ASV Hamburg gewinnt Topspiel gegen OSV: „Heute wurde definitiv die Meisterschaft entschieden!“

ASV Hamburgs Argetim Kaba rutschte beim Torjubel seines 2:1-Siegtreffers aus (Nr. 8), wurde dennoch gefeiert. Foto: Both

ASV Hamburg – Oststeinbeker SV 2:1 (1:1)
Bezirksliga Ost, 25. Spieltag (So., 14.04.19, 13.00 Uhr)

Da waren sie nach dem Schlusspfiff gleicher Meinung – nur die Gemütslage war eine andere. Nachdem sich Timo Aschenbrenner jubelnd und freudestrahlend sein weißes Trikot ausgezogen hatte, erklärte der Torjäger des ASV Hamburg auf die Frage, ob der kurz zuvor erkämpfte 2:1-Sieg im Bezirksliga-Topspiel gegen den Oststeinbeker SV denn nun die Meisterschaft für seinen ASV bedeuten würde: „Definitiv! Definitiv wurde heute die Meisterschaft geschrieben!“ Einen Augenblick später war sich auch OSV-Trainer Simon Gottschling sicher, dass es das für sein Team „mit der Meisterschaft nun war.“ Der Tabellenführer ASV hat damit fünf Spieltage vor Schluss fünf Punkte Vorsprung auf den Zweiten Oststeinbek.

ASV-Trainer Mohet Wadhwa verpasst Sieg seines Teams

Die Szene zur 1:0-Führung des ASV. Foto: Both

Während alle, die es mit dem ASV hatten, auf und neben dem Kunstrasenplatz an der Snitgerreihe ausgiebig den Dreier feierten, tat einer dies vom Bett aus. Trainer Mohet Wadhwa fehlte krankheitsbedingt, ließ sich dennoch selbstverständlich auf dem Laufenden halten. „Wir sind sehr glücklich und stolz über diesen Sieg. Das sind Big Points und die Mannschaft hat auch entsprechend nach dem Spiel gefeiert“, erklärte Wadhwa später, mahnte dennoch zur Vorsicht: „Aber wir lehnen uns noch nicht zurück, sondern müssen weiterhin unsere Punkte holen. Es sind nur fünf Punkte Vorsprung und noch vier Spiele zu absolvieren.“ Es war zu sehen, dass sich seine Mannschaft auch für ihren abwesenden Coach mächtig reinhängte. Sein Stürmer Aschenbrenner betonte nach dem Spiel: „Wir haben hier für Mo (Trainer Mohet Wadhwa, Anm. d. Red.) die drei Punkte geholt!“

Doch in der Anfangsphase hatten die Gäste vom Meessen das Chancenplus. Stürmer Erdinc Örün schloss ab, ASV-Torhüter Shahin Ahmadi konnte aber stark parieren (4.). Nach dem folgenden Abtasten beider Teams war es OSV-Außen Youness Sbou, der seinen Schussversuch nach einer kurz ausgespielten Ecke aber über das Gehäuse des Gastgebers schoss (18.). Nun kamen auch die Gastgeber zu ihrer ersten großen Gelegenheit: Aschenbrenner verwertete einen langen Ball gekonnt, umdribbelte Oststeinbeks Keeper Thorben Joost, scheiterte aber am rechten Pfosten (22.). Auch der direkt getretene Freistoß von halbrechts nach 26 Minuten brachte „Asche“ nicht zum gewünschten Torerfolg – noch nicht. Erst als eben dieser erneut antrat, dieses Mal von halblinks, und sein Schuss den Kopf vom in der Mauer stehenden Youssef Sbou touchierte, überflog der Ball OSV-Keeper Joost und landete im Netz (33.). Der ASV konnte die Führung vor rund 210 Zuschauern bejubeln. Doch die Gäste sollten prompt eine Antwort parat haben. Ebenfalls nach einem Freistoß, den Oststeinbeks Youssef Sbou gefährlich von der linken Seite hereingebracht hatte, verwertete Samet Yazici zum 1:1 (37.).

Nur vereinzelte Diskussionen – auch dank erfahrenem Gespann

Das Gespann um Schiedsrichter Manfred Kock (Mi.). Foto: Both

Die erste Szene nach dem Seitenwechsel gehörte dann wieder dem OSV: Nach einem langen Pass kam Yazici im ASV-Strafraum an den Ball, schoss diesen Richtung Tor, prallte dann mit Keeper Ahmadi zusammen – der Ball aber ging knapp am Ziel vorbei (53.). Fortan wurde es in der einen oder anderen Szene etwas hektischer, die Spieler hatten sich aber alles in allem im Griff und das erfahrene Schiedsrichtergespann um Manfred Kock, Beobachter des BSA Bergedorf, die Partie durchweg unter Kontrolle. So blieb es im gesamten Spielverlauf bei nur zwei Gelben Karten. Mitte der zweiten Hälfte besorgte ASV Hamburgs Argetim Kaba dann die Entscheidung: Nach einer Hereingabe von Abdul-Nafe Farahi von links landete der Ball über Umwege beim alleinstehenden Kaba, der zum 2:1-Siegtreffer einnetzte (73.). Nur zwei Minuten später hätte Aschenbrenner für die Vorentscheidung sorgen können, aber seinen Lupfer aus gut 25 Metern erwischte OSV-Schlussmann Joost noch auf der Linie. Nach dem Rückstand kamen die Gäste nicht mehr zum Torerfolg, sodass das Spitzenspiel nach insgesamt 97 Minuten beendet war.

Die Besiegten bedankten sich mit Applaus und Abklatschen bei ihren lautstarken mitgereisten Anhängern, den „Ultras Prostbek“. Gottschling, der am Meessen um zwei weitere Jahre verlängerte, gratulierte im Anschluss in fairer Sportsmanier dem Gegner. „Das hat sich der ASV Hamburg verdient, sie haben jahrelang oben mitgewirkt“, erklärte der OSV-Cheftrainer und fügte im Bezug auf sein Team und die Frage, ob dieses denn nun als Zweiter aufsteigen würde, an: „Das steht auch noch in Frage, wenn du da weiter so rumeierst. Wir müssen zusehen, wieder mit Tempo Fußball zu spielen. Hier waren wir tot heute. Aber wenn Eddy am Anfang das Tor macht und wir dann griffig sind, sind die tot. Mich interessiert es letztlich nicht so wirklich, ob wir Meister werden. Wenn wir am Ende als Zweiter aufsteigen, kann ich damit leben.“ Wieso, das erklärte Gottschling anschließend: „Es wurde viel Politik und Wind gegen uns gemacht. Die Presse hat viel Scheiße geschrieben. Das hat die Mannschaft gehemmt, wir sind von dem aggressiven Pressing abgekommen. Vielleicht war es auch dumm von uns, dass wir uns für Dinge entschuldigt haben, die wir gar nicht vorangetrieben haben. Ich weiß, dass wir nicht komplett unschuldig waren, aber jeder hat uns auf dem Zettel. Jeder will immer schön gegen uns sticheln. Damit müssen wir leben, aber wenn du zu grün hinter den Ohren bist, dann kannst du da nicht gut mit umgehen. Da müssen wir cleverer werden.“

Jubel beim ASV Hamburg. Foto: Both

Ganz anders war nach dem Schlusspfiff logischerweise die Stimmungslage beim Sieger. „Wir hatten durch die zwei Spiele, die wir gegen Oststeinbek verloren hatten, noch einiges offen. Jetzt konnten wir den Vorsprung ausbauen und nun ist Oststeinbek gefragt und nicht mehr wir. Die Mannschaftsleistung hat heute gestimmt. Es war ein faires, aber emotionsstarkes Spiel“, sagte ASV-Torschütze Aschenbrenner. „Ich denke, Oststeinbek wird auch hochgehen. Sie und wir haben definitiv nichts mehr in der Bezirksliga zu suchen!“ Aufgrund des starken Punkte-Quotienten des Tabellenzweiten der Ost-Staffel werden die beiden Top-Teams in der neuen Saison wohl in eben dieser Bezirksliga auch nicht mehr spielen.

ASV: Ahmadi; Appiah, Barlak, Streib (75. Szymborski), Fazl (46. Masharqi); Kaba, Arguelho; Farahi, Cayir, Al Radi; Aschenbrenner (90.+3 Iddrisu)
OSV: Joost; Grünberg (75. Frers), Köksal, Fehlandt, Youness Sbou; M. Sbou, Sejdi (65. Aliu); Yazici (85. Fischer), Voigt, Youssef Sbou; Örün