haben noch einiges zu tun. Aber das ist normal zum jetzigen Zeitpunkt. Wir haben hart gearbeitet und ein kleines Loch. Aber bis zum Punktspielstart ist noch Zeit, um sich anders zu präsentieren“, resümierte Wulff die Partie und äußerte sich noch zu den Neuzugängen: „Insgesamt sind wir mit den Neuzugängen sehr zufrieden. Wir haben ganz Junge dabei. Die haben noch einen weiten Weg zu gehen, das ist klar. Moritz Kühn macht einen sehr guten Eindruck bis jetzt. Er ist athletisch topfit. Mit Olli Franz bin ich sehr zufrieden. Er hat eine gute Spieleröffnung und bringt Erfahrung mit. Zu Benjamin Bambur muss ich nicht viel sagen. Auch wie er sich hier in der Mannschaft verhält: Ganz hervorragend und ein wichtiger Neuzugang für uns.“ 

Sein Gegenüber Sven Schneppel trat dagegen zunächst auf die Euphoriebremse, vielleicht auch, weil seine Spieler sich zu sehr freuten. „Grundsätzlich war das ein guter Test heute. Aber ich werde in der Kabine das Geschehen noch mal ansprechen, damit wir das richtig einordnen. Alen Brandic hat auch etwas Glück gehabt heute. Curslack hätte auch fünf schießen können, es hätte auch 7:5 für uns ausgehen können. Alen hat dafür gesorgt, dass es souverän aussah, aber es war noch nicht souverän von uns. Vom Ergebnis darf man sich nicht blenden lassen“, traf Schneppel den berühmten Nagel auf den Kopf und bewahrte trotz des dritten Kantersieges im dritten Testspiel die notwendige Ruhe. In Hinblick auf die Torwartfrage und der Leistung von Brandic äußerte sich der Lohbrügger Übungsleiter ebenfalls: „Wir haben vier Torhüter und es ist aktuell nur einer da. Boris Lastro ist noch verletzt. Leo Hebbeler wird erst im Oktober zu uns stoßen – aber das war schon so kommuniziert. Und Bünyamin Bulanik ist Student und muss dafür etwas tun. Alen hat also aktuell einen Vorsprung von mindestens zwei Wochen.“ Wochen, in denen also noch mehr Qualität dazustößt und der Konkurrenzkampf am Binnenfeldredder angeheizt wird. „Wir sind aktuell sehr zufrieden mit der Vorbereitung. Es haben aber einige Jungs gefehlt, die auch noch Qualität in unser Spiel bringen werden. Wir sind gerüstet für die neue Spielzeit und versuchen, die Mannschaft in den verbleibenden Wochen auf den Punkt fit zu bekommen und da sind wir auf einem guten Weg. Allerdings haben wir noch eine Menge Arbeit vor uns“, erläuterte Schneppel abschließend.

SVCN: Gelzer (46. Babuschkin); Franz, Beldzik (46. Künkel), Rogge; Wilhelm, Schmidt (46. Kühn), Witmütz (68. Beldzik), Radic (46. Spiewak), Mokhlis (68. Schubring); Lenz (68. Schmidt), Schubring (46. Bambur)
VfL: Brandic; Maskaljevic, Santelmann (46. Pallasch), Hamdan, Ahmadi (28. N. Brkic); Walter (37. Gencel), Indulto, Akkus, S. Brkic (46. Arlovic); Zivkovic (46. Bäker), Labiadh (68. Adam)

Eine Bildergalerie von Maurice Herzog: