Arnold Lechler schießt seinen SVCN mit einem Dreierpack zum 4:1-Sieg gegen den SC Victoria

Matchwinner Arnold Lechler (Nr. 7) traf gleich dreimal und hatte damit maßgeblichen Anteil am 4:1-Sieg des SVCN gegen den SC Victoria. Foto: Reß

SV Curslack-Neuengamme – SC Victoria Hamburg 4:1 (2:1)
Oberliga Hamburg, 26. Spieltag (Sa., 16.03.19, 15.00 Uhr)

Es lief die 81. Spielminute, als sich die Zuschauer auf der Tribüne am Gramkowweg noch einmal erhoben. Es wurde laut auf dem Kunstrasenplatz in Curslack! Ein Tor fiel aber nicht – es war lediglich das Ende eines Arbeitstages. Arnold Lechler, zweifelsohne der Matchwinner der Oberliga-Partie zwischen dem SV Curslack-Neuengamme und dem SC Victoria Hamburg, schritt langsam in Richtung Außenlinie, drehte sich noch einmal um, klatschte ein, zwei Mal in die Hände in Richtung Tribüne, bevor er mit dem bereits wartenden Niklas Hoffmann abklatschte und Richtung Ersatzbank ging – mit drei Toren und genauso vielen Punkten für seine Deichkicker im Gepäck.

Der Einsatz des Überfliegers des Tages war zu Beginn der Woche allerdings noch mehr als fraglich, da er sich mit einer Grippe herumschlug. Aus Sicht des Gastgebers ist der Stürmer glücklicherweise aber doch noch rechtzeitig fit geworden. Verzichten musste der SVCN gegen Vicky hingegen auf Timo Lenz, Hamed Mokhlis, Marco Schubring (alle verletzt) und Marvin Schalitz (gelbgesperrt). Doch das machte nichts, die Deichkicker gingen bereits in der sechsten Minute in Führung: Nach einer Balleroberung im Mittelfeld schaltete Patrik Papke blitzschnell, spielte das Leder punktgenau an Verteidiger Yannick Siemsen, der mit einem langen Bein nicht mehr ran kam, vorbei auf den gestarteten Lechler. Der Torjäger, der dem SVCN lange Zeit verletzungsbedingt gefehlt hatte, blieb im Eins-gegen-Eins mit Vicky-Keeper Dennis Lohmann eiskalt und verwandelte gekonnt rechts oben zur frühen Führung für die Hausherren. Der SC Victoria, angereist mit dem äußerst bekannten Trainerteam um Fabian Boll und Marius Ebbers (beide Ex-Bundesligaprofis des FC St. Pauli), verschlief die erste Viertelstunde komplett. Die Vierländer hatten deutlich mehr vom Spiel – nur im letzten Drittel haperte es noch. Mit der ersten Chance wurde es dann aber vor dem Tor von Gianluca Babuschkin direkt brandgefährlich: Julian Schmid setzte sich gegen Till Witmütz durch, seine Flanke fand Bibie Njie, der verlängerte den Ball auf den zweiten Pfosten, wo Klaas Kohpeiß nur noch einköpfen musste – zum Glück aus Sicht der Hausherren den nassen Ball aber über seine Schläfe rutschen ließ.

Dennis Bergmann gleicht aus – Lechler trifft den Ball nicht, Rogge vollendet zur Pausenführung

In der Folge wurden die Gäste stärker und sorgten mit ein paar Halbchancen (17. Njie, 19. Ernst, 22. Kohpeiß) für Gefahr. Doch etwas Zählbares sprang dabei nicht heraus. Der SVCN stand in dieser Phase tief und versuchte, immer wieder Nadelstiche zu setzen. So war es Witalij Wilhelm, der nach einer zu kurz geklärten Ecke für ein Raunen am Gramkowweg sorgte – sein Abschluss rutschte aber knapp am Tor vorbei (30.). Aus dem anschließenden Abstoß entwickelte sich dann allerdings ein Schockmoment für die in blau-weiß gekleideten Hausherren: Ein langer Abschlag von Lohmann, den Njie hinter den Abwehrverbund um Papke und Spiewak per Kopf verlängerte. Dennis Bergmann erkannte die Situation, spekulierte und fand sich alleine vor dem herausstürmenden Babuschkin wieder. Diesen überlupfte er und erzielte den 1:1-Ausgleichstreffer (31.). Nun stellte sich die Frage: Wird sich der SVCN von diesem Schock erholen? Die klare Antwort: Ja!

Victoria rannte an, fand aber keine Lösungen gegen die kompakt stehende Hintermannschaft der Hausherren – diese wiederum zeigten immer wieder mit schnellem Konterspiel, warum ihnen Mannschaften aus der oberen Tabellenregion liegen. Einen langen Ball von Babuschkin verlängerte Lechler in den Lauf von Mike Beldzik, der die Situation richtig einschätzte, sich gegen zwei Gegenspieler durchsetzte, jedoch am gut reagierenden Lohmann scheiterte (40.). Kurz vor der Pause wurden die Curslacker Offensivbemühungen dann aber belohnt: Bei einem hohen Ball verlor sich die Abwehr von Victoria Hamburg im Abseits reklamieren. Beldzik schaltete am schnellsten, sprintete zum Ball und brachte diesen scharf in die Mitte vors Tor, wo Lechler über den Ball trat. Der hinter ihm lauernde Florian Rogge sagte Dankeschön und drosch das Leder in die untere linke Ecke (43.).

Lechler legt doppelt nach – Spiewak: „Endlich wurden wir für eine gute Leistung auch belohnt.“

„Sicherlich war es wichtig, dass wir kurz vor der Halbzeit das zu der Zeit verdiente 2:1 gemacht haben“, resümierte SVCN-Trainer Matthias Wulff nach dem Spiel, um anzufügen: „Wir waren in der ersten Halbzeit noch nicht am Limit. Diese Prozente wollten wir in der zweiten Halbzeit nochmal draufpacken.“ Diese fehlenden Prozente klauten die Curslacker wohl den in blau-gelb auftretenden Gästen – denn von nun an waren nur noch die Gastgeber am Drücker. Nach zwei weiteren Chancen durch Winterneuzugang Gökhan Iscan (50.) und Rogge (57.) klingelte es zum dritten Mal im Tor der Gäste: Jan Bannasch verlängerte einen langen Ball auf Lechler, der sich aufgrund der hochstehenden Gästeabwehr plötzlich alleine vor Lohmann befand. „Arni“, so wird Lechler von seinen Teamkameraden genannt, täuschte den Schuss an, ging am Keeper vorbei und schob mit links zur Vorentscheidung ein (61.). Einen hatte der Stürmer, der vor der Saison vom Nachbarklub FC Bergedorf 85 kam, aber noch auf Lager. Rogge spielte einen hohen Ball auf Lechler, der drehte sich um Gegenspieler Felix Schuhmann rum, legte sich den Ball noch einmal vor, bevor er das Spielgerät aus zehn Metern und aus halblinker Position mit seinem linken Fuß zum 4:1-Endstand ins lange Eck donnerte (79.) Der Rest war Jubel und Applaus für eine Curslacker Mannschaft, die in allen Mannschaftsteilen einen guten Tag erwischte – denn außer ein Abschluss von Bergmann (84.) kam nichts mehr von der Mannschaft von Boll und Ebbers.

„Das war eine geschlossene Mannschaftsleistung. Die Dinger vorne macht ‚Arni‘ natürlich super. Aber hinten musst du gegen eine Mannschaft wie Vicky, die offensiv – das ist ja kein Geheimnis – bärenstark ist, auch erstmal nur zwei, drei Chancen zulassen. Endlich wurden wir für eine gute Leistung auch mal belohnt“, freute sich SVCN-Abwehrspieler Sebastian Spiewak. Für die Mannen von Trainer Wulff ist der Abstiegskampf nach diesem Erfolg allerdings noch nicht ad Acta gelegt. Auf die Nachfrage, ob er weiterhin der Meinung sei, dass 30 Punkte, die nun auf der Habenseite stehen, nicht zum Klassenerhalt reichen würden, hieß die Antwort: „Das war meine Aussage – und dabei würde ich vorerst auch bleiben. Natürlich ist es so, dass Condor und Wedel noch ein paar Punkte Abstand haben auf uns. Wenn man aber noch in Betracht zieht, dass es eine verrückte Konstellation mit vier Absteigern geben könnte, sind wir sicherlich noch nicht durch. Der Sieg gegen Victoria war ein wichtiger Schritt, keine Frage. Aber ich würde nicht so weit gehen, dass wir damit nun den Klassenerhalt geschafft haben“, erklärte Wulff. In Curslack schaut man also weiterhin nach unten und wird sich in der kommenden Woche weiter mit vollem Fokus auf das anstehende Spiel konzentrieren – denn mit Altona 93 bittet am nächsten Sonntag (24.03.19, 14.00 Uhr, Adolf-Jäger-Kampfbahn) der Ligaprimus zum heißen Kampf. Bei Vicky wird der Ton nach zwei Niederlagen in Serie rauer. „So ist das im Fußball. Es gibt nicht immer nur Sonnenschein, wie zu Jahresbeginn, sondern auch mal solche Phasen. Und da gilt es jetzt, wieder rauszukommen. Wir hatten nie wirklich den Zugriff zum Spiel. Wenn man nicht bereit ist, immer alles, Wochenende für Wochenende, abzurufen, dann hat man es letztlich auch nicht verdient, als Sieger vom Platz zu gehen“, fand SCV-Coach Fabian Boll deutliche Worte. Die nächste Chance auf Wiedergutmachung hat der Tabellenfünfte am kommenden Freitag (22.03.19, 19.30 Uhr, Stadion Hoheluft) gegen den Wedeler TSV.

SVCN: Babuschkin; Witmütz, Spiewak, Papke, Wilhelm; Bannasch, Iscan (85. Radic); Beldzik, Rogge, Maskaljevic (88. Kerschke); Lechler (82. Hoffmann)
SCV: Lohmann; Borck, Siemsen, Schuhmann, Schmid; Stegmann (66. Ermisch); Kohpeiß, Branco (79. Lange), Ernst, Bergmann; Njie (66. Wohlers)